„Vater“ verwirrt und berührt

Bochumer Kammerspiele

Der Umgang mit Demenz und Demenzkranken gehört für immer mehr Menschen zum Alltag. In den gesellschaftlichen Diskurs hat sich die Krankheit tief eingeschrieben. Gar nicht so einfach, ein gutes Stück zum Thema zu liefern. Das Schauspielhaus Bochum hat es geschafft: Florian Zellers "Vater" berührt und stößt Diskussionen an.

BOCHUM

, 14.02.2016, 13:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bernd Rademacher und Kristina Peters in der Bochumer Inszenierung „Vater“

Bernd Rademacher und Kristina Peters in der Bochumer Inszenierung „Vater“

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Am Ende dieses im positiven Sinne verwirrenden Theaterabends steht der großartige Bernd Rademacher allein auf der Bühne der Bochumer Kammerspiele in einem einsamen Scheinwerferspot. Auf seinem Gesicht ist noch einmal, ultimativ und unauslöschlich abzulesen, worum es hier geht: nicht in erster Linie um den Verlust von Kontrolle über das eigene Leben, sondern um den Verlust von Heimat.

Wo bin ich?

Rademachers Figur, André, erkennt seine Umgebung und die Menschen darin manchmal nicht mehr wieder: Ist er zu Hause, in der Wohnung seiner Tochter Anne oder im Pflegeheim? Und wo ist eigentlich seine andere Tochter Elise, die er immer viel lieber hatte? Warum schauen alle so betroffen, wenn er nach ihr fragt?

Regisseur Alexander Riemenschneider beweist mit "Vater" einen feinen Sinn für Struktur und Bewegung. Mit Bühnenbildner David Hohmann hat er eine "belebte Bühne" entworfen: Junger Schauspielnachwuchs huscht darüber und stellt Requisiten um.

Unbehagliches Gefühl

Da die Erzählung dem Erleben Andrés folgt, stellt sich der Zuschauer anfangs auf seine Realität ein, glaubt seinen Worten. Wenn alles aus den Fugen gerät, spürt er ein leichtes Unbehagen, ein Gefühl wie im Mystery-Thriller.

Dieses unbehagliche Gefühl einer ultimativen Obdachlosigkeit in der Welt ist die Stärke dieser sehr sehenswerten Inszenierung.

Termine: 18./ 25.2.; Karten: Tel. (0234) 33335555.