Todesdrama am Bahnhof Voerde: Notarzt versuchte noch, durch Amputation die Mutter zu retten

mlzLandgericht Duisburg

Wortlos soll Jackson B. in Voerde eine ihm unbekannte Frau vor einen fahrenden Zug gestoßen haben. Die Mutter starb vor Ort. Vor Gericht wurden weitere Details des schrecklichen Falls bekannt.

Voerde, Duisburg

, 09.01.2020, 19:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jackson B. ist ein bulliger Mann. Er hat neun Kinder – von zwei Frauen. Und ausgerechnet er soll im vergangenen Juli in Voerde Mutter eines 14-jährigen Mädchens vor einen einfahrenden Zug gestoßen haben. Einfach so. Wortlos. Seit Donnerstag wird ihm in Duisburg der Prozess gemacht. Es geht um Mord aus Mordlust.

Als der 28-Jährige von einem Wachtmeister in den Gerichtssaal geführt wird, versteckt er sein Gesicht hinter einer Strickjacke. Später taucht er sie gegen einen großen Briefumschlag aus. Er hat eine weiße Hose an, die Haare sind raspelkurz.

Beschuldigter bestreitet Absicht

Reden will er am ersten Verhandlungstag nicht. Das übernimmt seine Verteidigerin Marie Lingnau. Mit einem Geständnis ist allerdings nicht zu rechnen. Das ist sofort klar. Jackson B. spricht von einem Unfall – wenn überhaupt. „Ich schubse keine Frauen“, heißt es in einer von seiner Anwältin verlesenen Erklärung. Wenn überhaupt, dann habe er sich bei der Frau vielleicht abgestützt.

Schlecht sei es ihm gegangen, an jenem Morgen des 20. Juli 2020. Sein Kopf habe sich gedreht, er habe geschwankt. Auch er wollte angeblich den Zug nehmen. Er war die Nacht zuvor mit seinem Bruder in Düsseldorf, wollte nach Hause nach Hamminkeln.

Skizze für die Richter gezeichnet

Die Situation auf dem Bahnsteig in Voerde hat er für den Prozess extra auf einem Stück Papier aufgezeichnet. Die Linien auf dem Bahnsteig, die Position der wartenden Fahrgäste. Die Richter bitten ihn nach vorne, um alles genau zu erklären. Inhaltlich ändern sich seine Angaben aber nicht.

Aufklärung kann später ein 32-jähriger Automechaniker liefern. Er hatte gesehen, wie der in Deutschland geborene Serbe die Frau geschubst hat und ihn nach der Tat überwältigt. Für die 34-Jährige war da schon alles zu spät. Der Zug hatte sie erfasst, es gab keine Rettung. Sie verstarb im Gleisbett. Der Notarzt kam nicht einmal an sie heran, hatte vor Ort sogar noch einen Fuß amputiert, um den Körper freizubekommen.

„Es wird wohl Jahre dauern, bis die Familie das verarbeitet hat“, hatte Anwalt Reinhard Peters schon vor Prozessbeginn erklärt. Er vertritt die Schwester des Opfers und den Ehemann.

Psychisch krank und schuldunfähig

Der Hintergrund? Eine „psychiatrische Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis“, heißt es in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft. Außerdem ist von Heroin und Kokain die Rede. Eine klassische Anklage gibt es nicht, weil der 28-Jährige nach ersten Untersuchungen als schuldunfähig gilt. Statt einer Bestrafung kommt im Falle einer Verurteilung deshalb nur die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie in Betracht.

„Er nimmt die Außenwelt anders wahr, als wir es tun“, hatte seine Verteidigerin schon vor Prozessbeginn erklärt. „So langsam begreift er jedoch, dass eine Frau ums Leben gekommen ist.“ Das sei für ihn schlimm und schwierig. Urteil voraussichtlich Ende Januar.

Lesen Sie jetzt