Tabak im Wert von sieben Euro gestohlen - Zwei Jahre Gefängnis

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Nach einem Streit um gestohlenen Tabak im Wert von sieben Euro in einer Asylunterkunft in Waltrop ist ein vorbestrafter Asylbewerber (30) zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Bochum

, 03.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 30-jähriger Asylbewerber hatte am 26. September 2019 um 0.20 Uhr das Zimmer eines Mitbewohners betreten und darum gebeten, sich von einem angebrochenen Päckchen Tabak eine Zigarette drehen zu können. Anschließend soll er sich einfach ein neues Päckchen Zigarettentabak geschnappt haben. Nachdem der Mitbewohner den Angeklagten deswegen zur Rede gestellt hatte, überschlugen sich die Ereignisse.

Der 30-Jährige zerrte den Mitbewohner laut Urteil an dessen Pullover aus dem Zimmer, attackierte ihn, packte ihn mit einer Hand am Arm und fixierte ihn an der Wand. Dann flüchtete der Angeklagte zunächst, konnte allerdings schon kurz danach im Umfeld der Asylunterkunft in Waltrop aufgegriffen und festgenommen werden.

Angeklagter soll beim Streit ein Messer gezogen haben

Dass der 30-Jährige, wie ursprünglich von der Staatsanwaltschaft noch angeklagt, auch ein Messer gezogen und damit mehrfach in Richtung des Mitbewohners gestoßen hat, konnten die Richter der 2. Strafkammer am Ende nicht sicher feststellen. In diesem Punkt hielten das Gericht die Angaben des Belastungszeugen schlichtweg nicht für überzeugend.

„Mit der anderen Hand zog er ein Messer aus dem Hosenbund und machte fünf schnelle Stichbewegungen in Richtung des Oberkörpers und des Kopfes“, hatte es in der Anklageschrift noch geheißen. Nur weil der andere Mann habe ausweichen können, sollten die Stiche angeblich zu keinen Körpertreffern geführt haben.

Das Urteil lautet auf räuberischen Diebstahl und Körperverletzung

Der Angeklagte hatte vor Gericht komplett bestritten, dass es am fraglichen Abend überhaupt eine nennenswerte Auseinandersetzung gegeben hat. Sein Verteidiger Olaf Krekeler (Recklinghausen) hatte deswegen am Ende auch auf Freispruch plädiert. Soweit wollten die Richter aber am Ende keinesfalls gehen – sie hielten den „Tabak-Klau“ und eine anschließende, handfeste Rangelei jedenfalls für erwiesen. Immerhin habe der Mann am Arm leichte Verletzungen erlitten.

Das Urteil lautet auf räuberischen Diebstahl und Körperverletzung und ist bereits rechtskräftig. Nach Ablauf einer gewissen Haftzeit soll der Verurteilte, der knapp neun Monate U-Haft bereits verbüßt hat, demnächst in seine Heimat abgeschoben werden, hieß es im Prozess. Der Asylantrag des 2015 unter falschen Personalien eingereisten 30-Jährigen war zuvor bereits schon abgelehnt worden.

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