Tödliches Nachbarschaftsdrama: Leiche in Keller-Fass entdeckt

mlzLandgericht Hagen

Im Mai 2020 haben Polizisten in Hagen einen gruseligen Fund gemacht. In einem Kellerloch stießen sie auf ein Fass - in ihm war eine Frauenleiche. Jetzt steht ein Nachbar vor Gericht.

von Werner von Braunschweig

Hagen

, 10.11.2020, 17:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sechs Monate nach einem tödlichen Nachbarschaftsdrama muss sich ein 75-jähriger Rentner seit Dienstag vor dem Hagener Schwurgericht verantworten. Der Senior soll seine verhasste Nachbarin (59) erst erwürgt oder erdrosselt haben. Die Leiche war später in einem Loch im Keller des Hauses gefunden worden – eingepfercht in ein Kunststofffass.

Angeklagter soll selbst bei Polizei angerufen haben

Es war der 20. Mai, als Polizeibeamten den Keller eines Hagener Mehrfamilienhaus durchsuchten und auf die Frauenleiche stießen. Der Rentner soll zuvor selbst bei der Polizei angerufen haben. Zu diesem Zeitpunkt soll der 75-Jährige bereits alles vorbereitet haben, um die Leiche einzubetonieren und so für immer verschwinden zu lassen. In den Estrichboden des Kellers war bereits ein Loch gestemmt worden. Darin lag das Fass, abgedeckt von vier Zementsäcken und zwei Speisfässern.

Die Staatsanwaltschaft geht in der Totschlags-Anklage davon aus, dass der Rentner seine Nachbarin aus demselben Wohnhaus am 19. Mai, also einen Tag zuvor, „erwürgt oder erdrosselt“ hat. Die genaue Todesursache hatten die Ärzte später offenbar nicht feststellen können. Hintergrund der Tötung soll ein bereits lange schwelender Nachbarschaftsstreit gewesen sein. Auch zu verschiedenen Gerichtsverfahren soll es schon gekommen sein. Dabei soll es laut Anklage unter anderem um einen Stellplatz im Innenhof und um die Nebenkostenabrechnung gegangen sein.

Angeklager soll Nachbarin schon 2019 gedroht haben

Am fraglichen Tattag soll es laut Staatsanwaltschaft erneut zu einem Streit gekommen sein, in dessen Verlauf der 75-Jährige seine Nachbarin zunächst durch Schläge mit einem Eisenrohr verletzt und sie anschließend umgebracht hat. Die Ermittler gehen sogar davon aus, dass der 75-Jährige die Tötung mehrere Monate zuvor bereits angekündigt hat. Schon 2019 soll er seiner Nachbarin bei einer Eigentümerversammlung sinngemäß gedroht haben, dass er ein Loch graben werde, in dem er sie verschwinden lasse, so dass sie nie jemand finde.

Als der Angeklagte am ersten Verhandlungstag noch einmal hörte, was er getan haben soll, atmete er tief durch und fasste sich dabei an die Brust. „Mein Mandant ist einigermaßen gefasst und wird mit dem Verfahren umgehen können“, sagte Verteidiger Lutz Mollenkott am Rande des Prozesses. Zu den Vorwürfen werde der 75-Jährige jedoch vorerst schweigen.

Brüder der Getöteten wünschen sich Aussage des Angeklagten

Zum Prozessauftakt waren auch zwei Brüder der getöteten 59-Jährigen gekommen. Nach Angaben ihres Anwalts Stefan Diekmann wünschen sie sich sehr, dass der Angeklagte sein bisheriges Schweigen im Laufe der Verhandlung doch noch brechen wird.

Mit einem Urteil ist voraussichtlich Mitte Januar zu rechnen. Im Falle einer Verurteilung wegen Totschlags drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft.

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