VfL wie ausgewechselt: Bayern-Spiel als Mutmacher für Bochum

DFB-Pokal

Der VfL Bochum hatten den großen FC Bayern München im DFB-Pokal am Rande einer Niederlage. Fans wie Spieler hoffen, die überraschend gute Leistung im Liga-Alltag zu wiederholen.

Bochum

, 30.10.2019, 00:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
VfL wie ausgewechselt: Bayern-Spiel als Mutmacher für Bochum

Vorbildlich gekämpft: Bochums Torwart Manuel Riemann und Verteidiger Saulo Decarli. © picture alliance/dpa

Den Schlussapplaus gab es völlig zu Recht: Als die Mannschaft des VfL Bochum nach dem Pokalspiel am Dienstagabend gegen Bayern München vor die eigenen Fans trat, gab es viel Zuspruch von den Tribünen – Szenen, die es an der Castroper Straße schon länger nicht mehr gegeben hat. Vorbildlich und leidenschaftlich hat jeder einzelne Spieler in den 90 Minuten zuvor gekämpft. Der Wunsch von Trainer Thomas Reis ist jedenfalls in Erfüllung gegangen: Auch wenn der VfL das Spiel in der Endphase noch mit 1:2 verloren hat, sind die Zuschauer zufrieden nach Hause gegangen.

Leidenschaftlicher als zuletzt

Lange Zeit durfte der VfL sogar an der Sensation schnuppern. Ein Eigentor von Alphonso Davies hatte die Hausherren nach 36 Minuten in Führung gebracht. Und dieses Glück haben die Bochumer tatsächlich erzwungen. Denn der Plan von VfL-Trainer Thomas Reis, im Vergleich zum Zweitliga-Alltag auf noch mehr Erfahrung und Zweikampfstärke zu setzen, ging auf. „Wir haben mehr Gas gegeben und die Zweikämpfe besser angenommen. Das war entscheidend“, sagte der Übungsleiter nach der Partie.

Eine wichtige und richtige Maßnahme: Routiniers wie Robert Tesche und Chung Yong Lee sorgten für mehr Kompaktheit, insgesamt zeigte die Mannschaft deutlich mehr Geschlossenheit, Konzentration und Engagement als zuletzt. Auch der erst 17-jährige Innenverteidiger Armel Bella Kotchap trug dazu bei, dass das Starensemble aus dem Süden große Mühe hatte, die Bochumer Defensive zu überwinden. Im Klartext: Bis auf zwei Abschlüsse wurden die Bayern in der ersten Halbzeit nicht wirklich gefährlich.

Ruhrstadion war ein Hexenkessel

Ganz anders der VfL, der leidenschaftlich dagegen hielt. Immer wieder setzte der Underdog Nadelstiche und überraschte damit selbst das eigene Publikum. Schon in der ersten Spielminute hatte Simon Zoller das 1:0 auf dem Fuß, sein Schussversuch verdient jedoch keine nähere Umschreibung. Tatsächlich musste Bayerns Chefcoach Niko Kovac nach dem Seitenwechsel sowohl Top-Torjäger Robert Lewandowski als auch Philippe Coutinho und Thomas Müller einwechseln, um den VfL ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Doch auch im zweiten Durchgang verteidigten die Hausherren vorbildlich und so gut wie in dieser Saison noch nie. Die Mannschaft, die in wenigen Tagen wieder gegen den Abstieg in die dritte Liga kämpfen muss, schien wie ausgewechselt. Spätestens, als die letzte Viertelstunde anbrach, glaubten nicht nur die Spieler, sondern auch immer mehr Fans an die Sensation. Das Ruhrstadion entwickelte sich zum Hexenkessel, jede Balleroberung wurde frenetisch bejubelt. So einen Zusammenhalt hat Fußball-Bochum lange nicht erlebt.

Mitten ins Bochumer Herz

Doch die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie keine Reaktion mehr gezeigt hätten. In beeindruckender Form schlugen sie plötzlich zurück und ließen die Bochumer in nur wenigen Minuten aus ihrem Pokaltraum erwachen. Erst traf Serge Gnabry zum Ausgleich, dann sah Armel Bella Kotchap nach einer Notbremse die Rote Karte, und drei Minuten vor Abpfiff traf Thomas Müller mitten ins blau-weiße Fußballherz – und erzielte das spielentscheidende 1:2. Ein Ergebnis, das vor der Partie wohl fast jeder Bochumer unterschrieben hätte.

Deshalb mischte sich unter die Enttäuschung schnell ein positives Gefühl – nicht nur auf den Rängen, sondern auch in der Kabine. „Natürlich tut es weh, weil wir die Bayern am Rande einer Niederlage hatten“, sagte Simon Zoller stellvertretend für die Mannschaft. „Aber wenn man sieht, wie wir marschiert sind, dann wissen wir, was wir können und in der Liga wiederholen müssen.“ Denn das gute Pokalspiel wäre ganz schnell vergessen, wenn am kommenden Montag gegen Nürnberg die nächste Enttäuschung folgen würde. Trainer Thomas Reis sieht das genauso und sagt deutlich: „Das muss jetzt der Maßstab für die Liga sein.“

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