Verurteilter Mörder eines Rentner-Ehepaares erneut vor Gericht

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Drei Jahre nach der grausamen Tötung eines Rentner-Ehepaars in Bochum steht der rechtskräftig verurteilte Mörder erneut vor Gericht. Dabei ging es jedoch nicht um die Schuldfrage.

28.02.2020, 10:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein verurteilter Mörder (37) aus Recklinghausen muss sich seit Donnerstag noch einmal an dem Ort der größten Niederlage seines Lebens verantworten – dem Bochumer Landgericht. Auch wenn der Gelegenheitsarbeiter noch immer seine Unschuld beteuert: Der neue Prozess wird an der gegen ihn verhängten Höchststrafe nichts ändern.

Das Bochumer Schwurgericht hatte gegen den 37-Jährigen am 6. August 2018 nicht nur eine lebenslange Haftstrafe verhängt, sondern außerdem die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Hintergrund war die grausame Tötung eines Rentner-Ehepaars (sie 79, er 78) aus Bochum im Februar 2017.

Die Richter hatten den vehementen Unschuldbeteuerungen des Recklinghäusers nicht geglaubt und anhand einer Indizienkette, vor allem belastende DNA-Spuren an Schuhen und Kleidung, aus ihrer Sicht ohne die geringsten Zweifel festgestellt, dass nur der 37-Jährige als Mörder des Paares infrage kommt.

An der verhängten Höchststrafe ist definitiv nicht zu rütteln

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte am 14. August 2019 die umstrittene Mord-Verurteilung des 37-Jährigen zwar bestätigt. Das heißt: An der verhängten Höchststrafe ist definitiv nicht zu rütteln. Allerdings hatte der BGH die parallel dazu angeordnete Unterbringung des drogenabhängigen Angeklagten in einer Entziehungsanstalt wegen rechtlicher Bedenken aufgehoben. „Nur darum geht jetzt noch“, betonte Richter Johannes Kirfel.

Je nach Einschätzung des Grades seiner Drogenabhängigkeit und der Erfolgsaussichten einer Therapie, wollen die nun zuständigen Bochumer Richter bis Mitte März Antworten auf diese Fragen finden: Muss der verurteilte Mörder als gefährlicher Hangtäter eine Drogentherapie machen oder kommt das in seinem Fall nicht infrage? Und falls ja, in welcher Reihenfolge sollen Drogenentzugstherapie und lebenslange Haftstrafe durchlaufen werden?

Als am Donnerstag das rechtskräftige Mord-Urteil verlesen wurde, schüttelte der Angeklagte, der seinerzeit fünf Monate nach dem Mord festgenommen worden war, immer wieder verzweifelt mit dem Kopf und lächelte gequält - aus seinen Augen sprach Ernüchterung.

Angeklagter: „In diesem Urteil stimmen so viele Sachen nicht“

Es war im Februar 2017, als die beiden Senioren in ihrer Wohnung an der Bochumer Rottstraße überfallen und mit unfassbarer Brutalität ermordet worden waren. Die 79-jährige Frau wurde laut Urteil gewürgt, ins Gesicht getreten und mit einem Messer zweimal in den Hals gestochen. Dem beinamputierten und im Bett liegenden Mann war die Gesichtsknochen durch „Stampftritte mit der Hacke“ zertrümmert worden.

„Im übertragenen Sinne klebt das Blut beider Opfer an den Händen des Angeklagten. Im tatsächlichen Sinne klebte es an seinen Schuhen“, hatte Richter Josef Große Feldhaus bei Urteilsverkündung im August 2018 erklärt. Der Angeklagte dagegen hatte versucht, den ihn angeblich entlarvenden Blutspuren-Treffer an seinen Schuhen mit einer Quittung zu entkräften, die beweisen sollte, dass er die Schuhe erst nach der Tötung gekauft hat. Entdeckte Hautschuppen und Haare an der Kleidung der getöteten Frau hatte er unter anderem damit erklärt, dass er in der Bochumer Wohnung des Paars mal Renovierungsarbeiten geleistet hat.

„In diesem Urteil stimmen so viele Sachen nicht“, sagte der 37-Jährige zu Beginn des zweiten Prozesses an der Seite seines Verteidigers Jens Tuschhoff. „Man hat mich darin nur schlechter und schlechter gemacht.“ Eines könne er den Richtern jedoch auch heute noch felsenfest versichern: „Ich bin kein Mörder. Ich habe mit dieser Sache nichts zu tun.“

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