Streamingtipps für den März: Im Zeichen der Superhelden

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Im März fahren Netflix, Amazon und Co. wieder unzählige neue Produktionen auf. Unser Streamteam bringt etwas Licht in den Streamingdschungel.

28.02.2021, 06:00 Uhr / Lesedauer: 12 min
Im März bieten die Streamingdienste viele neue Filme und Serien.

Im März bieten die Streamingdienste viele neue Filme und Serien. © picture alliance/dpa

Wie viele Superhelden braucht man, um die Welt zu retten? Was klingt, wie der Anfang von einem miesen Ostfriesenwitz, ist auf dem Streamingmarkt längst Realität. Offenbar ist die Erde in einem äußerst beklagenswerten Zustand, anders lässt sich die seit Jahren stabile Schwemme an immer neuen Superheldenproduktionen kaum erklären. Marvel wird wohl erst Ruhe geben, wenn wirklich die allerletzte Randfigur aus dem abwegigsten Heldenepos eine eigene, auf zehn Folgen zerdehnte Serie erhält – und sei es ein textloser siebter Troll von rechts oder die Cousine von Hulk.

Die Cousine von Hulk? Ernsthaft? Ernsthaft. Tatsächlich ist die Marvel-Serie „She-Hulk“ mit Tatjana „Orphan Black“ Maslany als Cousine von Bruce Banner alias Hulk frisch in der Entwicklung. Die Figur stammt nicht mal aus den fiebrigen Träumen unersättlicher Hollywoodproduzenten, sondern aus der Fantasie von Autor Stan Lee und Zeichner John Buscema.

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Erstmals in Erscheinung getreten ist sie 1980. Wir verkneifen uns an dieser Stelle die stereotype Scherzfrage, ob „She-Hulk“ statt Grün dann Pink anschwillt (Huch! Jetzt ist es doch passiert). Sicher ist: Das konsequente Durchgendern des Marvel-Kosmos könnte noch eine Menge Helden und Heldinnen gebären – bis hin zum Schwarzen Witwer „Black Widower“ oder Jasper Jones, dem androgynen Bruder von Jessica.

Im Streamingmonat März heißt die Superheldenproduktion der Stunde „The Falcon And the Winter Soldier“, eine Art heldenhaftes Buddy-Movie mit Anthony Mackie als Superflieger Falcon und Sebastian Stan als Wintersoldat, die sich frotzelnd und foppend bei Disney+ durch das harte Schicksal als Superheld arbeiten.

Eine Auswahl der wichtigsten neuen Produktionen finden Sie hier nun wieder, zusammengestellt von Ihrem Streamteam.

Worauf wir uns freuen

Superheldenserie „The Falcon and The Winter Soldier“: Trockener Humor und Bilder für die große Leinwand

Wie bekommt man ein ausgelutschtes Genre wieder saftig? Der Superheldenfilm, gefühlt das in den vergangenen zehn Jahren einzige existierende Filmgenre in Hollywood (auch Serien gibt es diesbezüglich zuhauf), feiert nach zuletzt starken Ermattungserscheinungen auf der Leinwand ein Comeback. Und zwar nicht so wie früher, als Spider Mans TV-Kostüme noch aussahen wie Spider-Man-Schlafanzüge heute. Sondern mit trockenem Humor und Bildern, die auch auf größten Leinwänden glänzen würden.

Nachdem Produzent Kevin Feige, Begründer des Marvel Cinematic Universe, zum Auftakt die Avengers Scarlet Witch und Vision (Elizabeth Olsen, Paul Bettany) in „WandaVision“ rätselhaft und höchst vergnüglich in einer Uralt-SitCom stranden ließ, müssen sich demnächst der Superflieger Falcon und der Winter Soldier mit einem mörderischen Superheldenhasser auseinandersetzen.

