Vom Meerschwein gebissen

ESSEN Warum führt Franziska sich so seltsam auf? Sie apportiert den Tennisball, beschnuppert ihren Björn, hasst alle Katzen und zeigt Heißhunger auf kiloschwere Würste. Und knurren wie ein Werwolf kann sie auch.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 31.01.2008, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schlunziger Typ: Friedemann Thiele als Björn.

Schlunziger Typ: Friedemann Thiele als Björn.

Franziska wurde vom Meerschwein gebissen, von einem aus dem Tierlabor. Ein Westentaschen-Dr.Moreau hat dem Nager die Gene eines Schäferhundes injiziert. Das ungewollte Resultat der Testreihe ist halb Mensch, halb Hund. - Am Mittwoch hatte Kai Hensels "Das Meerschweinchen" Uraufführung in der Box des Essener Schauspiels.

Nach "Klamms Krieg" (Monolog eines frustrierten Lehrers) und "Welche Droge passt zu mir?" (Rauschgift-ABC einer Mutter) knüpft Hensel an seine Zeit als Comedy-Autor für "Samstag Nacht" an und legt eine abgedreht komische Farce vor.

Pharma- und Wissenschafts-Satire mit "mad professor". Kleine Beziehungskiste. Schnappschuss eines Zeichners in der kreativen Flaute. Der Weltgehalt ist eher klein, der Spaßfaktor umso größer. Ein Ulk, bei dem Schauspieler ungebremst aufdrehen dürfen.

Und das tun sie auch. Rezo Tschchikwischwili liefert eine Prachtvorstellung als durchgeknallter russischer Forscher. Menschheitsbeglückung durch Haustiere! Er will Liebe säen, in seinen Augen flackert der Wahnsinn. Katja Heinrich gibt die hündische Franziska: animalisch hechelnd und rohes Fleisch mampfend. Friedemann Thiele spielt Björn, den Comicautor. Sein Schlunz-Kostüm (von Julia Borchert) mit Morgenmantel, Schlafanzug, Wollmütze erinnert an Spitzwegs armen Poeten. Vierter "Darsteller" ist ein Fellknäuel: "Priscilla", das Meerschwein. Es fiept, es gluckst, es macht Pipi. Dann wird es malträtiert, denn Wissenschaft verlangt nach Opfern...

Cilli Drexel (Regie) hat ein feines Händchen für die Mechanik von Klamauk und Klamotte. Hensel ist immer gut für flotte Einzeiler ("Meerschweinchen sind Opium fürs Kind"). -Viel Kichern, starker Applaus.

Termine: 7.2., 21.2. Karten unter Tel. (0201) 8 12 22 00.

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