Theater fürchten neuen Mobilfunk

Hohe Kosten für technische Umrüstung

DORTMUND Ein Handy kann im Theater zum Ärgernis werden. Störendes Klingeln aus dem Zuschauerraum ist jedoch nichts im Vergleich zu dem, was durch die Mobilfunktechnologie LTE droht: Entweder nehmen die örtlichen Bühnen Tonstörungen in Kauf, oder sie rüsten auf neue Technik um.

von von Benjamin Blum

, 11.04.2011, 17:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die leichten Mikroports geben den "Sekretärinnen" am Theater Dortmund Bewegungsfreiheit. In naher Zukunft drohen jedoch technische Probleme.

Die leichten Mikroports geben den "Sekretärinnen" am Theater Dortmund Bewegungsfreiheit. In naher Zukunft drohen jedoch technische Probleme.

Obwohl noch kein mobiles LTE-Endgerät auf dem Markt ist, wird seit 2010 hinter den Kulissen der Schauspielhäuser an Problemlösungen gearbeitet (wir berichteten). Das ist jedoch mit enormen Kosten verbunden. 365 000 Euro wird das Theater Dortmund die geplante Umstellung auf neue Geräte kosten. Auch beim Theater Hagen rechnet man mit einer sechsstelligen Summe. "Es werden rund 100 000 Euro fällig", sagt Pressesprecherin Monika Martincevic, "ansonsten drohen schon im Laufe dieses Jahres Störungen."Frequenzüberlagerungen Der technische Knackpunkt: LTE nutzt den gleichen Frequenz-Bereich wie die kabellosen Mikrofone (so genannte "Mikroports"), welche auf der Bühne zum Einsatz kommen. Da die Signale des künftigen Mobilfunkstandards um ein Vielfaches stärker sind, überlagern sie die Mikrofonanlagen. Massive Tonprobleme bis zum Tonausfall sind die Folge.Bürokratische Hürden Profiteur der Situation ist der deutsche Staat: Er kassierte für die Versteigerung der entsprechenden Frequenzen im Mai 2010 über vier Milliarden Euro. "Davon sind 124 Millionen Euro eingeplant, um die Kosten aufzufangen, die den Theatern entstehen", sagt Tobias Pierlings, Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Es müssten jedoch noch einige bürokratische Hürden gemeistert werden, bis das Geld auch fließe.Probleme bei der Finanzierung Eine der Richtlinien könnte einige Schauspiel- oder Opernhäuser bei der Finanzierung vor Probleme stellen: Die auszutauschende Anlage darf nicht älter sein als fünf Jahre -- so wie im Falle des Dortmunder Theaters. Deshalb kämpfen dort die Verantwortlichen bereits um die Finanzierung der Umrüstung, bevor das erste mobile LTE-Endgeräte überhaupt eine Vorstellung stören konnte.Mit Vorsicht "Wir sitzen das erstmal aus", ist dagegen laut Manfred Jordan, dem stellvertretenden technischen Leiter des Vestischen Cultur- und Congresszentrums, die Taktik in Recklinghausen. Auch am Bochumer Schauspielhaus geht man vorsichtig an das Thema heran, wie der Technische Leiter Hajo Krause sagt: "Alles neu zu kaufen, brächte einerseits viel Unruhe. Andererseits zieht sich die Schlinge langsam zu." 

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