Tag der Entscheidung: Wo die Stichwahlen in NRW spannend werden

Kommunalwahl

Die Kommunalwahlen gehen in die letzte Runde: Am Sonntag müssen sich viele Bürger bei Stichwahlen entscheiden, wem sie den Chefsessel in ihrem Rathaus anvertrauen wollen. Eine Übersicht.

NRW

25.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Zwei Wochen nach der Kommunalwahl fallen am Sonntag bei der Stichwahl die letzten Entscheidungen um die noch unbesetzten Bürgermeisterposten.

Zwei Wochen nach der Kommunalwahl fallen am Sonntag bei der Stichwahl die letzten Entscheidungen um die noch unbesetzten Bürgermeisterposten. © dpa

Die Kommunalwahlen haben schon im ersten Durchgang die politischen Verhältnisse in vielen NRW-Städten gehörig durcheinandergewirbelt. Der politische Top-Job wurde vielerorts aber noch nicht vergeben: das Amt des Oberbürgermeisters. Weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit holte, kommt es am Sonntag (27. September) dort nun zu Stichwahlen. Überraschungen sind denkbar.

Köln

Die parteilose Amtsinhaberin Henriette Reker hat im ersten Wahlgang mit 45,1 Prozent die absolute Mehrheit verpasst. Nun duelliert sie sich mit SPD-Herausforderer Andreas Kossiski, der 26,8 Prozent erreichte. Die beiden Kontrahenten nutzten die Wahlkampf-Verlängerung für Sticheleien. Kossiski erklärte im „Kölner Stadt-Anzeiger“, er werde Reker „in den Ruhestand schicken“. Diese retournierte: „Die Zeiten, in denen ältere Herren darüber bestimmen, wann Frauen zuhause sitzen und wann nicht, sind vorbei.“

Reker wird von der CDU und den Grünen unterstützt, die im Stadtrat stärkste Kraft wurden. Kossiski hofft auf eine Wechselstimmung in der Stadt. Linken-OB-Kandidat Jörg Detjen, der beachtliche 7,2 Prozent erreichte, empfiehlt persönlich den SPD-Kandidaten. Der Kreisverband der Linken gab aber keine Wahlempfehlung ab.

Dortmund

In der ehemaligen Herzkammer der Sozialdemokratie steht bei der Stichwahl eine der spannendsten Entscheidungen in ganz NRW an. Der SPD-Kandidat Thomas Westphal (SPD), aktuell Wirtschaftsförderer der Stadt, fuhr im ersten Wahlgang 35,8 Prozent ein, sein CDU-Kontrahent Andreas Hollstein 25,8 Prozent. Eine wichtige Rolle kommt daher den Grünen zu, die im Rat der Stadt mit 24,8 Prozent zweitstärkste Kraft wurden.

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Die Partei hat nach dem Urnengang beraten - und sich für den CDU-Kandidaten Hollstein ausgesprochen, der bislang Bürgermeister in Altena im Sauerland ist. Grundlage für die Entscheidung seien „intensive Gespräche“ und die Vereinbarung konkreter gemeinsamer Projekte mit dem CDU-Mann gewesen.

Düsseldorf

In der Landeshauptstadt wackelt der Chefposten der SPD im Rathaus nach nur einer Wahlperiode. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) muss mit fast acht Prozentpunkten Rückstand in die Stichwahl gegen CDU-Herausforderer Stephan Keller. Geisel kam auf 26,3 Prozent, Keller auf 34,2 Prozent. Vor sechs Jahren hatte Geisel allerdings auch acht Punkte Rückstand aufgeholt und CDU-Amtsinhaber Dirk Elbers besiegt. Die Grünen, deren Kandidat Stefan Engstfeld im ersten Wahlgang auf dem dritten Platz landete, haben keine Wahlempfehlung für die Stichwahl abgegeben.

