Netflix-Serie „Stateless“: Wo Menschlichkeit bloß auf dem Papier steht

mlzStreaming-Kritik

Die Serie Stateless auf Netflix nimmt sich einem bewegenden Thema an: Wie es ist irgendwo im nirgendwo auf seine Aufenthaltsgenehmigung zu warten. Eindringlich und aufrüttelnd erzählt.

Dortmund

, 21.07.2020, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom Hörensagen glaubt man zu wissen, was Flüchtlinge durchmachen, die in Lagern hausen und auf ein Bleiberecht hoffen. Wie ein Leben im Wartestand sich ganz konkret anfühlen mag, schildert die australische Mini-Serie „Stateless“ (Staatenlos), die bei Netflix läuft.

Das Resümee des Sechsteiler fällt deprimierend aus: Wo Flüchtlinge zu Nummern werden und Menschlichkeit bloß auf dem Papier steht, gibt es kein Happy End, nur Frust und Enttäuschung. Produziert wurde „Stateless“ von Cate Blanchett, die auch eine kleinere Rolle übernahm.

Wenn man weiß, dass Blanchett seit Langem in der Flüchtlingshilfe engagiert ist, erklärt sich die Stoßrichtung des Dramas: Es prangert an, es erzählt von einer Demokratie, die ein humanitär angepinseltes Gulag-System betreibt, das Migranten zu Spielbällen und Opfern von Bürokraten macht.

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Junge Frau mit Trauma

An den Regularien der Spielfilm-Dramaturgie kommt die Serie nicht vorbei. Sie kleidet eine junge Australierin (Yvonne Strahovski) mit einem übergroßen Trauma und einer wirren Vorgeschichte aus, bis diese Sofie im Internierungslager für Flüchtlinge landet. Alle dort wollen nach Australien, die psychisch angeschlagene Sofie will weg aus dem Land.

Es gab den Fall einer Deutschen, die Monate in einem australischen Lager verbrachte, mit dem Passus „Inspiriert von Fakten“ greift die Serie ihn auf. Im Kern bereichert Sofie den Stoff um die Sichtweise einer weißen, westlichen Insassin, vom Schicksal ins selbe Lager gesteckt wie der Pakistani und die Kurdin.

Stateless wird aus vielen Perspektiven erzählt

Was „Stateless“ auszeichnet, ist der multi-perspektivische Blick. Wachmann Cam (Jai Courtney) verzweifelt im Bemühen, die Leute mit Würde zu behandeln. Da ist die Frau vom Ministerium (Asher Keddie), die im Lager für Zucht und Ordnung und gute Presse sorgen soll. Demonstranten belagern das Tor, Wachleute schlagen über die Stränge, langjährig Internierte entwickeln einen Lagerkoller.

Eindringlich wird das Scheitern eines Systems beschrieben, das nicht in der Lage ist, Einwanderern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Stupide Paragrafenreiterei und schleppende Bearbeitung produzieren nur Verlierer. Eine Serie als Appell und Hilferuf: aufrüttelnd.

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