Urteil nach 22 Jahren: Klarheit über den Tod des kleinen Nicky

Prozess

Ein Kind wird an der deutsch-niederländischen Grenze tot gefunden. Laut den Ermittlern wurde es missbraucht. Erst 20 Jahre später wird ein Mann gefasst. Nun ist ein Urteil gefallen.

Maastricht

20.11.2020, 11:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Joep Pattijn von der Polizei in Limburg spricht vor dem Bild des elfjährigen Nicky Verstappen über den geplanten Massen-DNA Test, der später zur Ergreifung des mutmaßlichen Mörders führte.

Joep Pattijn von der Polizei in Limburg spricht vor dem Bild des elfjährigen Nicky Verstappen über den geplanten Massen-DNA Test, der später zur Ergreifung des mutmaßlichen Mörders führte. © picture alliance/dpa

22 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des elfjährigen niederländischen Jungen Nicky Verstappen hat das Gericht über die Schuld des mutmaßlichen Täters entschieden. Der heute 58-jährige Jos B. soll das Kind entführt, missbraucht und dann getötet haben.

Der heute 58-jährige Jos B. habe das damals elfjährige Kind sexuell missbraucht und dabei den Tod verursacht, urteilte das Strafgericht am Freitag in Maastricht.

B. wurde zwar vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen.

Das Gericht machte den Mann aber verantwortlich, da die Gewalt beim Missbrauch zum Tod des Jungen geführt habe. Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens 15 Jahre Haft gefordert. Der Angeklagte selbst bestritt die Tat. Es wird erwartet, dass die Verteidigung Berufung einlegen wird

Der Tod von Nicky Verstappen ist einer der spektakulärsten Fälle der Niederlande. Der kleine Junge war im August 1998 in der Brunssummerheide nahe der deutsch-niederländischen Grenze bei Aachen tot gefunden worden. Der Fall hatte auch in Deutschland große Bestürzung ausgelöst.

Massen-Gen-Test bringt Ermittler auf die Spur

20 Jahre lang bewegte sich nichts bei den Ermittlungen. Erst nach einem Massen-Gen-Test mit 21 000 Männern gab es eine Spur, und die führte zu Jos. B.. Er wurde 2018 in Spanien festgenommen. Die 27 DNA-Spuren auf der Kleidung und dem Körper des Kindes stimmten mit seiner DNA überein.

Außerdem war er kurz nach dem Verschwinden von Nicky am Tatort gesehen worden. Zweimal hatte die Polizei ihn sogar als Zeugen vernommen. B. gab zwar zu, am Tatort gewesen zu sein. Er habe den Jungen aber tot gefunden, sagte er.

Verdächtiger war bereits zuvor wegen Belästigung aufgefallen

Aus Angst habe er all die Jahre darüber geschwiegen, so sagte er vor Gericht aus. B. war bereits früher wegen sexueller Belästigung von Kindern ins Visier der Polizei geraten. Doch für die Staatsanwaltschaft ist seine Schuld erwiesen.

„Wenn man alles zusammen betrachtet, dann ist keine andere Schlussfolgerung möglich: Jos B. ist schuldig“, sagte eine Sprecherin. In seinem Besitz war auch gewalttätige Kinderpornografie gefunden worden.

dpa

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