Showrunner und Drehbuchautor Malcolm Spellman zeigt sich im Trailer sichtlich von den alten Buddy Movies der Achtzigerjahre inspiriert und lässt Anthony Mackie und Sebastian Stan rüberkommen wie weiland Danny Glover und Mel Gibson in den „Lethal Weapon“-Streifen. „Everwood“-Star Emily VanCamp schlüpft in ihre alte Agent-13-Rolle aus den „Avengers“-Filmen, Daniel Brühl soll den Nazispross und Superschurken Helmut Zemo in der Serie mit deutlich mehr Gruselappeal spielen als damals in „The First Avenger: Civil War“.

Für Marvelmaniacs gibt es gute Nachrichten: Produzent Feige plant neben zahllosen weiteren Marvel-Kinofilmen die Serien „Hawkeye“, „Loki“ (über Asgards großen Zwielichtigen), „I Am Groot“ (über den niedlichen Schößling aus „Guardians of the Galaxy“), „Armor Wars“ (darüber, was passiert, wenn Tony „Iron Man“ Starks Techkreationen in die falschen Hände geraten), „She-Hulk“ (über die von Tatjana „Orphan Black“ Maslany gespielte Cousine des Hulk). Man wird mehr als Superkräfte brauchen, um das alles wegzubingen!

„The Falcon and The Winter Soldier“, bei Disney+, sechs Episoden, von Malcolm Spellman, mit Anthony Mackie, Sebastian Stan, Daniel Brühl Emily VanCamp (ab 19. März).

„Das Hausboot“: Doku mit Fynn Kliemann und Olli Schulz
Hausboote sind Herzenssache. Das wussten schon 1958 Cary Grant und Sophia Loren, die sich im Film „Hausboot“ auf einem ebensolchen ineinander verliebten. Bei Olli Schulz und Fynn Kliemann wurde die Männerfreundschaft bei den Arbeiten an einem bewohnbaren Wassergefährt jüngst auf die Probe gestellt.

Die Dokureihe „Das Hausboot“ erzählt vom Renovieren – und das ist Nervensache. Das Boot gehörte mal Gunter Gabriel, Ziel war, es in ein Aufnahmestudio zu verwandeln. Als Bohrer und Schrauber sind sich die beiden manchmal einig, manchmal nicht.

Vom „vielleicht schönsten und gleichzeitig schlimmsten Projekt“ seines Lebens spricht Kliemann auf Instagram, und die beiden Bootsmänner streichen das Ding tatsächlich rosa. Womit wir wieder bei Cary Grant wären, der 1959 in „Unternehmen Petticoat“ ein rosa U-Boot befehligte. Ja, U-Boote sind auch Herzenssache.

„Das Hausboot“, bei Netflix, vier Folgen, Dokureihe mit Fynn Kliemann, Olli Schulz (ab 9. März).

Miniserie „The Pembrokeshire Murders“: Star aus den „Hobbit“-Filmen wird zum Detective

In einem „Spot the Ball“-Wettbewerb müssen die Mitspieler die Position eines Balles festlegen, der aus dem Foto eines Ballspiels entfernt wurde. Der Gelegenheitskriminelle und Farmarbeiter John Cooper gewann bei einem solchen Contest 90.000 Pfund und ein Auto. Er versoff das meiste und geriet auf noch dunklere Wege. 1998 wurde er wegen Gewalttaten und 30 Raubüberfällen zu 14 Jahren Haft verurteilt. Da ahnte man noch nicht, dass man den „Pembrokeshire Killer“ festgesetzt hatte, der 1985 und 1989 zwei Doppelmorde begangen hatte.

Luke Evans – Star aus den „Hobbit“-Filmen – spielt in der dreiteiligen Miniserie „The Pembrokeshire Murders“ den Detective Superintendent Steve Wilkins, der die ad acta gelegten Fälle im Jahr 2006 neu aufrollte. „Männer wie dieser werden immer wieder töten“, ist sich Wilkins sicher. „Er ist eine tickende Zeitbombe.“ Und der Trailer vermag dieses Ticken durchaus hören zu lassen. Das Lächeln des freigelassenen Cooper (Keith Allen, „Time Crashers“) jagt einem jedenfalls kalte Schauer über den Rücken.

