„Umweltsau“-Lied: Mehrere Hundert Menschen demonstrieren in Köln gegen rechts

WDR-Zentrale

Rechte und linke Gruppen demonstrieren am Samstag in Köln wegen des „Umweltsau“-Lieds. Die Kritik an WDR-Intendanten Buhrow reißt dabei nicht ab und der interne Streit beim WDR dauert an.

Köln

04.01.2020, 14:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Umweltsau“-Lied: Mehrere Hundert Menschen demonstrieren in Köln gegen rechts

Das „Umweltsau“-Lied sorgt für Demonstrationen und internen Streit beim Westdeutschen Rundfunk. © Roberto Pfeil/dpa

Im Zusammenhang mit dem umstrittenen „Umweltsau“-Lied des Westdeutschen Rundfunks haben am Samstag mehrere Hundert Menschen in der Kölner Innenstadt demonstriert.

Kleinere Tumulte bei Demonstration vor WDR-Zentrale

Am Rande der Demonstrationen kam es nach Polizeiangaben auch zu kleineren Tumulten und Rangeleien. So habe es insgesamt sieben Anzeigen gegeben, eine Person sei festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Außerdem habe die Polizei auch Pfefferspray eingesetzt.

Verschiedene rechte Gruppen hatten zu einer Demonstration aufgerufen. Unter dem Namen „Gegen GEZ und gegen Instrumentalisierung von Kindern gegen ältere Menschen“ demonstrierten sie gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Daran nahmen nach Polizeiangaben etwa 50 Menschen teil.

Bei einer Gegenkundgebung kamen nach Schätzungen der Polizei mehrere Hundert Menschen zusammen. Organisiert hatte sie das Bündnis „Köln gegen Rechts“ unter dem Namen „Kein Einknicken vor Hass und Hetze - Klare kante gegen Rechts“.

DJV: Vorsitzender Frank Überall verteidigt die umstrittene Satire

Die Demonstration wurde auch von der Gewerkschaft Verdi und dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) unterstützt. Deren Vorsitzender Frank Überall verteidigte die umstrittene Satire in einer Rede: „Ganz gleich, ob einem der Song von der „Umweltsau“ gefällt oder nicht: Er verletzt keine Werte“, sagte er.

Man müsse deshalb so ein satirisches Lied aushalten. Das gelte auch für den Intendanten. „Gerade dann sollte man nicht öffentlich rumpoltern, es sei falsch gewesen, das überhaupt zu senden“, sagte Überall.

Hintergrund ist eine vom Dortmunder WDR-Kinderchor gesungene Satire über die Oma als „Umweltsau“. In dem Lied hatte ein Kinderchor auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ unter anderem „Meine Oma ist ‚ne alte Umweltsau“ gesungen.Das Video hatte im Netz einen Shitstorm ausgelöst. Der Sender löschte das Video und entschuldigte sich.

„Umweltsau“-Lied: Streit über den richtigen Umgang

Im Westdeutschen Rundfunk (WDR) wird um den richtigen Umgang mit der Empörungswelle nach dem „Umweltsau“-Lied gestritten. Am Dienstag werde es dazu eine Redakteursversammlung geben, bestätigte am Samstag eine WDR-Sprecherin.

Einlader sei die Redakteursvertretung. Intendant Tom Buhrow werde an der Veranstaltung teilnehmen. Zuerst hatte das Online-Medienmagazin „Übermedien“ berichtet. Zuvor hatte die Redakteursvertretung in einem internen Schreiben heftige Kritik an Buhrow geäußert, der sich von dem umstrittenen Lied des WDR-Kinderchors distanziert hatte.

Heftige Kritik an Buhrow: Internes Schreiben

„Wir sind - wie sicher viele von Euch - fassungslos“, schrieben die Redakteure in dem Text, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und aus dem uebermedien.de zuerst zitiert hatte.

„Natürlich nicht über eine Satire, die Geschmackssache sein darf; nein, wir sind fassungslos, dass der Programmchef von WDR2 ein Video mit einem satirischen Kinderlied löschen lässt, und vor allem auch darüber, dass Intendant Tom Buhrow einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm so leicht nachgibt, sich vorschnell redaktionell distanziert und sich nicht nur persönlich entschuldigt, sondern dabei mehrfach öffentlich (u.a. live bei WDR2) Redakteurinnen und Redakteuren in den Rücken fällt, statt ihnen in Zeiten inszenierter Empörungswellen gegen den WDR und den ÖRR [öffentlich-rechtlichen Rundfunk] den Rücken zu stärken.“

WDR-Intendant verteidigt sich vor Anschuldigungen

Damit sei die innere Rundfunkfreiheit verletzt worden. In dem Lied hatte es unter anderem geheißen: „Meine Oma ist ‚ne alte Umweltsau“. Das hatte einen Shitstorm im Internet ausgelöst. Buhrow hatte daraufhin für das Lied um Entschuldigung gebeten.

Deshalb wurde ihm vorgehalten, er spiele rechten Aktivisten in die Hand, die die Empörungswelle großenteils künstlich erzeugt hätten. Buhrow verteidigt sein Vorgehen im aktuellen „Spiegel“. Die „Umweltsau“-Satire sei missglückt, sagte er in einem Interview des Magazins.

Buhrow: Nicht vor rechten Kreisen eingeknickt

„In diesem Fall hat in einem Familienprogramm ein nicht als Satire direkt erkennbares Video pauschal eine ganze Gruppe mit Umweltverschmutzung in den Zusammenhang gestellt. Und dadurch haben sich einfach viele Seniorinnen und Senioren verletzt gefühlt.“ Er wies den Vorwurf zurück, vor rechten Kreisen eingeknickt zu sein.

dpa

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