Virtuose mit Hand, Fuß und Herz

DORTMUND Er ist der Paradiesvogel an der Orgel. Wenn Cameron Carpenter im engen Glitzeranzug auf der Orgelbank Platz nimmt, erinnert nichts mehr an Kirchenmusik. Vor einem Jahr spielte der Amerikaner im Konzerthaus Dortmund das best besuchte Orgelkonzert aller Zeiten der Stadt. Am Dienstag (8. 11.) kommt der 30-Jährige zurück ins Konzerthaus.

von Von Julia Gaß

, 31.10.2011, 12:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Cameron Carpenter fällt auf unter den Organisten: Mit seiner Kleidung, seiner Leidenschaft und Virtuosität.

Cameron Carpenter fällt auf unter den Organisten: Mit seiner Kleidung, seiner Leidenschaft und Virtuosität.

Sie sind auf "Signature Tour". Was bedeutet das? Mit einer Signatur gibt man den Menschen etwas Persönliches. Das kommt im Konzert von mir und von der Orgel. Jede Orgel ist anders, jedes Programm und jedes Publikum. Ich suche die Persönlichkeit der Orgel, die Sound-Signatur, ihren eigenen Klang. Ich möchte dabei eine persönliche Beziehung zum Publikum aufbauen und alles spontan wirken lassen, die Orgel näher ran holen ans Publikum von der Empore.Sie haben im vergangenen Jahr schon einmal auf der Klais-Orgel im Konzerthaus Dortmund gespielt. Was macht deren Persönlichkeit aus? Sie hat eine klare Klangsprache, klingt sehr menschlich, aber auch aufregend cineastisch. Sie hat beides: Breitwand-Sound und eine Kammermusikseele. Genau weiß ich noch nicht, was sie mag, aber wenn ich sie wiedersehe, fällt es mir ein.Warum legen Sie Ihr Konzertprogramm immer so kurzfristig fest? Ich möchte erst die Orgel kennen lernen. Deshalb entscheide ich immer erst einige Stunden vorher, was ich spiele. Selten einen Tag vorher. Wenn ich das Programm vorher bestimmen würde, wäre es, wie über jemanden zu urteilen, den ich nicht kenne.Es ist Liszt-Jahr, und Sie sind ein Virtuose. Spielen Sie auch Liszt in Dortmund? Ich bin nicht sicher. Vielleicht eine Etüde, vielleicht versuche ich auch etwas von Percy Grainger zu spielen.Bei YouTube kann man sehen, wie Sie die Revolutions-Etüde von Chopin im Pedal spielen. Das sieht spektakulär aus und ist hochvirtuos. Können wir uns darauf in Dortmund freuen? Meinen Sie, das Publikum möchte das hören?Unbedingt. Dann probiere ich es vielleicht.Sie machen wahnsinnige Dinge mit den Füßen, die andere nicht mit den Fingern schaffen. Trainieren Sie die Beine dafür besonders? Es ist in der Tat ungewöhnlich, was ich mit den Füßen mache. Und Orgeln in Deutschland haben keine Pedaltradition. Einige machen es mir extrem schwer. Ich treibe viel Sport. Als Musiker muss man generell fit sein. Ich trainiere den ganzen Körper, nicht nur die Beine. Meine Mutter war Tänzerin. Sie hat gehofft, ich werde Tänzer.Sie werden vom Publikum auf der ganzen Welt mit offenen Armen begeistert empfangen. Sind Sie ein Showorganist? Ich mag dieses Wort nicht. Ich spiele Klassik, die Musik steht im Mittelpunkt. Trotzdem kann ein Konzert auch eine fantastische Show sein. Bei mir ist es mehr Leidenschaft als Show. Und erstmal eine gute Technik. Das Publikum erwartet, dass ich mein Bestes gebe - fürs Auge und fürs Ohr. Und es wird auch viel Neues hören.  

Es gibt noch Karten: Tel. (0231) 22 69 62 00.
www.konzerthaus-dortmund.de
 

Cameron Carpenter spielt die Revolutionsetude bei YouTube:  

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