„The Pembrokeshire Murders“, bei Magenta TV, drei Episoden, von Nick Stevens, Regie: Marc Evans, mit Luke Evans, Keith Allen, Caroline Berry (ab 11. März)

„Beforeigners: Mörderische Zeiten“: Welle von Zeitmigranten bricht über Norwegen herein
In der Serie „Beforeigners“ bricht eine ganze Welle von Zeitmigranten aus vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden über Norwegen herein. Wikinger tauchen plötzlich auf, Steinzeitmenschen sogar. Natürlich haben sie mit dem digitalen Zeitalter ihre Probleme, natürlich müssen sie integriert werden, was mehr schlecht als recht funktioniert. Der Science-fiction-Fantasy-Plot wird mit Satire und Skandinavien-Krimi durchmischt.

Polizist Lars (Nicolai Cleve Broch) und seine neue Kollegin, die durch vielerlei altertümliche Ermittlungsmethoden hilfreiche Wikinger-Schildmaid Alfilhldr (Krista Kosonen), untersuchen den Mord an einer neolithischen Frau und stoßen auf weitere Hassverbrechen gegen die „multitemporale“ Bevölkerung.

Wer jetzt noch zögert, bekommt zwei Bingegründe: Erstens: „Beforeigners“ ist eine Produktion des Qualitätshauses HBO. Zweitens: Und die Serienschöpfer sind Eilif Skodvin und Anne Bjørnstad, die Köpfe hinter „Lilyhammer“, Netflix‘ köstlicher Mafiakomödienserie mit Steven van Zandt.

„Beforeigners: Mörderische Zeiten, Staffel 1″, in der ARD-Mediathek, sechs Episoden, von Eilif Skodvin und Anne Bjørnstad, mit Nicolai Cleve Broch, Krista Kosonen (ab 14. März).

Neue Staffel „Strike“: Wann wird aus Cormoran Strike und Detekteikollegin Robin ein Paar?
Mal ehrlich: Aus Cormoran Strike und seiner Detekteikollegin Robin, den beiden Helden von „Harry Potter“-Mama Joanne K. Rowling, muss doch irgendwann ein Paar werden, wetten? In der neuen Staffel der Reihe „Strike“ allerdings noch nicht – da werden allenfalls die Voraussetzungen für eine romantische Entwicklung geschaffen. Denn Robin erfährt zu Beginn des vierten Falls (jedenfalls der Romanvorlage „Tödliches Weiß“), dass ihr Spießergatte Matthew alle Kontaktversuche Cormorans in der letzten Phase der jüngsten Verbrecherjagd unterbunden hat.

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Man erinnere sich: Es ging um den Shacklewell Ripper – einen Serienmörder mit bizarrer postalischer Neigung. Die Braut ist dem Bräutigam darob gram, und man denkt sich, wenn Cormoran jetzt beim nächsten Geburtstag nicht wieder mit unpersönlichen Geschenken rüberkommt, könnte Robin doch wohl mal einen Gedanken riskieren, oder?

Darum geht es diesmal: Ein geistig verwirrter junger Mann zieht Strike in einen Mordfall, den er als Kind beobachtet zu haben glaubt. Wahn oder Wirklichkeit? Und Robin untersucht die Erpressungsversuche an einem Mitglied des House of Commons. Nichts weniger erwarten wir von Tom Burke („Die Musketiere“) und Holliday Grainger („Die Borgias“) – dem reizvollsten Detektivpaar des Bildschirms seit Miss Marple und Mr. Stringer – als eine weitere raffiniert-elegante Kriminette, vielleicht mit ein bisschen Rom Crime, von der wir uns keine Sekunde abwenden möchten.

