VfL Bochum: Vorne wie ein Aufsteiger, hinten wie ein Absteiger

Zwischenbilanz

Die ersten zehn Pflichtspiele sind absolviert. Beim VfL Bochum fällt deutlich auf, was schon gut läuft – und was weniger. Eine Zwischenbilanz.

Bochum

, 16.10.2019, 12:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
VfL Bochum: Vorne wie ein Aufsteiger, hinten wie ein Absteiger

Torgefährliches Duo: Silvere Ganvoula (links) und Danny Blum (rechts). © picture alliance/dpa

Die spielfreien Tage hat VfL-Coach Thomas Reis natürlich genutzt. Teils zweimal täglich versammelte er seine Mannschaft auf dem Trainingsplatz. An vielen Stellenschrauben versucht der Fußballlehrer, der seit Anfang September im Amt ist, noch zu drehen. Vor allem will er für mehr Kompaktheit sorgen und die Defensivarbeit verbessern.

Denn die ist ein gewichtiger Grund dafür, weshalb der Revierklub nach neun Spieltagen nur auf dem 15. Tabellenplatz steht. Stellungsfehler, schlechtes Zweikampfverhalten, mangelnde Körperlichkeit oder individuelle Patzer kosteten schon zahlreiche Punkte. Die Zahlen sind erschreckend: Kein Spiel ohne Gegentor – nicht einmal beim Pokalspiel in Baunatal. Mehr als zwei Gegentore im Schnitt – nur Schlusslicht Wiesbaden ist anfälliger. Schon 21 Mal musste Keeper Manuel Riemann in zehn Pflichtspielen hinter sich greifen.

Hinten schwach, vorne stark

Das wohl größte Problem: Die Viererkette kam schon ohne stabiles Grundgerüst aus der Saisonvorbereitung. Mit den Neuzugängen Cristian Gamboa, Saulo Decarli und Simon Lorenz sowie Danilo Soares als Routinier hat sich erst unter Thomas Reis eine Abwehrreihe gefunden, die jetzt endlich stabilisiert werden soll. Beim personellen Umbruch in der Hintermannschaft, der vor der Saison vollzogen wurde, haben die Verantwortlichen sowohl den Faktor Zeit als auch Stärken und Schwächen offensichtlich falsch eingeschätzt.

Dass der VfL trotz der vielen Gegentreffer gepunktet hat, liegt wiederum an einer starken Offensive. Mit 16 Toren gehört die Mannschaft sogar zu den gefährlichsten der Liga – was vor allem an einem starken Duo liegt. Denn elf Treffer und acht Vorlagen gehen allein auf das Konto von Angreifer Silvere Ganvoula (7 Tore, 3 Vorlagen) und Mittelfeldspieler Danny Blum (4 Tore, 5 Vorlagen). Genau genommen gab es in dieser Saison noch kein einziges Bochumer Tor, an dem niemand der beiden beteiligt war, nicht einmal im Pokal. Dort traf Ganvoula sogar dreifach, kommt somit auf zehn Pflichtspieltreffer.

Ganvoula ersetzt Hinterseer

Die Abhängigkeit von diesem Duo war in dieser Dimension nicht zu erwarten. Neuzugang Blum kam im Sommer gegen eine Ablöse von Eintracht Frankfurt und war in den vergangenen Jahren häufig verletzt. Die Skepsis im Umfeld war deutlich zu spüren. Bis auf kleinere Wehwehchen ist er in Bochum aber stabil und überzeugt mit Tempo, präzisen Flanken und einer starken Schusstechnik. Weniger filigran, dafür ähnlich schnell und mit großer Körperkraft stellt sich Silvere Ganvoula in den Dienst der Mannschaft.

Auch für ihn hat Manager Sebastian Schindzielorz Geld in die Hand genommen, um ihn vom RSC Anderlecht loszueisen. Eine Investition, die sich bei einer Vertragslänge von vier Jahren noch lohnen dürfte. Denn die schnelle Entwicklung von Ganvoula war nicht unbedingt zu erwarten. Noch bis zum Frühjahr deutete wenig auf einen Verbleib des Leihspielers hin. Erst im Endspurt der vergangenen Saison überzeugte er und wurde daraufhin zum Nachfolger von Top-Torjäger Lukas Hinterseer auserkoren. Die Erwartungen hat Ganvoula bislang nicht nur erfüllt, sondern schon übertroffen.

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