Vater gesteht Missbrauch an zweijähriger Tochter

Landgericht Bochum

Ein 40-jähriger Vater gesteht am Bochumer Landgericht sexuelle Übergriffe auf seine zweijährige Tochter. Die Spur zum Täter hatten in Kinderporno-Chats aufgespürte Missbrauchsfotos gelegt.

von Werner von Braunschweig

, 28.05.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Zeitraum vom Januar 2019 bis zum Oktober 2020 soll sich der Vater (2.v.r.) mindestens dreimal an seiner Tochter vergangen haben.

Im Zeitraum vom Januar 2019 bis zum Oktober 2020 soll sich der Vater (2.v.r.) mindestens dreimal an seiner Tochter vergangen haben. © Werner von Braunschweig

Ein Postmitarbeiter (40) aus Oer-Erkenschwick hat zugegeben, seine zweijährige Tochter mehrfach schwer sexuell missbraucht, die Übergriffe fotografiert und die Bilder anschließend an einen anonymen Chatpartner weiterverschickt zu haben.

Im Zeitraum vom Januar 2019 bis zum Oktober 2020 soll sich der Vater mindestens dreimal sexuell an seiner im Dezember 2016 geborenen Tochter vergangen haben. Tatort war laut Staatsanwaltschaft die damalige Familienwohnung.

Bei seiner Festnahme am 2. Dezember 2020 lebte der 40-Jährige bereits von seiner Familie getrennt und woanders in Oer-Erkenschwick. Bei allen drei Übergriffen soll der Vater das Mädchen massiv sexuell missbraucht haben. Ein Fall davon wiegt rechtlich sogar so schwer wie eine Vergewaltigung.

Missbrauchsfotos an Chatpartner versendet

Parallel dazu soll der Postmitarbeiter mit seinem Mobiltelefon mehrere Bilder von den Übergriffen angefertigt haben. In zwei Fällen, das gab der Oer-Erkenschicker am Donnerstag zu, wurden die Missbrauchsfotos sofort danach an einen, dem 40-Jährigen angeblich unbekannten Chatpartner weiterversendet.

Ein weiteres Foto war laut Anklage im Oktober 2020 auf dem Smartphone des 40-Jährigen entdeckt worden. Die Mutter (heute 24) des Mädchens sei während der Übergriffe nicht anwesend gewesen, hieß es. „Sie hat damals gerade eine Weitebildungsmaßnahme gemacht“, erklärte der Vater den Richtern der 3. Jugendschutzkammer.

Missbrauchsfall durch neu geschaffene Taskforce aufgedeckt

„Das, was passiert ist, tut dem Angeklagten sehr leid“, sagte Verteidigerin Jessica Laarmann. Der Oer-Erkenschwicker selbst nickte die Vorwürfe der Anklage mit gesenktem Kopf ab und sagte: „Ja, das stimmt so.“ Nach Angaben des 40-Jährigen hatte sich seine Partnerin bereits im Februar 2020 von ihm getrennt und war mit dem Kleinkind ausgezogen. Das Sorgerecht liegt nun allein bei der Mutter.

Aufgeflogen ist der Missbrauchsfall durch Ermittlungen einer (nach den Skandalen in Lügde, Bergisch Gladbach und Münster im Sommer 2020 neu geschaffenen) Taskforce zur Bekämpfung des Kindesmissbrauchs bei der Zentralstelle Cybercrime der Staatsanwaltschaft Köln. Dort war in einem größeren Komplex wegen kinderpornografischem Material ermittelt worden.

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Dabei sind die Ermittler auf im Chat ausgetauschte Dateien gestoßen und konnten mit Hilfe der Provider die Spur bis zum Angeklagten aus Oer-Erkenschwick verfolgen. Die Anklage lautet auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie Verbreitung und Besitz kinderpornografischer Inhalte. Für den Prozess sind noch drei weitere Verhandlungstage bis zum 23. Juni anberaumt.

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