„Strike: Tödliches Weiß“, bei Sky, vier Episoden, von Joanne K. Rowling, mit Tom Burke, Holliday Grainger, Kerr Logan (je 2 Episoden ab 12. und ab 19. März).

Disney-Film „Raya und der letzte Drache“: Junge Kriegerin auf Mission

Im März startet noch ein Disney-Film statt in den Lichtspielhäusern Deutschlands erstmal bei Disney+. In „Raya und der letzte Drache“ macht sich eine junge Kriegerin auf eine Mission. Die Herrschaft der dunklen Macht der Druun im fiktiven, asiatisch anmutenden Reich Kumandra muss beendet werden. Das Land bedarf der Heilung, die fünf Clans der Einheit, die Bewohner Kumandras, eines anhaltenden Friedens. Dazu muss ein Wasserdrache aufgetrieben werden, denn diese Fabeltierart stand in den großen Tagen des Reichs für Licht, Harmonie, Selbstlosigkeit und Einheit.

Klar, dass Disney trotz des fernöstlichen Gepräges damit einen Appell an das eigene zerrissene Land im Sinn hatte, in dem der Aufruhr stiftende Undemokrat Trump sich nach gescheitertem Impeachment schon wieder in Position bringt. Und klar auch, dass der Drache – anders als in früheren Trickfilmzeiten – die Weltrettung nicht alleine besorgen kann.

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Nur gemeinsam kriegt man’s hin. Damit die jüngeren Disney-Fans vor lauter Ernst der Lage nicht trübsinnig werden, haben die Macher mit Tuk Tuk – benannt nach den asiatischen Kleintaxis – einen Sidekick fürs Komische eingebaut, der in der „Mulan“-Realverfilmung neulich so schmerzhaft vermisst wurde. Rayas bester Freund ist irgendwas zwischen Pillendreher und Gürteltier.

„Raya und der letzte Drache“, bei Disney+, 107 Minuten, Regie: Don Hall, Carlos López Estrada, Animationsfilm (streambar ab 4. März).

„Sky Rojo“ vom „Haus des Geldes“-Macher: Drei Prostituierte auf der Flucht
Álex Pina gehört zu den Fernsehmachern unseres Vertrauens. Er hat „Haus des Geldes“ ersonnen, die furiose, bislang vierstaffelige Geschichte eines Überfalls auf die spanische Zentralbank (die fünfte und letzte Staffel lässt coronabedingt auf sich warten). Jetzt kommt „Sky Rojo“, seine Zusammenarbeit mit Esther Martínez Lobato, der Drehbuchautorin einiger „Haus des Geldes“-Folgen. Erzählt wird von drei Prostituierten, die ihren Zuhälter (Asier Exteandia) schwer verletzen. Coral (Verónica Sanchez), Wendi (Lali Espósito) und Gina (Yany Prado) bleibt nur eins: die Flucht. Denn der schmierige Lude namens Romeo ist extrem rachsüchtig.

„Sky Rojo“ erzählt kein Prostitutionsdrama, soviel ist nach Ansicht des Trailers klar. Eher sind Pina und Lobato in den Schuhen von Ridley Scott unterwegs, der 1991 mit „Thelma & Louise“ zwei Frauen aus der öden Bürgerlichkeit ihres Lebens in ein großes Abenteuer aufbrechen ließ. Auch Coral, Wendi und Gina sind in ihrem roten BMW auf dieser Straße unterwegs, allerdings sitzen ihnen mit Moíses (Miguel Ángel Silvestre) und Christian (Enric Auguer) zwei Bedienstete ihres Ex-Chefs im Nacken. Zwei mit der Lizenz zum Töten. Und das Motto der drei Frauen ist das der Freiheit, des Lebens und der Bremer Stadtmusikanten: Etwas Besseres als den Tod werden wir überall finden.

