Steigt die Inzidenz, weil mehr getestet wird? Drosten widerspricht deutlich

Corona-Tests

Die 7-Tage-Inzidenz sei als Kriterium Regeln nicht geeignet, sagt der Epidemiologe Gerárd Krause. Der Virologe Christian Drosten widerspricht - und verweist auf eine weitere Kennzahl.

von Saskia Bücker

, 15.04.2021, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité Berlin, nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie teil.

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité Berlin, nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie teil. © picture alliance/dpa/Reuters Pool

Die Kritik an der Sieben-Tage-Inzidenz als einzigem Kriterium zur Bewertung der Infektionslage reißt nicht ab. Der Epidemiologe Gérard Krause rät von einer geplanten Fixierung auf die Sieben-Tage-Inzidenz bei der Änderung des Infektionsschutzgesetzes ab. Allein für sich stehend sei dieser Wert nicht ausreichend, sagt der Wissenschaftler.

„Dieser Wert war schon immer problematisch, aber inzwischen wird er richtiggehend untauglich“, sagte der Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig der „Tagesschau“.

Sein Argument: Die Sieben-Tage-Inzidenz entkopple sich immer mehr von der eigentlichen gesundheitlichen Lage. Ein Grund: Es werde jetzt deutlich mehr getestet, was zu deutlich mehr Meldungen von Infektionen führe, die zuvor unerkannt geblieben wären. „Soweit ist das gut, aber die Sieben-Tage-Inzidenz reflektiert nur die positiven Tests – und nicht, ob die Menschen auch erkrankt sind“, erläuterte Krause im Interview.

Höhere Inzidenz durch Tests, aber weniger Erkrankte?

Weiter führte er aus, man könne den Inzidenzwert etwa in die Höhe treiben, wenn man in allen Schulen täglich testen würde. Die allermeisten der so entdeckten Infektionen hätten keine Erkrankungen zur Folge. Die gestiegene Inzidenz würde aber die Behörden zwingen, Ausgangssperren, Schulschließungen und andere Maßnahmen zu treffen, obwohl sich die pandemische Lage gar nicht verschlechtert hätte.

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Charité-Virologe Christian Drosten widersprach dieser Aussage. „Es stimmt nicht, dass deutlich mehr getestet wird“. Es stimme auch nicht, dass trotz höhrere Inzidenzen, weniger Patienten ind Krankenhaus eingewiesen würden. „Dieser Effekt wird in einigen Wochen eintreten, jetzt gibt es ihn aber noch nicht.“

Daher sei die Haupt-Argumentation dieses Beitrags in der derzeitigen Lage falsch. Vielmehr habe sich die Positiv-Quote verdoppelt, betont Drosten. Das bedeute, es werde relativ zu den wahren Fällen weniger und zielgerichteter getestet. „Dies ist wahrscheinlich der Beitrag der Schnelltests“, schreibt Drosten. Er führe das darauf zurück, dass mehr positiv Vorgetestete im Anschluss auch einen positiven PCR-Test bekämen.

Corona-Tests: Positiven-Rate steigt seit Wochen

In den vergangenen beiden Wochen sei ein Rückgang der übermittelten PCR-Testungen im Vergleich zu den Vorwochen zu verzeichnen, vermerkt auch das Robert Koch-Institut in seinem Situationsbericht vom Mittwoch, „was vermutlich unter anderem auf geschlossene ärztliche Praxen über die Osterfeiertage und -ferien zurückzuführen ist.“ Ein reguläres Testaufkommen sei ab dieser Woche wieder zu erwarten.

Die Positivenrate hingegen steigt seit Wochen konstant. Das ist eine Kennzahl, die angibt, wie viele der durchgeführten Corona-Tests tatsächlich positiv sind. Steigt die Positivenrate, ist das ein aussagekräftiger Hinweis darauf, dass das Infektionsgeschehen zunimmt.

Jeden Mittwoch veröffentlicht das RKI die neu errechneten Werte in seinem Situationsbericht. Zum Jahresbeginn waren 12,83 Prozent der Tests positiv, Ende Januar, 8,44 Prozent. Bis Anfang März sank die Rate weiter auf einen Wert von rund 6,1 Prozent. In der Woche vom 8. bis 14. März ist sie dann wieder gestiegen – auf 6,8. Anfang April, in der Woche vom 5. bis 11. April, lag sie wieder bei 12,04.