Swingerclub macht schlapp – Pärchen fuhren 500 Kilometer bis nach Fröndenberg

mlzCorona-Krise

Kontaktverbot und Swingerclub – zwei Dinge, die nicht zusammen passen. Die scharfen Corona-Auflagen haben einen Fröndenberger Traditionsbetrieb in die Knie gezwungen.

Fröndenberg

, 15.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Gewerbegebiet in Fröndenberg-Westick hat eine coronabedingte Geschäftsaufgabe zu beklagen: „Swingerworld Inside“, seit Jahrzehnten ein Begriff für das geneigte Publikum, gibt es nicht mehr.

Das Land hatte erst in dieser Woche einen Passus in seine Verordnung aufgenommen, der neben Tanzlokalen nun auch die Öffnung von Swingerclubs ausdrücklich verbietet.

»Die Leute haben sich bei uns sehr wohl gefühlt.«
Gisbert Vorderwülbecke, Ex-Chef Swingerworld

Der Fröndenberger Swingerclub stand aber bereits auf der ersten Verbotsliste im März, als das Land seine Corona-Schutzverordnung erließ: „Bis auf Weiteres geschlossen“, zitiert Gisbert Vorderwülbecke aus der Anordnung der Stadt Fröndenberg.

Swingerclub vor 28 Jahren gegründet

Der langjährige Betreiber des Swingerclubs hatte für den 12. März noch eine Veranstaltung geplant, die aber schon nicht mehr über die Bühne gehen durfte. Kein Eintrittsgeld, keine Verköstigung, aber weiter laufende Fixkosten – das sei auf Dauer nicht mehr tragbar gewesen. „Ich habe den Betrieb irgendwann kurzerhand aufgelöst“, erzählt Vorderwülbecke.

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Das Ende eines regelrechten Traditionsbetriebs, dem seine Gäste immerhin 28 Jahre lang die Treue hielten. Ein wenig abgeschieden lag er schon, der Club, dessen Gebäude von außen eher der Charme eines biederen Einfamilienhauses anhaftet.

Taxifahrer hielten versehentlich vor dem Club

Taxifahrer sollen bei der Nennung „Werner-von-Siemens-Straße“ Fahrgäste, die eigentlich zu ihrer dortigen Wohnung gefahren werden wollten, auch schon mal irrtümlich vor dem Swingerclub abgesetzt haben – offenbar hatte das Taxigewerbe der Adresse bereits unterschiedslos ein anderes Gewerbe zugeordnet nicht wissend, dass in dieser Hinsicht unbescholtene Paare in der Nachbarschaft wohnen.

Tatsächlich kamen viele Clubgäste natürlich aus der näheren Umgebung, aber bei weitem nicht nur. Bis zu 500 Kilometer hätten die Menschen auf sich genommen, um Fröndenberg für einen Abend und eine Nacht „für spezielle Veranstaltungen“, so Gisbert Vorderwülbecke, zu besuchen. Biete man „besondere Veranstaltungen“, seien solche Distanzen in diesem Gewerbe überhaupt nichts Ungewöhnliches.

Gäste waren zwischen 18 und 70 Jahre alt

Jede Woche von donnerstags bis sonntags boten Vorderwülbecke und sein Team „unterschiedliche Veranstaltungen“ an. Die Veranstaltungen waren thematisch so breit gefächert, dass sich „sämtliche Altersgruppen verteilt von 18 bis 70“ angesprochen gefühlt hätten.

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Noch vor wenigen Jahren hatte Vorderwülbecke, der den Club am 1. Oktober 1998 von seinem Vorgänger übernommen hatte, „20.000 Euro in die Modernisierung gesteckt“. Mit der Aufkündigung des Gewerbes sei er vom Vermieter gebeten worden, die Innenräume „wieder in den Ursprungszustand zu versetzen“.

Über Nacht Existenzgrundlage entzogen

Ihm sei quasi über Nacht die Existenzgrundlage entzogen worden, die er sich vor über 40 Jahren aufgebaut habe. Immerhin habe er mittlerweile in seinem erlernten Beruf „im medizinischen Bereich“ wieder eine Tätigkeit aufnehmen können.

„Die Leute haben sich bei uns sehr wohl gefühlt“, bedauert der Soester, der jede Woche nach Fröndenberg einpendelte, dass seinem Club nach dem ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie die Puste ausging.

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