Tadeusz zeigt den Kampf des Lebens

Katholische Akademie Schwerte

SCHWERTE. "Das große Ei/Casino" heißt das beeindruckendste Bild der Ausstellung mit Werken des gebürtigen Dortmunders Norbert Tadeusz in Schwerte. Fünf Meter breit, drei Meter hoch, zeigt es Menschen, die an Ringen turnen, sich quälen oder abstürzen. Der Weg zur Metapher ist nicht weit: Dieses "Casino" ist keine Spielhalle, sondern eine Spielhölle des Lebens.

von Von Bettina Jäger

, 11.03.2011, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Bild "Das große Ei/Casino" dominiert die Schau.

Das Bild "Das große Ei/Casino" dominiert die Schau.

Über 20 Bilder von Norbert Tadeusz aus seinem eigenen Besitz kann die Katholische Akademie Schwerte ab Sonntag zeigen - keine riesige, aber eine sehr bemerkenswerte Schau mit vier prachtvollen Großformaten in der Eingangshalle des Backsteinbaus. Kuratorin Inge Habig, emeritierte Dortmunder Kunstgeschichts-Professorin und schon lange mit dem in Düsseldorf und Italien lebenden Künstler bekannt, konnte die Gemälde im Rahmen der Reihe "Transzendenz im Augenschein" nach Schwerte - die Akademie liegt unweit der Dortmunder Stadtgrenze - holen. Das Besondere: Unter dem etwas sperrigen Ausstellungstitel "Allegorische Opfer-Inkarnationen" spiegeln Werke wie "Sakralraum mit Tuch" (1971) die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Glauben. Da ist Christus, der seinen Körper scheinbar aufreißt, so dass eine bunte Gloriole sichtbar wird. Oder der Erlöser klemmt zwischen Schweinehälften und Hackebeilchen. Ein Ölbild, so drastisch und provokant wie einst Max Beckmann.Der Mensch als geschundene Kreatur Der Mensch ist hier ein Häufchen Elend ("Harpyie", 1987) oder einfach nacktes Fleisch - manchmal erotisch aufgeladen, aber viel öfter als geschundene Kreatur, mit offen liegenden Innereien, verfolgt von schwarzen Höllenhunden. Dass sich die Figuren in gymnastischen Posen winden, zeigt das Interesse des Künstlers an den Extremen der Aktdarstellung, ist aber auch ein Gleichnis für den Lebenskampf. Dabei zeigt das "Casino" beispielhaft alle Eigenarten dieses Malers: die faszinierende Perspektive von oben mit ihren spektakulären Verkürzungen der Figur, die Schatten der Dinge mit ihrem seltsamen Eigenleben, der Einbruch des Surrealen in die reale Welt, die expressiven klaren Farben.Zarte Seerosen im tiefblauen Wasser Dass Norbert Tadeusz aber auch ganz anders kann und will, beweist der blaue Blickfang im Eingangsbereich. "Feldafing" von 2007 präsentiert Seerosen im Wasser, als wär´s ein Bild von Monet, zart und zauberhaft. Traurig nur, dass der 71-jährige Maler wegen einer Erkrankung nicht zur Eröffnung dieser schönen Schau kommen kann.Katholische Akademie Schwerte: "Norbert Tadeusz", 13.3. (Eröffnung 16 Uhr)-17.4., Bergerhofweg 24, Mo-Do 10-16, Fr/Sa 10-18, So 10-13 Uhr. Zur Eröffnung spricht Pater Friedhelm Mennekes.

Lesen Sie jetzt