Sternstunden mit Dirigent Chailly

Konzerthaus Dortmund

Die Berliner Philharmoniker lieben ihn, das Gewandhausorchester sowieso und die Mailänder Scala auch: Riccardo Chailly bringt genau die richtige Mischung aus dem präzisen Dirigat eines Kapellmeisters und dem eines temperamentvollen Maestros auf die Bühne. Am Samstag und Sonntag führte der Gewandhauskapellmeister das älteste bürgerliche Orchester der Welt, sein Gewandhausorchester, ins Konzerthaus Dortmund.

DORTMUND

, 22.02.2015, 14:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Riccardo Chailly kam mit seinem Gewandhausorchester Leipzig und Julian Rachlin als Solist ins Konzerthaus.

Riccardo Chailly kam mit seinem Gewandhausorchester Leipzig und Julian Rachlin als Solist ins Konzerthaus.

Wie sich der 272 Jahre alte Klangkörper in den zehn Jahren unter Chailly zu einem Spitzen-Orchester Europas entwickelt hat, ist beeindruckend. Der 52-jährige Italiener scheint dafür Goldhände zu haben, und das prädestiniert ihn für die Nachfolge von Rattle in Berlin. Beim Solisten, Julian Rachlin, hatte er am Samstag weniger Glück.

Wenig Eleganz

Mit viel Luft und Holz im Ton spielte der 40-jährige Österreicher das Violinkonzert von Tschaikowsky, nahm sich viele Freiheiten im Tempo, die Chailly und das Orchester wunderbar auffingen. Aber die Eleganz, die das Konzert braucht, fehlte.

Wie ausgewechselt war Rachlin gestern im Konzert von Gewandhaus-Kapellmeister Mendelssohn. Da spielte er mit blühendem Ton und ganz viel Gefühl. Technisch ist Rachlin ohnehin überlegen – was man in der virtuosen Zugabe von Yysaye hörte.

Faszinierende Farbigkeit

Zwei melodienselige Russen standen Samstag auf dem Programm, nach der Pause eine fulminante Interpretation von Rachmaninows zweiter Sinfonie. Und nicht nur den dritten Satz – 15 Minuten Hollywood pur – machte Chailly mit seiner perfekt durchleuchteten Interpretation zum Ereignis.

Alles hält dieser Dirigent ständig im Fluss, er mag flotte Tempi und gab beiden Werken faszinierende Farbigkeit. Gestern toppte er diese Spitzenleistung noch in Mahlers erster Sinfonie. Spannender hat eine Mahler-Einleitung nie geklungen, und so aufbrausend wie seine jungen wilden Kollegen ist Chailly allemal.

Das Gewandhausorchester klingt mit seinem dunkel-samtigen Streicherklang inzwischen ähnlich wie das Concertgebouw, das Chailly vorher geleitet hat. Wenn es nicht mit Berlin klappt, kann man von den Leipzigern Großes erwarten.

Lesen Sie jetzt