Todesschüsse in Duisburger Café: Angeklagter will Frau aus Versehen erschossen haben

Schwurgericht Duisburg

Der erste Schuss geht in den Kopf, der zweite durch die schützend vors Gesicht gehaltenen Hände: Nach einer unfassbaren Bluttat hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen.

Duisburg

, 04.02.2019, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Todesschüsse in Duisburger Café: Angeklagter will Frau aus Versehen erschossen haben

Das Foto zeigt den Angeklagten neben seinem Verteidiger. © Jörn Hartwich

Der Angeklagte trägt Anzug, Bart und einen verknoteten Pferdeschwanz. Als die Richter ihn fragen, wie er sich selbst beschreiben würde, muss der 30-Jährige nicht lange überlegen. „Ich bin einer, der ziemlich belesen ist und mehrere Sprachen spricht“, sagte er. „Und ich bin einer, der in der Gruppe für Stimmung sorgt.“

Fast zwei Jahre ist es inzwischen her, dass die Betreiberin eines Cafés im Duisburger Innenhafen erschossen worden ist. Die 46-Jährige hatte keine Chance. Der erste Schuss ging durch die rechte Wange, den Hals und trat am Rücken wieder aus. Der zweite durchschlug ihre Hände, drang vom Kopf bis in die Lunge.

Pistole mit Schalldämpfer

Die Tatwaffe war eine Pistole mit aufgesetztem Schalldämpfer. Die Tötung glich einer Hinrichtung. Deshalb hatte man zunächst auch an eine Bestrafungsaktion von Schutzgeld-Erpressern gedacht. Doch die Ermittlungen liefen ins Leere.

Bis eine DNA-Spur im vergangenen Sommer zu einem Häftling in Berlin führte. Der Mann soll unter anderem eingesessen haben, weil er einen Ladendetektiv nach einem Diebstahl mit Messer verletzt haben soll.

Dass er auch für die Tat in Duisburg verantwortlich ist, hat er zum Prozessauftakt vor dem Duisburger Schwurgericht am Montag gleich zugegeben. Von einem Mord will er allerdings nicht sprechen. Eher von einem Versehen. Er sei damals auf Wohnungs- und Jobsuche gewesen – in Düsseldorf und Duisburg. Am Tattag, dem 3. Mai 2018, sei es ihm allerdings sehr schlecht gegangen. Er habe die ganze Nacht getrunken – Bacardi-Cola. Bis morgens. „Ich dachte, ich wäre am Ende“, sagte er den Richtern.

Die ganze Nacht getrunken

Er sei auch nur deshalb in das Café gegangen, weil er eine Toilette gesucht habe. Doch dann sei es zum Streit gekommen. Weil er eingeschlafen sei. Die Frau habe an ihm gezerrt, habe gewollt, dass er wieder verschwinde. „Ich wollte sie abwehren, mich aus der Situation befreien“, so der Angeklagte. „Dabei ist es dann dazu gekommen, dass sich ein Schuss gelöst habe.“ Und dann noch einer.

Genau erinnern könne er sich aber nicht mehr. Weil er zu stark alkoholisiert gewesen sei.

Der Angeklagte war im Grundschulalter von Venezuela nach Deutschland gekommen. Er hat Abitur gemacht, Wirtschaftswissenschaften studiert, war im Ausland, hat als Personalberater in Düsseldorf, Berlin und Österreich gearbeitet. Dort will er sich auch die Waffe besorgt haben – zum Selbstschutz.

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