To-Go-Müll: Kaffeebecher sind nicht das größte Problem

mlzKaffee und Essen to Go

Einweg-Kaffeebecher machen jede Menge Müll, keine Frage. Doch sie sind lange nicht der einzige Abfall, den unsere To-Go-Gewohnheiten verursachen.

08.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass der Einweg-Kaffeebecher nicht nur eine Umweltsünde, sondern auch die Geißel eines jeden städtischen Entsorgers ist, ist nichts Neues. Viele Kommunen, Initiativen und auch Gastronomen werben dafür, auf nachhaltigere Mehrweg-Becher umzusteigen.

Doch was ist eigentlich mit all dem, was wir unterwegs essen und das nicht in einen Pappbecher passt: Pommes, Döner, Fertigsalate?

Die Deutschen essen immer mehr unterwegs. Das hat schon 2015 eine gemeinsame Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) gezeigt.

Und mit der Nachfrage kommt das Angebot: Neben den klassischen Imbissbuden und Fast-Food-Ketten bieten auch immer mehr Restaurants, Supermärkte und Bäckereien das Frühstück und Mittagessen to go an.

Für das Mittagessen daheim ist keine Zeit mehr

Das liegt laut GfK und BVE daran, dass der Alltag der Menschen immer mehr Struktur verliert. Gerade jungen Menschen werde viel Flexibilität abverlangt, und die verträgt sich eben nicht mit einem ausgedehnten Frühstück und einer warmen Mahlzeit daheim am Küchentisch.

Eine andere Theorie, eine des Naturschutzbunds (Nabu), führt den Trend auch auf den gestiegenen Wohlstand der Deutschen zurück. Immer mehr können sich den Luxus, außerhalb zu essen, leisten.

So oder so spiegelt sich dieser Trend gerade in den Mülleimern und -containern der Städte wider: 350.000 Tonnen Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen wurden 2017 in Deutschland weggeworfen, das geht aus einer Studie des Nabu hervor. Und laut Nabu sind diese 350.000 Tonnen ein Anstieg um 173 Prozent, verglichen mit den Zahlen von 1994.

Kaffeebecher machen übrigens nur 16 Prozent der 350.000 Tonnen aus, der Rest besteht vor allem - nämlich zu 46 Prozent - aus Tellern, Boxen und Schalen für Speisen. Trotzdem gibt es bisher kaum Bemühungen, die Deutschen zu motivieren, bei Styroporverpackungen, Plastiktüten und Einwegbesteck auf nachhaltige Alternativen umzusteigen.

Auch im neuen Fünf-Punkte-Plan des Umweltministeriums für weniger Plastik und mehr Recycling tauchen Einwegverpackungen für Speisen höchstens am Rande auf.

Einweg-Kaffeebecher sind nur ein Symbol

Katharina Istel, Referentin für Ressourcenpolitik beim Nabu, hat dazu eine Theorie: „Die Öffentlichkeit schießt sich immer auf ein Produkt ein, das dann aber eher symbolisch ist“, sagt sie. Das seien in diesem Fall eben die Kaffeebecher, die als Symbol für To-Go-Abfall herhalten müssten. Das habe es auch schon bei anderen Diskussionen gegeben.

Istel: „Da gab es vorher die Plastiktüte oder die eingeschweißte Gurke.“ Gerade bei Gemüse hätte aber beispielsweise bei Tomaten und Möhren viel mehr Verpackung eingespart werden können.

Mehrweg-Behälter

Kann ich mir den Döner auch in meine Brotbox packen lassen?

  • Eine nachhaltige Alternative zu Styroporverpackungen, Alufolie und Co können Butterbrotsdosen oder andere Mehrwegbehälter sein.
  • Laut einer Sprecherin des NRW-Umweltministeriums können Verkäufer darüber entscheiden, ob sie ihre Speisen zum Mitnehmen auch in mitgebrachte Behälter füllen.
  • Dabei gilt es nur zu beachten, dass der Behälter nicht in Kontakt mit anderen Lebensmitteln kommt. In der Regel sollte er außerdem nicht über die Bedientheke gereicht werden.