Türkei verhängt Ausgangssperre: Bürger stürmen Supermärkte

Coronavirus

Die türkische Regierung hat für das Wochenende ein Ausgangsverbot verhängt – verkündete dies jedoch erst am Freitagabend. Viele Türken wurden dadurch von den Maßnahmen überrascht.

Istanbul

11.04.2020, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Türkei, Istanbul: Menschen versammeln sich vor einem Laden, um Lebensmittel einzukaufen. Die Türkei hat eine zweitägige Ausgangssperre in 31 der größten Städte angekündigt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Türkei, Istanbul: Menschen versammeln sich vor einem Laden, um Lebensmittel einzukaufen. Die Türkei hat eine zweitägige Ausgangssperre in 31 der größten Städte angekündigt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. © picture alliance/AP/dpa

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 setzt nun auch der Türkei dramatisch zu. Die türkische Regierung hat wegen der Corona-Krise für dieses Wochenende ein Ausgangsverbot in 31 Städten verhängt.

Ausgangsverbot am späten Freitagabend sorgt für Panikkäufe

Das beinhaltete auch die größte Stadt des Landes, die Millionenmetropole Istanbul, wie Provinz-Gouverneur Ali Yerlikaya am späten Freitagabend in einem Tweet bestätigte. Viele Türken wurden von den Maßnahmen weitgehend überrascht.

Details zur Regelung waren zunächst unklar – und weil die Maßnahme erst knapp zwei Stunden vor Mitternacht (Ortszeit) verkündet wurde, setzten in Istanbul sofort Panikkäufe ein. In Supermärkten, vor Bäckereien und den typischen kleinen Nachbarschaftsläden bildeten sich sofort lange und oft dicht gedrängte Schlangen von Einkäufern.

Viele ignorierten die Regel, Abstand zu anderen zu halten, wie die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete. Die Ausgangssperre sollte eigentlich helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Türkische Regierung für Kommunikation kritisiert

In einem Bezirk Istanbuls kam es zu Kämpfen, wie der Fernsehsender Halk TV berichtete. Die Regierung verkündete später, dass Bäckereien, Apotheken und andere Geschäfte des täglichen Lebens trotz der Ausgangssperre geöffnet bleiben sollten. Hintergrund des Verbots ist die Sorge, dass viele Menschen den Rat der Regierung, zu Hause zu bleiben, bei schönem Wetter am Wochenende ignorieren würden.

Der Oppositionsbürgermeister von Istanbul, Ekrem Imamoglu, kritisierte die kurzfristig und karg kommunizierte Maßnahme. Die Stadtverwaltung sei nicht informiert gewesen. Es sei nicht einmal bekannt, welche Dienstleistungen die Stadt am Samstag anbieten könne.

Details dazu tröpfelten erst nach und nach ein

Details dazu tröpfelten erst nach und nach ein. Innenminister Süleyman Soylu rief der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge zur Ruhe auf. Es gebe keinen Grund für Panikkäufe, unter anderem würden am Samstag die Bäckereien geöffnet sein, die ihre Waren dann ausliefern dürften.

Anadolu zufolge sollen auch Kliniken, Apotheken und Institutionen und Firmen, die bestimmte öffentliche Dienstleistungen anbieten, offen bleiben. Menschen dürften auch zu Begräbnissen von Verwandten ersten Grades gehen. Unklar blieb zunächst, ob das Gassigehen mit dem Hund erlaubt blieb.

47.000 Corona-Infizierte in der Türkei

Die Türkei hat bisher rund 47.000 Infektionsfälle gemeldet. Die Zahl der Todesopfer hatte am Freitag die 1000 überschritten. Für Menschen ab 65 Jahre, chronisch Kranke und unter 20-Jährige galten bereits Ausgehverbote. Die Regierung hat bisher jedoch darauf verzichtet, eine landesweite Ausgangssperre zu verhängen – auch, um die bereits angeschlagene Wirtschaft nicht weiter zu beeinträchtigen.

Sie hatte jedoch viele andere Maßnahmen getroffen. Unter anderem wurden Schulen und Universitäten, Cafés und Bars geschlossen und gemeinsame Gebete in Moscheen verboten.

RND/dpa/AP/ka

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