Die CDU erweckte derweil den Eindruck, die FDP unterstütze sie indirekt: Bei Instagram bedankte sich Keller, dass die FDP um Marie-Agnes Strack-Zimmermann (4. Platz) ihm ihre Großflächen-Aufsteller überlassen habe. Strack-Zimmermann antwortete bei Instagram, dass das nicht stimme. Als Keller darauf beharrte, schrieb Strack-Zimmermann: „Ich verstehe ja, dass Sie um meine Liebe ringen. Aber da müssen Sie jetzt alleine durch.“

Aachen

Aachen - Heimat von CDU-Ministerpräsident Armin Laschet - könnte mit der Stichwahl komplett zur Grünen-Hochburg mutieren. Grünen-Kandidatin Sibylle Keupen lag im ersten Wahlgang mit 38,9 Prozent weit vor ihrem Stichwahl-Konkurrenten Harald Baal (CDU, 24,8 Prozent). Im Stadtrat wurden die Grünen bereits stärkste Kraft. Keupen ist zwar kein Mitglied, aber Kandidatin der Partei.

Viel wird davon abhängen, für wen sich die Wähler entscheiden, die im ersten Durchgang für SPD-Bewerber Mathias Dopatka stimmten - immerhin 22,6 Prozent. Die Sozialdemokraten verhalten sich in dem OB-Duell nun neutral. Der bisherige OB Marcel Philipp (CDU) tritt nicht mehr an.

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Bonn

Amtsinhaber Ashok-Alexander Sridharan (CDU) geht mit 34,5 Prozent als Favorit in die Stichwahl, bekommt es aber mit starker Konkurrenz zu tun. Grünen-Kandidatin Katja Dörner erreichte 27,6 Prozent und hat eine erstarkte Partei im Rücken. Zudem hat der Vorstand der Bonner SPD beschlossen, bei der Stichwahl nun die grüne Bundestagsabgeordnete zu unterstützen. Hinzu kommt, dass der Bonner OB-Sessel kein klassisches CDU-Hoheitsgebiet ist - vor Sridharan hatte jahrelang die SPD das Sagen. Sridharan wiederum hat einen Amts- und Promibonus. Er wurde 2015 erster CDU-OB einer deutschen Großstadt mit Migrationshintergrund.

Mönchengladbach

Mönchengladbach galt jahrelang als CDU-Hochburg, im ersten Wahlgang sicherte sich aber SPD-Bewerber Felix Heinrichs mit 37,5 Prozent den Spitzenplatz. In der Stichwahl tritt er nun gegen den CDU-Kandidaten an, den Landtagsabgeordneten Frank Boss. Es wird auch ein Duell der Generationen: Heinrichs ist 31 Jahre alt, Boss 59. Die Grünen, die im ersten Wahlgang zweistellige Ergebnisse einfuhren, haben keine Wahlempfehlung abgegeben. Amtsinhaber Hans Wilhelm Reiners (CDU) tritt bei der Wahl nicht mehr an.

Münster

Schafft es Markus Lewe noch einmal? Der seit 2009 regierende Amtsinhaber von der CDU muss sich in der Stichwahl dem Grünen-Herausforderer Peter Todeskino stellen. Lewe verpasste im ersten Durchgang die 50-Prozent-Marke und kam auf 44,5 Prozent, Todeskino auf 28,4. Ohne Chance war der SPD-Kandidat Michael Jung, der nach der Niederlage sein Ratsmandat abgab. Die SPD spricht sich nun für Todeskino und einen Wechsel im OB-Amt aus.

Hamm

Für den langjährigen Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) verlief der erste Durchgang sehr unerfreulich. In der Stadt am östlichen Rand des Ruhrgebiets kam sein SPD-Kandidat Marc Herter überraschend mit 40,7 Prozent der Stimmen auf dem ersten Platz ins Ziel. Hunsteger-Petermann, schon seit 1999 im Amt und damit der dienstälteste OB in NRW, erreichte nur 37,4 Prozent.

Zwischenzeitlich haben sich die Ereignisse in Hamm allerdings überschlagen - die Stadt wurde wegen hohen Corona-Zahlen zum Krisenherd. Und Hunsteger-Petermann schlüpfte mit markigen Aussagen in die Rolle des Krisenmanagers.

Alle Infos zu den Stichwahlen in der Region gibt es hier:

Castrop-Rauxel

Dortmund

Lünen

Selm

Kreis Unna

dpa

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