„Szenen einer Ehe“ bieten Krach hoch acht

Schauspiel Dortmund

"Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" lautet der Titel eines bekannten Philosophie-Bestsellers. In der neuen Inszenierung von Ingmar Bergmans Stück "Szenen einer Ehe" am Schauspiel Dortmund lässt sich diese Frage exakt beantworten. Es gibt die Hauptpersonen Johan und Marianne je viermal.

DORTMUND

, 30.11.2014, 14:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Szenen einer Ehe“ bieten Krach hoch acht

Die »Szenen einer Ehe« in Dortmund - mit einem vierfachen Johan und einer vierfachen Marianne.

Acht Schauspieler standen also bei der Premiere am Freitag auf der Bühne. Au weia, denkt man angesichts dieses Regiekonzeptes von Claudia Bauer. Und ist dann um so verblüffter, dass die Grundidee genial gut funktioniert.

Die "Szenen einer Ehe", von Ingmar Bergman während seiner fünf (!) Ehen persönlich recherchiert, kamen 1973 als Serie ins Fernsehen und liefen 1975 im Kino. Ein anstrengender Redefilm.

Davon geblieben sind in Dortmund die sechs Kapitelüberschriften und ein Text, der bis heute ins Mark trifft. Jeder Zuschauer wird sich wohl fragen, wo seine eigene Beziehung auf dieser Skala von Liebe bis zum Katzenjammer eigentlich steht.Kreischbunte Nummernrevue

Bei allem anderen hat Regisseurin Bauer die größtmögliche Entfernung von Ingmar Bergman gesucht. Sie zeigt mit Hilfe von Ausstatterin Patricia Talacko eine kreischbunte, fantasievolle Nummernrevue, die sehr gut unterhält und zum Schreien komisch ist. Ein Hieronymus-Bosch-Gemälde der Ehehölle, aber als Comic! Da agieren die Schauspieler in Hasenkostümen. Oder mit Masken. Musik gibt es auch: Beim Essen zu zweit schmalzt Carlos Lobo "Bésame mucho", oder Julia Schubert singt, rührend zerbrechlich, "Love hurts" im pinkfarbenen Kleid.

Besonders bewegend agieren auch Uwe Schmieder und Merle Wasmuth - sie als Johan, er als Marianne -, Frank Genser und Friederike Tiefenbacher.Nicht alle Ideen zünden

Und doch ist es manchmal zuviel. Nicht alle Ideen zünden, das Synchronsprechen zu stummen Szenen nervt, ein Ehestreit als Tanztheater gerät zu lang. Am besten sind diese zweidreiviertel Stunden dann, wenn sie dem Text trauen, etwa wenn Johan seinen Seitensprung gesteht.

Wie ein Ball fliegt da der Dialog von Paar zu Paar. Besser kann man die Allgemeingültigkeit des Geschehens nicht sichtbar machen. Besser kann auch ein tolles Ensemble nicht aufeinander eingespielt sein. Viel Applaus für ein überraschend gelungenes Wagnis.

 

Termine: 4./21.12.14; 9./25.1.2015. Karten unter Tel. (0231) 502 52 22.

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