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Bomben setzten Südlohn in Schutt und Asche

70 Jahre Kriegsende

Der 22. März 1945 können viele älteren Südlohner nicht vergessen. An diesem Tag wurde die Gemeinde bombardiert. Der Heimatvereinsvorsitzende Ernst Bennemann hat recherchiert und seine Ergebnisse in einem Bericht zusammengefasst. Am Sonntag fand um 9 Uhr zudem ein Gedenkgottesdienst in St. Vitus statt.

SÜDLOHN

20.03.2015
Bomben setzten Südlohn in Schutt und Asche

Die zerstörte St. Vitus Grundschule. Obwohl die Schule als Lazarett mit großen roten Kreuzen markiert waren, erhielt sie schwere Treffer. Zahlreiche Menschen kamen in dem Gebäude ums Leben.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) blieb die Zivilbevölkerung weitgehend verschont, 73 Soldaten der Gemeinde fielen oder wurden vermisst. Weitaus größere Opfer forderte der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945). 244 Bürger aus Südlohn und Oeding fielen auf den Schlachtfeldern oder wurden vermisst. Nicht eingerechnet hierin sind die sieben jüdischen Familien, die deportiert und ermordet wurden.

Südlohn in Einflugschneise

Während der massiven Luftangriffe der Alliierten blieb auch Südlohn nicht verschont. Südlohn und Oeding lagen in der Einflugschneise alliierter Bomberverbände, die das Ruhrgebiet angriffen, so gab es immer wieder Fliegeralarm. Die Bevölkerung im ländlichen Südlohn - ebenso wie in Vreden oder Stadtlohn - lernten mit der Gefahr zu leben. Der Aufenthalt in Luftschutzkellern gehörte zum täglichen Leben.

Der Gemeindearchivar Ulrich Söbbing schreibt (auszugsweise) in dem Buch "Südlohn und Oeding, Zwei Dörfer - eine Gemeinde": Insgesamt wurde für das Dorf Südlohn 468 Fliegeralarme ausgelöst. Bauern auf dem Feld, Fußgänger oder der Zug von Stadtlohn nach Südlohn waren Ziel der Angriffe.

Westfalenwall

Im Herbst 1944 wurde mit dem Bau des Westfalenwalls begonnen. Die Baumaßnahmen von Isselburg über Bocholt, Borken, Südlohn, Stadtlohn bis Ochtrup sollten eine letzte Verteidigungslinie schaffen. Am 10. März 1945 wurden die letzten deutschen Brückenköpfe auf der Westseite des Rheins vernichtet.

Um die Rheinüberquerung vorzubereiten und die deutschen Nachschublinien zu zerstören, wurden am 21. März 1945 Ahaus, Vreden und Stadtlohn bombardiert. Der brennende Stadtlohner Kirchturm war bis Südlohn zu sehen. Am Donnerstag, 22. März 1945, wurde zwischen 9 und 10 Uhr in Südlohn Luftschutzalarm gegeben, fast gleichzeitig fielen auch schon die ersten Bomben. Etwa 48 Bomber luden in drei Angriffswellen ihre todbringende Last ab.

Italiener leistet Erste Hilfe

Die Südlohner Einwohner verließen den Ort und suchten Schutz auf den Bauernhöfen der Umgebung. Am Nachmittag erfolgte der zweite Angriff. Am folgenden Tag, Freitag, 23. März 1945, kam es zum dritten Angriff. Da viele Südlohner geflüchtet waren, gab es im Ort kaum noch Tote. Durch ausgedehnte Brände wurden zahlreiche Häuser zerstört. Der Arzt Anton Schwieters soll Berichten zufolge der Einzige gewesen sein, der während der Bombardierung in Südlohn blieb. Daneben leistete auch der italienische Arzt Dr. Vittorio Bertolani den Verletzten Erste Hilfe. Er war als Kriegsgefangener in der Scheune von Oskar Wolff zusammen mit russischen Kriegsgefangenen untergebracht.

Am frühen Morgen und am späten Abend wurden die in Bettlaken gewickelten Opfer auf Schubkarren zum Friedhof transportiert und in Massengräbern beerdigt. Der damalige Pfarrer Adolf Bleister von St. Vitus war anwesend und segnete die Toten. Einige Leichen wurden erst Wochen später unter den Trümmern gefunden.

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