Studie: Asthmamittel Budesonid kann gegen schwere Corona-Verläufe helfen

Coronavirus

Eine Studie der Oxford-Universität hat ergeben, dass ausgerechnet ein Asthmamedikament schweren Krankheitsverläufen des Coronavirus vorbeugen könnte. Zustimmung kommt auch aus der Politik.

von Talisa Moser

, 11.04.2021, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Laut einer Studie der Oxford-Universität könnte das Asthmamittel Budesonid schweren Coronaverläufen vorbeugen.

Laut einer Studie der Oxford-Universität könnte das Asthmamittel Budesonid schweren Coronaverläufen vorbeugen. © picture alliance/dpa

Nicht nur Corona-Impfstoffe, auch Mittel zur Behandlung und Vorbeugung schwerer Verläufe werden mehr als ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie weiter erforscht. Ausgerechnet das Asthmamedikament Budesonid könnte im frühen Covid-19-Stadium von Nutzen sein, wie eine Studie der Oxford-Universität zeigt, die in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienen ist.

In der Vergangenheit haben Forscherinnen und Forscher in Studien bereits herausgefunden, dass Asthmapatienten kein höheres Risiko für schwere Corona-Verläufe haben. Wissenschaftler der Universität von Kalifornien fanden zum Beispiel heraus, dass Patienten, die ihr Asthma mit Kortisonsprays zum Einatmen behandeln, weniger ACE2-Enzyme besitzen – genau dort docken die Coronaviren an und die Erbsubstanz des Virus gelangt in den Organismus.

Asthmatiker weniger gefährdet für schwere Verläufe

Zwar sind einige Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf mit dem Coronavirus bekannt, trotzdem werden weltweit auch zahlreiche junge, gesunde Menschen auf Intensivstationen behandelt. Neben Alter, Vorerkrankungen und Gewicht vermuteten Wissenschaftler zu Beginn der Pandemie auch Asthmatikerinnen und Asthmatiker als Risikogruppe – doch ausgerechnet sie waren bei coronabedingten Einlieferungen ins Krankenhaus unterrepräsentiert.

Die Forscher stellten daher die Hypothese auf, dass die milderen Verläufe mit Covid-19 auf den weit verbreiteten Einsatz von inhalativen Glukokortikoiden bei diesen Patienten zurückzuführen sein könnten.

Um diese Vermutung zu überprüfen, untersuchte das Team die Wirksamkeit des weit verbreiteten inhalativen Glukokortikoids Budesonid bei erwachsenen Personen im frühen Erkrankungszeitraum – also innerhalb von sieben Tagen nach Auftreten von leichten Symptomen. Dabei beobachteten sie die Wahrscheinlichkeit einer dringenden Behandlung oder eines Krankenhausaufenthalts, die klinische Erholung und physiologische Parameter wie Temperatur und Sauerstoffversorgung der Patientinnen und Patienten.

Risiko für Krankenhausaufenthalte sinkt um 91 Prozent

Insgesamt nahmen 146 zufällig ausgewählte Covid-Betroffene, die in zwei Kontrollgruppen eingeteilt wurden, an der Studie in Großbritannien teil. Die eine Gruppe sollte zweimal täglich zwei Inhalationen Budesonid bis zum Abklingen der Symptome einnehmen, die zweite Gruppe unterlag einer üblichen Corona-Versorgung. Bei der Behandlung mit Budesonid kam es nur selten zu Nebenwirkungen – besonders im Hinblick auf die begleitenden und langfristigen Symptome einer Corona-Infektion.

Die frühe Verabreichung von inhalativem Budesonid reduzierte bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Wahrscheinlichkeit, dass eine dringende medizinische Versorgung benötigt wurde. Das Risiko für eine nötige stationäre Aufnahme sank den Medizinern zufolge um 91 Prozent. Auch die Zeit bis zur Genesung wurde durchschnittlich um einen Tag verkürzt.

Zustimmung für die Studie auch aus der Politik

SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach ist von der „Lancet“-Studie überzeugt. Er sieht in Budesonid einen „Game Changer“, wie er am Sonntag bei Twitter mitteilte. Die Studie sei nicht nur gut gemacht, die Ergebnisse ergeben ihm zufolge auch klinisch Sinn, da die antientzündliche Wirkung in der Lunge den Verfall der Lungenfunktion verhindern könne.

„Ich kenne einige Ärzte, die bereits diese Strategie verfolgen. Ich würde dies als Hausarzt auf Grundlage der vorliegenden Daten, ohne Kontraindikation, auch tun“, so Lauterbach.

RND

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