„Sky Rojo“, bei Netflix, acht Episoden, von Álex Pina und Esther Martínez Lobato, mit Verónica Sanchez, Lali Espósito, Yany Prado (ab 19. März).

Serie „We Are Who We Are“: Eine Liebe im langen, schönen Sommer der Ziellosigkeit

Es gibt diese Szene am Ende von Luca Guadagninos Kinodrama „Call Me By Your Name“, die einen bei jedem neuen Sehen des Films im Innersten bewegt. Ein Vater redet da mit seinem 17-jährigen Sohn. Der alternde Universitätsprofessor kleidet sein Anliegen in Geschichte, weil es behutsam zugehen muss. Er will seinem Sohn erklären, dass er ihn liebt, und dass dessen Schwulsein nichts mit seiner Vaterliebe zu tun hat. Es ist ein Blick in die unverschanzte menschliche Seele, eine wunderbare Szene. Es steht dabei nie die Geschichte einer schwulen Liebe im Mittelpunkt, sondern die der Liebe überhaupt, ihrer Wege und Hemmnisse, ihrer Selbstverständlichkeit.

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Jetzt gibt es Guadagnino gleich in Serie: In „We Are Who We Are“ kommt der junge Fraser (Jack Dylan Grazer) aus New York ins italienische Nirgendwo, wo seine Mutter (Chloe Sevigny) und deren Frau Maggie (Alice Braga) auf einem US-Militärstützpunkt stationiert werden. Alles an Fraser ist Abwehr und Unsicherheit, und dennoch verliebt er sich in diesem langen, schönen Sommer der Ziellosigkeit. Den wir miterleben wollen, weil Guadagnino Jugend erzählen kann wie kein anderer, weil er uns garantiert mit tiefen Charakteren und erlesenen Erzählvolten überraschen wird und man wieder glauben wird, die Düfte Italiens riechen, die Meeresbrisen auf der eigenen Haut spüren zu können.

„We Are Who We Are“, bei Amazon Prime Video (Starzplay), acht Episoden, von Luca Guadagnino, mit Jack Dylan Grazer, Chloe Sevigny (ab 7. März).

Liebes- und Politdrama „The Attaché“: Ein weiteres Serienjuwel aus Israel

Das Leben meint es gut mit Annabelle (Héloïse Godet) und ihrem Liebsten Avshalom (Eli Ben-David), denn wo anders kann man als glückliches Paar besser aufschlagen als in Paris, wo „l’amour“ ihre Heimat hat. Jedenfalls ist der israelische Jude marokkanischer Abstammung d’accord, als Annabelle eine Anstellung als Attaché in der israelischen Botschaft in Frankreich bekommt. Ein Musiker ist er obendrein, und Paris ist die Stadt des Jazz und der Chansons. Et voilà!

Doch just am Tag ihrer Ankunft ereignet sich ein verheerender Anschlag, der alles verändert. Plötzlich ist der anerkannte Künstler einer „von denen“, die das friedliche Europa kaputtschlagen. Die Vorurteile einer Welt, die Äußerlichkeiten über einen Kamm schert und in jedem Menschen mit nahöstlichem Erscheinungsbild einen Terroristen sieht, führen zu einer Identitätskrise und Zwistigkeiten zwischen Avhsalom und seiner Frau. Nach den Politthrillern „Hatufim“ (2009–2012) und „Fauda“ (2015–2020) und der Komödienserie „Shtisel“ (2013–2016) ist das Liebes- und Politdrama „The Attache“ von „Shtisel“-Produzent Abot Hameiri möglicherweise ein weiteres Serienjuwel aus Israel.

„The Attaché“, bei Amazon Prime Video, zehn Folgen, von Eli Ben David, mit Eli Ben David, Héloïse Godet, Ilay Lax (ab 14. März).


