Training mit dem ADFC: Menschen mit Behinderung werden für den Straßenverkehr fit gemacht

mlzVerkehrstraining

Mit dem Fahrrad sicher durch den Straßenverkehr: Menschen mit Behinderung, die von der Awo betreut werden, nahmen an einem ADFC-Verkehrstraining teil. Manche fuhren dabei aber ohne Pedale.

Nordstadt

, 08.05.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie setzt man einen Fahrradhelm richtig auf? „Dabei ist die Zahl zwei ganz wichtig“, erklärte Werner Blanke, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Kreisverband Dortmund, im „Klassenzimmer“ der Jugendverkehrsschule Fredenbaum. Dort leitete er am Freitag (3.5.) ein Verkehrstraining für Menschen mit Behinderung.

„Wenn ihr den Helm aufsetzt, muss er so auf dem Kopf sitzen, dass ihr etwa zwei fingerbreit Platz zwischen Helm und Augenbrauen habt“, sagte Werner Blanke und fragte in die Runde: „Welcher Abstand muss dann wohl zwischen Kinn und Band sein?“ Die rund 20 Teilnehmer überlegten nicht lange. „Zwei Finger“, riefen einige von ihnen im Chor. Sie alle sind Klienten des ambulanten betreuten Wohnens der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Die Awo organisierte eine dreiteilige Veranstaltungsreihe

Das Verkehrstraining mit Werner Blanke und seinen Kollegen vom ADFC war der zweite Teil der Awo-Veranstaltungsreihe zum Thema Fahrradfahren. Die Reihe wird finanziell von der Aktion Mensch unterstützt. „Wir haben als erstes einen Reparier-Workshop angeboten, an dem fünf Menschen teilgenommen haben“, erzählte Marie Naujok von der Awo. Das Angebot sei freiwillig, deshalb müsse nicht jeder an allen drei Veranstaltungen der Reihe teilnehmen. Der letzte Teil ist eine Radtour am Freitag (10.5.). „Beim Workshop haben wir geschaut, wie man Fahrräder fit für den Straßenverkehr machen kann.“

Noch hat das aber nicht bei allen Rädern geklappt. „Heute kann ich leider keinem einen ‚Verkehrssicher-Aufkleber‘ ans Fahrrad machen“, sagte Werner Blanke. Betretene Gesichter. „Beim nächsten Mal aber bestimmt“, machte er den Teilnehmern Mut. Das sei ihm neben allen Regeln das wichtigste Anliegen beim Verkehrstraining. „Ich möchte die Menschen ermutigen, damit sie sich sicherer fühlen.“

Werner Blanke: „Rund und rot ist immer ein Verbot“

Deshalb erklärte Blanke seinen Schülern auch, dass es nicht schlimm ist, wenn man noch nicht radfahren kann. Denn manche von ihnen saßen noch nie auf einem Drahtesel. „Wir haben Dreiräder von Tri-Mobil Bochum hier - für alle, die sich auf zwei Rädern unsicher fühlen“, erklärte Werner Blanke. Der ADFC stellte außerdem Fahrräder für alle, die kein eigenes mitgebracht hatten, und ein spezielles Tandem, bei dem ein Mensch mit Behinderung mitfahren kann. „Außerdem haben wir Roller hier“, sagte der ADFC-Vorsitzende. „Die sind gut für den Einstieg, wenn ihr euch noch nicht aufs Rad traut.“

Training mit dem ADFC: Menschen mit Behinderung werden für den Straßenverkehr fit gemacht

Beim Verkehrstraining durften die Teilnehmer nicht nur auf Fahrrädern, sondern auch auf Dreirädern und Rollern fahren. © CAROLIN WEST

Bevor es jedoch ans Fahren ging, erklärte Werner Blanke einige Verkehrsschilder. „Rund und rot ist immer ein Verbot“, nannte er zunächst einen einfachen Merksatz. Blaue Schilder hingegen zeigen an, was erlaubt ist. Werner Blanke wies auf ein Schild über seinem Kopf. „Sind hier nur Fahrräder ohne Fahrer und Mütter mit Kindern, aber keine Väter erlaubt?“ Die Teilnehmer lachten. „Nein, auch Fahrradfahrer und Väter sind erlaubt“, erklärte einer von ihnen.

Die Jugendverkehrsschule zeigt den Straßenverkehr in klein

Dann ging es auf den Übungsplatz der Jugendverkehrsschule. Straßen, breit genug für Roller, Fahr- und Dreiräder, sowie Straßenschilder und kleine Ampeln stehen hier. So lernen Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene wie im Falle der Awo-Gruppe in geschütztem Raum, wie der Straßenverkehr funktioniert. Knapp 4000 Kinder jährlich kommen hier zum Fahrradtraining. Ein Teil der Awo-Gruppe versuchte sich auch gleich mutig am Radfahren, andere begannen lieber mit den Rollern.

„Wer sich noch gar nicht traut, kann auch erst einmal zusehen“, sagte Marie Naujok. Und manche nahmen das Angebot dankbar an und sahen erst einmal vom Rand aus zu. „Manche wollen dafür gar nicht mehr absteigen. Allein für den Spaß, den die Leute hier haben, hat sich die Aktion schon gelohnt“, sagt Marie Naujok, schaut einem Dreirad hinterher und lächelt.

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