Theater zeigt die Mechanismen der Fleischindustrie

Schauspiel Bochum

"Das Fleischwerk", das neue Stück von Christoph Nussbaumeder, ist keine leichte Kost. Im Schauspiel Bochum führt es hinein in die Mechanismen der Fleischindustrie, in der weder Schwein noch Mensch etwas zählen, sondern nur der Gewinn.

BOCHUM

, 14.09.2015, 14:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Theater zeigt die Mechanismen der Fleischindustrie

Die Ästhetik von „Das Fleischwerk“ ist kühl.

Muss ich mich auch im Theater mit Massentierhaltung und der Ausbeutung von Arbeitern auseinandersetzen, wenn ich schon mit schlechtem Gewissen vor dem Regal mit dem Billigfleisch stehe, mögen sich treue Premierengänger gedacht haben und ließen bei der Uraufführung am Samstag in den Bochumer Kammerspielen viele Plätze frei. Ja man muss, vor allem wenn es so berührend und packend gespielt wird wie in der Inszenierung von Robert Schuster.

Auftragsarbeit

Nußbaumeder, der das Stück im Auftrag des Schauspielhauses Bochum geschrieben hat, hat viel recherchiert, unter anderem in Tönnies' Fleischfabrik. Sein Stück gibt Stoff zum Nachdenken. Aber es nimmt vor allem mit in die Leben der Menschen, deren Schicksal mit dem Fleischwerk verknüpft ist: der Viehfahrer Rabanta, der ohne großes Nachdenken seine Arbeit tut und statt Vieh auch schon mal Menschen im Laster transportiert, der bulgarische Arbeiter Andrej, der sich in Deutschland den schnellen Gewinn erhofft, sich aber in der Fabrik nicht alles gefallen lassen will, oder der eiskalte Subunternehmer Akif, der notfalls mit brutaler Gewalt seine Ziele erreicht.

Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, springt geschickt vor und zurück. So ist in einem Moment zu sehen, wie Andrej den Aufruhr plant, und gleich danach Susanne, die nach seinem Tod nach Deutschland kommt, um Gerechtigkeit für ihren Mann zu fordern.

Sehenswert

Sehenswert wird die Inszenierung auch durch die Schauspieler. Allen voran beeindruckt Bernd Rademacher als krebskranker Rabanta, der an seinem Lebensende einige Dinge klarer sieht. Aber auch Minna Wündrich als bulgarische Ehefrau und Roland Bayer als zynischer Subunternehmer sind hier zu nennen.

19./30.9., 4./10./29.10., Karten: Tel. (0234) 33335555

 

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