Amazon-Film „Der Prinz aus Zamunda 2“: Eddie Murphy ist zurückAfrikanischer Königsspross reist in die USA, um dort eine Braut zu finden, die selbstbewusster ist als die Prinzessinnen, die Papa und Mama bislang so für ihn vorgesehen hatten. „Der Prinz aus Zamunda“ war 1988 Eddie Murphys richtig letzter großer Kassenknüller. Aber obwohl wieder John Landis im Regiestuhl saß – so komisch wie in „Die Glücksritter“ (1983) war der einstige „Saturday Night Live“-Comedian hier nicht mehr. Danach folgte mit „Harlem Nights“ der Sturz ins Schrille. Und irgendwann bewegte man sich nicht mehr ins Kino für Eddie.

33 Jahre nach dem ersten Film ist Prinz Akeem in „Der Prinz aus Zamunda 2“ der Prinz Charles von Afrika – fast König, aber mit einem Vater (wieder James Earl Jones) gesegnet, der das ewige Leben zu haben scheint. Da erfährt Akeem von einem unehelichen Sohn in Amerika, den er zum nächsten Prinzen erziehen könnte.

Und so reist er nach New York, schleppt den New Yorker nach Zamunda und bekommt natürlich Schwierigkeiten mit der – selbst schuld – selbstbewussten Gattin und Prinzessinnenmutter (wieder Shari Headley), die auf patriarchalische Thronfolgen pfeift. Und dann ist da noch der übliche afrikanische General, der Herrscher werden will an Herrschers Statt. Im ersten Film war er noch Colonel und wurde von Calvin Lockhart gespielt. Diesmal schießt Wesley Snipes („Blade“) auf Plakate des Prinzen. Und den wollte man – ehrlich gesagt – schon lang mal wieder sehen!

„Der Prinz aus Zamunda 2″, bei Amazon Prime Video, 104 Minuten, Regie: Craig Brewer, mit Eddie Murphy, Shari Headley, Wesley Snipes (ab 5. März).

Miniserie „Die Toten von Marnow“: Jagd auf einen Serienmörder

Ein Toter sitzt im Zimmer, seine Gurgel ist nicht mehr unversehrt. Als später die Polizei eintrifft, hängt er kopfüber im Badezimmer, in seine Haut ein wenig gehörschönes Synoym für „Pädophiler“ geritzt. Für die Kommissare Frank Elling (Sascha Gersak, „Die Protokollantin“) und Lona Mendt (Petra Schmidt-Schaller, „Tatort“) ist die Sache erst mal klar. Sie wissen (noch) nicht, dass zwischendurch jemand an der Leiche „Nachbesserungen“ vorgenommen hat. Alsbald wird in der Miniserie „Die Toten von Marnow“ die Fährte gewechselt, ein Serienmörder gejagt und eine geheime Staatssache aus den späten Tagen der DDR soll auf Teufel komm raus geheim bleiben.

Die Kommissare in der Miniserie „Die Toten von Marnow“ versprechen mehr zu sein als skizzenhafte moralische Funktionsträger à la „Derrick“ oder Falllöser mit ein wenig „Waltons“-artigem Familienleben à la „Blue Bloods“. Wenn Sascha Gersak als Frank Elling zerknittert in die Kamera guckt, flitzt einem sofort ein „Drama!“ durch den Kopf. Und wenn die blonde Petra Schmidt-Schaller als Polizistin mit dem vielsagenden Namen Lona Mendt auf ihrem Krad durchs schöne Meck-Pomm knattert, denkt man sofort an Sofia Helin als Saga Noren in ihrem wirsinggrünen Porsche in „Die Brücke“. Das ist beileibe kein schlechtes Zeichen.

„Die Toten von Marnow“, ARD-Mediathek, acht Episoden, Regie: Andreas Herzog, mit Petra Schmidt-Schaller, Sascha Gersak, Jörg Schüttauf, Michael Mendl, Anton Rubtsov (ab 6. März).

