Verein protestiert gegen "Körperwelten" in Bochum

Menschliche Plastinate

Noch ist Gunther von Hagens' umstrittene Leichenschau „Körperwelten“ in Bochum nicht eröffnet – und wenn es nach dem Deutschen Falun Dafa Verein ginge, würde sie es auch nicht. Seine Mitglieder werfen dem Anatom vor, Körper und Organe von Folteropfern zu zeigen. Die Stadt Bochum sieht jedoch wenig Handhabe.

BOCHUM

, 27.08.2013, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Noch vor ihrer Öffnung wird gegen die Ausstellung Körperwelten protestiert.

Noch vor ihrer Öffnung wird gegen die Ausstellung Körperwelten protestiert.

Die Vorwürfe sind nicht neu: Seitdem Medien 2004 berichteten, dass Gunther von Hagens in China Leichen ungeklärter Herkunft sowie von Hingerichteten aufkaufe und zu Ausstellungszwecken präpariere, kochen die Anschuldigungen immer wieder hoch. Eine Initiative ruft nun Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und Abgeordnete des Bundestags dazu auf, die Ausstellung „Körperwelten – Der Zyklus des Lebens“ zu stoppen.

Dabei wurden die Ermittlungen gegen von Hagens vor neun Jahren eingestellt, gegen „Spiegel Online“ erwirkte der Plastinator eine einstweilige Verfügung. Der chinesischen Meditationsbewegung Falun Dafa, auch Falun Gong genannt, reicht das nicht.Organraub in China In ihrem Offenen Brief „Stoppt Organraub in China“ heißt es: „Es besteht schon seit längerer Zeit der Verdacht, dass für die Herstellung der Plastinate unter anderem auch Falun Gong-Praktizierende, die in Arbeitslagern zu Tode gefoltert wurden oder bei erzwungenen Organentnahmen starben, verwendet wurden.“ Falun Gong-Anhänger wie Angela Xie bezeichnen sich selbst als unpolitisch. Die Bewegung gilt in China jedoch als Sekte und ist seit 1999 verboten. „Hier bin ich eine normale Hausfrau“, sagt Angela Xie, die seit zwölf Jahren in Deutschland lebt. In China drohe ihr das Gefängnis. „Wir sind im Gespräch mit der Gruppe und nehmen ihr Anliegen ernst“, sagt Pressesprecher Thomas Sprenger von der Stadt Bochum. Da die Stadt jedoch nicht der Veranstalter ist, habe sie wenig Handhabe. „Wir haben vereinbart, dass sie uns die gesammelten Unterschriften übergeben können.“ Mehr nicht. Von Hagens Institut für Plastination verweist indes schriftlich darauf, dass die anatomischen Präparate ausschließlich von Menschen stammen, „die zu Lebzeiten darüber verfügt haben, dass ihr Körper nach dem Ableben zur Ausbildung von Ärzten und der Aufklärung von Laien zur Verfügung stehen soll“.

DNA-Tests gefordert Peter Reinirkens, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion in Bochum, sieht keinen weiteren Gesprächsbedarf. „Wer Recht hat, entzieht sich meiner Kenntnis“, sagt Reinirkens. „Aber das öffentliche Interesse, diese Ausstellung zu verbieten, sehe ich nicht.“ Die Falun Dafa-Anhänger fordern nun DNA-Tests, um die Herkunft der Plastinate endgültig zu klären. Bundestagspräsident Norbert Lammert lässt diese Schritte derzeit prüfen.

Die „Körperwelten“-Schau läuft seit 1996. Weltweit haben laut Veranstalter mehr als 37 Millionen Menschen die Ausstellung gesehen. In Bochum werden 150.000 Besucher erwartet.

„Körperwelten – Der Zyklus des Lebens“ zeigt in über 200 menschlichen Präparaten die Stadien der Entwicklung des Körpers. Die Ausstellung ist vom 30. August bis zum 19. Januar in Bochum, Hermannshöhe 42, zu sehen. Karten gibt es ab 10 Euro an allen Vorverkaufsstellen.