Verurteilter Zweifach-Mörder beteuert: „Ich bin ein Justizfehler“

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Drei Jahre nach der grausamen Tötung eines Rentner-Ehepaars in Bochum hat das Bochumer Landgericht jetzt ein zweites Urteil gesprochen. Um die Schuldfrage ging es dabei aber nicht mehr.

Bochum

, 12.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bochumer Landgericht hat einem wegen Raubmordes zur Höchststrafe verurteilten Gelegenheitsarbeiter aus Recklinghausen eine Drogenentzugstherapie auferlegt. Der Angeklagte nutzte seinen vorerst letzten öffentlichen Auftritt am Donnerstag noch einmal für einen Nachdenk-Anstoß.

„Ich bin ein Justizfehler“, erklärte der 37-Jährige bei seinen letzten Worten vor der Urteilsberatung, in denen er mit einer ganzen Reihe angeblicher Fehler der im ersten Prozess zuständigen Richter abrechnete. „Ich habe mit der Tat nichts zu tun“, beteuerte er. Und auch sein Verteidiger Jens Tuschhoff (Oer-Erkenschwick) bezweifelte in seinem Plädoyer, „ob am heutigen Tag in dieser Sache wirklich das letzte Kapitel geschrieben worden ist“.

Fest steht: Die durch den Bundesgerichtshof (BGH) rechtskräftig bestätigte Verurteilung wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe ist nun praktisch nur noch durch ein mögliches Wiederaufnahmeverfahren zu kippen. Das ist aber nur unter ganz engen Voraussetzungen überhaupt möglich - unter anderem bei wasserdichten Freispruch-Beweisen.

Brutale Morde an Rentner-Ehepaar aus Bochum

Hintergrund für das Mordurteil im August 2018 war die grausame Tötung eines Rentner-Ehepaars aus Bochum im Februar 2017. Die 79-jährige Frau wurde laut Urteil gewürgt, ins Gesicht getreten und mit einem Messer zweimal in den Hals gestochen. Dem beinamputierten und im Bett liegenden Mann war die Gesichtsknochen durch „Stampftritte mit der Hacke“ zertrümmert worden.

Der Angeklagte hatte versucht, den ihn angeblich entlarvenden Blutspuren-Treffer an seinen Schuhen mit einer Quittung zu entkräften, die beweisen sollte, dass er die Schuhe erst nach der Tötung gekauft hat. Hautschuppen und Haare an der Kleidung der getöteten Frau hatte er unter anderem damit erklärt, dass er in der Bochumer Wohnung des Paars mal Renovierungsarbeiten geleistet hat.

Die ersten Richter waren am Ende anhand mehrerer Indizien sicher, dass nur der 37-Jährige als Mörder infrage kommt, hatten seine Unschuldbeteuerungen allesamt als widerlegt betrachtet.

Unterbringung in einer Drogenentziehungsanstalt angeordnet

Der BGH hatte das erste Urteil weitestgehend bestätigt, jedoch einen zweiten Prozess über die Frage einer Unterbringung in einer Drogenentziehungsanstalt angeordnet. Diese „Chance“, so urteilte die 3. Strafkammer, wolle man dem Gelegenheitsarbeiter nicht verbauen. „Man kann ja damit auch nichts falsch machen“, so Richter Johannes Kirfel.

Entweder komme die (zeitlich auf die Haftstrafe anrechenbare) Therapie dem 37-Jährigen zugute und er nehme sie positiv mit in die spätere Resthaftzeit. Oder aber er komme (zum Beispiel bei Blockadehaltung) sofort wieder ins Gefängnis. Der 37-Jährige hatte selbst erklärt, unbedingt ein „drogenfreies Leben“ führen zu wollen.

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