Was wir gesehen haben:

„Neues aus der Welt“: Tom Hanks und Helena Zengel im Netflix-Western

Paul Greengrass war bisher der Regiemeister für den verwackelten Realismus der Handkamera – auch wenn er Actionfilme über Jason Bourne inszenierte. In seinem Netflix-Western „Neues aus der Welt“ setzt der Brite nun auf epische Bilder. Und seine Stars – Tom Hanks und „Systemsprenger“ Helena Zengel – sind sowieso eine Wucht, findet Matthias Halbig.

Nach einem großen Stromausfall ist die EU Geschichte. Die Netflix-Serie „Tribes of Europa“ erzählt von einem Deutschland der Stämme. Und von einem rätselhaften Dingsbums, das alle wollen und das eine neue Menschheitskatstrophe verhindern könnte.

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Christiane F. gibt’s jetzt als etwas mutlose Serie

Christiane F. ist wieder auf Droge: Bei Amazon ist die Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gestartet. Doch hätte man diese Geschichte nicht viel mutiger in unsere Gegenwart katapultieren sollen? Merke: Jeder Filmstoff kann zur Serie ausgebaut werden, nicht jeder muss, findet Stefan Stosch. Und apropos Vergleich zum Film: Die Serie arbeitet nicht mit so vielen schockierenden Bildern wie der Film aus dem Jahr 1981.

Finale der Sky-Serie „Tin Star“: Am schlimmsten ist es immer zu Hause

Die Worths sind es auch in der dritten Staffel von „Tin Star“ wert, dass man einen Blick riskiert, findet RND-Redakteur Matthias Halbig. Tim Roth ist darin nicht mehr Polizeichef in einem kanadischen Städtchen, sondern Racheengel in England. Das Finale der Serie ist – wie erwartet und erhofft – ziemlich over the top.

Netflix-Serie „Sie weiß von Dir“: Das Ende zerstört den eigentlich spannenden Plot

David betrügt seine Frau Adele mit seiner Mitarbeiterin Louise. Diese freundet sich zufällig ausgerechnet mit Adele an. Als das Beziehungschaos auffliegt, kommen noch viel mehr Geheimnisse ans Licht. Eine Miniserie, die spektakulär startet – und zum Ende hin plötzlich enttäuschend abdriftet, findet Autorin Lena Obschinsky.

„Malcolm & Marie“: Zwischen Liebe und Hass

„Malcolm & Marie“ ist mal ein erfreulicher Nebeneffekt der Pandemie. 30 Millionen Dollar hat Netflix für den unter Corona-Bedingungen entstandenen Film bezahlt. John David Washington und Zendaya liefern sich darin eine schauspielerische Tour de Force.

Amazon-Serie „Soulmates“: Liebe im Optimierungswahn
In der Serie „Soulmates“ hat die Wissenschaft den genetischen Code der Liebe geknackt. Der Optimierungswahn unserer Gegenwart wird hier auf die Spitze getrieben. Die Serie driftet gelegentlich ab, aber das Gedankenexperiment ist durchweg spannend, ist unser Kollege Martin Schwickert der Meinung.

„Wonder Woman 1984″: Amazone prima, Rest so lala
Gal Gadot wirft wieder das goldene Lichtlasso. Das Sequel „Wonder Woman 1984“ ist vor dem Kinostart schon mal bei Sky und Sky Ticket zu sehen. Erzählt wird die Geschichte eines märchenhaften Wunschsteins, der die Welt ins Chaos stürzt.

„Unfck the World“: Warum die Doku so wütend macht

Im Sommer 2020 planten zwei Berliner Unternehmer im Olympiastadion die „größte Bürgerversammlung aller Zeiten“. Über das gescheiterte Event gibt es jetzt eine viel diskutierte Doku beim Streamingdienst Joyn.

Serie „Big Sky“ bei Disney+: Das Böse im Rückspiegel
David E. Kelley hat viele legendäre Serien auf dem Kreativkonto – von „Ally McBeal“ bis „Big Little Lies“. In seiner neuen Thrillerserie „Big Sky“ auf Disney+ werden Frauen auf einem Highway entführt. Ein privat miteinander verbandeltes Ermittlertrio versucht, die Gekidnappten aus der Gewalt eines – möglicherweise – Serienmörders zu befreien.

