Steven Spielberg ist ein Dirigent des Emotionalen

70. Geburtstag am Sonntag

"Ich erinnere mich an den Tag, als mein Vater mir die erste Kamera schenkte. Im Grunde fing mein Leben da erst an!". Das sagt einer, der dem Film alles verdankt, dem aber auch das Kino viel verdankt: Regisseur Steven Spielberg, der am Sonntag (18.12.) 70 Jahre alt wird.

LOS ANGELES

, 16.12.2016, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Steven Spielberg bei den Filmfestspielen in Cannes. Gewonnen hat der Regisseur dort nie etwas, aber war immer ein gern gesehener Gast an der der Côte d?Azur.

Steven Spielberg bei den Filmfestspielen in Cannes. Gewonnen hat der Regisseur dort nie etwas, aber war immer ein gern gesehener Gast an der der Côte d?Azur.

Spielberg ist der erfolgreichste Filmemacher überhaupt, seine 29 Regiearbeiten spielten über acht Milliarden Dollar ein. Auf sein Konto gehen Kassenknüller wie "E.T." (1982), "Jurassic Park" (1993), vier "Indiana Jones"-Abenteuer, auch "Schindlers Liste" (1993) und "Der Soldat James Ryan" (1998), für die Spielberg Regie-Oscars bekam.

Mit "Der weiße Hai" begründete der Amerikaner 1975 das Phänomen des Blockbuster-Ereignis-Kinos, als es noch keinen Begriff dafür gab - zwei Jahre bevor "Star Wars" Furore machte. John Williams' dunkel sägendes Streichermotiv zur Hai-Attacke ist wohl die berühmteste Horror-Musik neben der Dusch-Sequenz in "Psycho" mit ihren kreischenden Geigen. Der Film verdarb Millionen das Bad im Meer und machte Spielberg zum Star.

Das Prinzip der Serie

Den Weg nach Hollywood hat er sich allein durch Talent geebnet, und das war früh ausgeprägt. Als Zehnjähriger dreht Steven Unglücke mit der Modelleisenbahn in Super 8. Mit 16 Jahren präsentiert er einen Streifen von 140 Minuten (!) Länge. Der Papa mietet ein Kino, Steven zeigt seinen Film "Firelight" und macht nach Abzug der Kosten 100 Dollar Gewinn.

Der Kurzfilm "Amblin" von 1968 wird für den 22-Jährigen zur Eintrittskarte nach Hollywood. Er gewinnt Preise und bringt Spielberg einen Siebenjahresvertrag mit Universal, für die er TV-Serien wie "Columbo" dreht. Unser Mann hat aber größere Ambitionen: Sein kurzer Spielfilm "Duel" besticht durch Minimalismus (LKW hetzt Pickup) und meisterliche Spannung. In Europa kommt "Duel" ins Kino, Kritikerlob gibt es obendrein.

Nach dem weißen Hai saß Spielberg fest im Sattel. Er dreht "Unheimliche Begegnung der dritten Art" (1977), steckt den Flop "1941" weg und trumpft 1981 mit "Jäger des verlorenen Schatzes" auf, der das Genre des Abenteuerfilms neu belebt und das heute so beliebte Prinzip der Serie vorweg nimmt. Fortsetzungen folgen 1984, 1989 und 2008.

Von der Kritik verschmäht

Richtig Kasse macht 1982 "E.T.", auch wenn die Kritik den Regisseur als kindlich sentimentalen Märchenonkel schmäht. Spielberg sagte einmal, er gehe seine Filme vom Gefühl her an: "Wenn ich bei der Arbeit zu viel denken muss, ist etwas falsch." Sein Bauchgefühl trügt ihn selten. Dramaturgisch sind seine Werke perfekt ausbalanciert.

Steven Spielberg ist ein Dirigent des Emotionalen, der oft die ganze Palette zwischen Spannung, Grusel, Humor und Rührung abruft und dabei ein Händchen für Tempo und Timing hat.

Schon "Die Farbe Lila" (1985) kreiste um die Rassentrennung, endgültig befreit sich Spielberg 1993 mit "Schindlers Liste" vom Image des seichten Plauderers. Im Grauen des Holocaust findet er eine Geschichte vom Sieg der Menschlichkeit: typisch Steven Spielberg, trotz allem optimistisch.

Gewiefter Unterhalter

Als gewiefter Unterhalter springt Spielberg sofort auf die Möglichkeiten digitaler Effekte an - "Jurassic Park" wird ein Triumph. "Minority Report" (2002) und "Krieg der Welten" (2005) sind solide trickgefütterte SciFi-Filme, zuletzt drehte der Amerikaner das Spionage-Drama "Bridge of Spies" und den Kinderfilm "Big Friendly Giant".

Beweisen muss der 70-Jährige nichts mehr, er hat in vielen Genres seine Fußabdrücke hinterlassen. Das Kino von heute sähe ohne Steven Spielberg sicher anders aus.

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