US-Studie: Long-Covid-Symptome treten auch nach leichten Krankheitsverläufen auf

Coronavirus

Corona-Patienten leiden nach der Erkrankung oft noch unter lang anhaltenden Beschwerden. Eine US-Studie kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass Genesene zudem monatelang ein höheres Sterberisiko haben.

St Louis

27.04.2021, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
73.000 Probanden, die einst mit Corona infiziert waren, nahmen an einer Studie teil. Das Ergebnis zeigt, dass Langzeitfolgen von Covid-19 unterschiedliche Organe betreffen können - und vor allem Männer betroffen sind.

73.000 Probanden, die einst mit Corona infiziert waren, nahmen an einer Studie teil. Das Ergebnis zeigt, dass Langzeitfolgen von Covid-19 unterschiedliche Organe betreffen können - und vor allem Männer betroffen sind. © picture alliance/dpa

Gleich mehrere Studien legen inzwischen nahe, dass eine Corona-Infektion nicht nur kurzzeitige, akute Symptome verursachen kann, sondern unter Umständen mit langfristigen Folgen einhergeht. Experten sprechen dann von Long Covid. Forscher in den USA haben in diesem Zusammenhang nun herausgefunden, dass genesene Corona-Patienten mit einst milden Krankheitsverläufen noch Monate nach ihrer Erkrankung ein höheres Sterberisiko haben als Menschen, die sich nicht mit dem Virus infizieren.

Die Untersuchung basiert auf mehr als 73.000 ehemaligen Corona-Patienten, die milde bis moderate Symptome aufwiesen und nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten. Es handelte sich dabei um US-Veteranen mit einem mittleren Alter von 61 Jahren. 88 Prozent von ihnen waren Männer. In der Vergleichsgruppe betrug das mittlere Alter 67 Jahre und 90 Prozent der Teilnehmer waren männlich. Der hohe Altersdurchschnitt und der ungleiche Anteil von Männern und Frauen dürfte folglich die Repräsentativität der Studie einschränken.

Langzeitfolgen können unterschiedliche Organe betreffen

Die US-Forscher stellten fest, dass die einst erkrankten Veteranen bis sechs Monate nach der Infektion ein bis zu 60 Prozent höheres Sterberisiko hatten als Nichtinfizierte. Knapp 2,3 Prozent der Studienteilnehmer starben zwischen einem und sechs Monate nach der Infektion. Zudem sei das Hospitalisierungsrisiko in den ersten sechs Monaten nach der Erkrankung um 20 Prozent erhöht gewesen, heißt es in der Studie, die im Fachmagazin „Nature“ erschien.

Beobachtete Langzeitfolgen waren unter anderem Probleme in den Atemwegen, Störungen des Nervensystems, psychische Störungen, Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Störungen, Magen-Darm-Störungen, Unwohlsein, Müdigkeit, und Anämie. „Die Ergebnisse zeigen, dass Covid-19-Überlebende über die akute Krankheit hinaus eine erhebliche Belastung ihrer Gesundheit erfahren, die sich über die Lungen bis hin zu weiteren Organsystemen erstreckt“, schrieb das Forscherteam um Ziyad Al-Aly, Direktor des Zentrums für klinische Epidemiologie und Leiter des Forschungs- und Bildungsdienstes im Veterans Affairs St. Louis Health Care System.

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Allerdings konnten die Wissenschaftler nicht feststellen, ob die Symptome tatsächlich durch eine Corona-Infektion hervorgerufen wurden oder durch andere Faktoren wie Medikamente. Denn die Studienteilnehmer nahmen zum Teil Schmerzmittel, Antidepressiva oder blutdrucksenkende Arzneimittel ein. Diese könnten ebenfalls Auslöser für die beobachteten Symptome gewesen sein.

Studie untersucht Folgen von Covid-19 und Influenza

Die Studie verglich zudem die Folgen einer schweren Covid-19-Erkrankung mit denen einer schweren Grippe. Dabei zeigte sich, dass bei ehemaligen Corona-Patienten ein 50 Prozent höheres Sterberisiko besteht als bei Menschen, die eine Influenza überstanden hatten. „Im Vergleich zur Grippe zeigte Covid-19 eine bemerkenswert höhere Krankheitslast – sowohl in der Größenordnung des Risikos als auch in der Breite der Beteiligung von Organsystemen“, sagte Al-Aly. Außerdem hätten ehemalige Corona-Patienten ein wesentlich höheres Risiko für langfristige medizinische Probleme.

Das Phänomen Long Covid gerät immer mehr in das Blickfeld von Forschern. Zurzeit weist die Studienlage aber noch einige Wissenslücken auf. Zum Beispiel ist unklar, wodurch Langzeitfolgen im Zusammenhang mit Covid-19 genau hervorgerufen werden. Eine Theorie ist, dass Entzündungsmoleküle, sogenannte Zytokine, verantwortlich für langfristige Folgen sind. US-amerikanische Forscher des Memorial Sloan Kettering Cancer Centres in New York fanden diese Moleküle beispielsweise im Gehirnwasser, was bei den Betroffenen zu kognitiven Beeinträchtigungen führte.

RND

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