Serie „Unbroken“ in der ZDF-Mediathek: Alles nur in ihrem Kopf?

Aylin Tezel spielt in der fesselnden Thriller-Serie „Unbroken“ (zu sehen in der ZDF-Mediathek) ihre bislang beste Rolle. In der Serie kehrt eine schwangere Polizistin sechs Tage nach ihrer Entführung zurück – ohne Erinnerung und ohne Baby. Ungewöhnlich im Thrillergenre: Als Opfer stellt sie sich an die Spitze der Ermittler.

Was uns interessiert

Disney+ plant erstmals zwei deutsche Serien und startet neue Kategorie Star„Sam – Ein Sachse“ und „Sultan City“ heißen die beiden Produktionen, die beim Streamingdienst Disney+ an den Start gehen sollen. Es sind die ersten beiden deutschen Serien – und Teile der europäischen Produktionsoffensive. Die Konzepte der beiden Serien weisen einen Willen zu einer sichtbaren Diversität auf. Außerdem hat Disney+ am 23. Februar seinen neuen Programmbereich Star gelauncht. Wir erklären, um was es sich dabei genau handelt und welche Produktionen bei Star zu sehen sind. Der Streamingdienst setzt mit Star zunehmend auf Eigenproduktionen.

Woran wir uns gern erinnern

Viren und Bakterien, den winzigen Wimmlern, an die der Homo sapiens vor Corona keinen Gedanken verschwendete (außer ihn plagte gerade eine Grippe), wurde in der kanadischen Serie „ReGenesis“ schon 2004 alle Aufmerksamkeit zuteil: Wesen, deren Kosmos nur unter dem Mikroskop sichtbar wird, die aber – das wussten die Wissenschaftler des North American Biotechnology Advisory Commission (NorBAC) – höchst gefährliche Menschheitsbedroher sind.

Kollege Matthias Halbig erinnert sich gern an die Sci-Fi-Serie über Bioagenten, die die Welt retten. In den Nullerjahren zog „ReGenesis“ ein begeistertes Publikum an – in Deutschland dauerte es, bis alle vier Staffeln zu sehen waren.

Fun Facts, die uns gefallen

Wussten Sie, dass für die meisten Zuschauer die ersten fünf Sekunden einer Serie darüber entscheiden, ob sie sie weitergucken? Dieses Resumé zieht zumindest Streamingriese Netflix aus einer Untersuchung, die bei einem Branchenmeeting präsentiert wurde. Verglichen wird der erste Eindruck einer Serie da mit einem Blinddate: Schon beim Betreten der Bar mache man sich schließlich ein Bild des möglichen Partners. Diese Erkenntnisse sind für Serienmacher nicht unwichtig – Netflix gibt ihnen sogar Tipps mit auf den Weg, wie sie die ersten Momente einer Episode gestalten sollen. So soll zum Beispiel jede Folge einer Serie mit einem Teaser beginnen – es sei denn, die Episode beginnt direkt nach dramatischen Ereignissen, bei denen die letzte Episode aufgehört hat.

Was wir hinter den Kulissen erleben

Programmoffensive bei Sky: Der Pay-TV-Pionier startet 2021 gleich vier neue Kanäle, darunter Sky Comedy und Sky Crime. Elke Walthelm, Sky-Programmchefin und NBC-Deutschland-Chefin, spricht im Interview mit RND-Redakteur Imre Grimm über teure Großproduktionen wie „Babylon Berlin“, Zukunftspläne, Konkurrenten auf dem Streamingmarkt und die Frage, warum Sky Werbung zeigt. Der Streamingdienst will die Zahl seiner deutschen Eigenproduktionen bis 2024 verdoppeln.