Von Maskenpflicht bis Schnelltest: Wie die Schulen Corona-Infektionen vermeiden könnten

Coronavirus

Das Coronavirus macht auch vor den Schulen in Deutschland nicht halt. Infektionen unter Schülern und Lehrern sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Mediziner empfehlen etwa regelmäßiges Lüften.

von Laura Beigel

, 11.11.2020, 09:10 Uhr / Lesedauer: 3 min
An Grundschulen mussten die Kinder bislang oft keine Maske im Unterricht tragen.

An Grundschulen mussten die Kinder bislang oft keine Maske im Unterricht tragen. © picture alliance/dpa

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat sich für eine Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen. In einer Phase mit hohen Infektionszahlen sei das Tragen eines Mundschutzes selbst an Grundschulen zumutbar. „Das Maskentragen ist für mich das effektivste Mittel, um Unterricht zu ermöglichen“, sagte sie im Interview mit der Rheinischen Post.

Bund und Länder hatten immer wieder betont, dass trotz hoher Infektionszahlen Schulen und Kindertagesstätten weiter geöffnet bleiben sollen. Denn schon beim Lockdown im Frühjahr hatte sich gezeigt, dass das Homeschooling in Kombination mit Kontakteinschränkungen ein großer Belastungstest für Eltern, Schüler und Lehrer sein kann.

Karliczek: Schulen könnten auf andere Räume ausweichen

Damit sich diese Situation nicht wiederholt, wurden schließlich Hygienekonzepte erarbeitet. Diese umfassen auch regelmäßiges Lüften der Klassenräume – selbst bei derzeit kalten Temperaturen –, um die Ausbreitung des Coronavirus durch Aerosole zu minimieren.

„Es ist in der momentanen Lage den Schülern zuzumuten, einen dickeren Pullover anzuziehen“, entgegnete Karliczek auf die Frage, welche Maßnahmen zu einem guten Winterkonzept für die Schulen gehören. „Zudem könnten Schulen vielleicht auf andere Räume, etwa in Pfarrzentren ausweichen, wenn sie die benötigen, um mehr Abstand erreichen zu können.“

Maßnahmen nicht am regionalen Infektionsgeschehen festmachen

Den Elternverbänden gehen diese Maßnahmen nicht weit genug. In einem offenen Brief äußern sie ihren Unmut über den zu lockeren Umgang mit der Verbreitung des Coronavirus in Schulen. Sie fordern unter anderem, Lerngruppen in den Klassen zu verkleinern, sofern die Infektionszahlen weiter steigen. So empfiehlt es auch das Robert-Koch-Institut bei einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 50 pro 100.000 Einwohner im jeweiligen Landkreis.

„Aus rein infektiologischer Sicht ist die Verkleinerung und Trennung von Lerngruppen in Schulen eine sinnvolle Maßnahme, da sich damit die Zahl der Kontakte und damit die Wahrscheinlichkeit für Übertragungen reduzieren lassen“, sagt Prof. Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, gegenüber dem Science Media Center (SMC). Aber: „Aus meiner Sicht sollten sich diese weitergehenden Maßnahmen nicht an regionalen Inzidenzen orientieren, sondern konkret an der Situation in den Schulen festgemacht werden.“

Antigentests für Kontaktpersonen einsetzen

Neben den AHA-Regeln (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske) und einer Ausweitung der Maskenpflicht für die Klassenräume sei es wichtig, dass Schüler und Lehrer auch fernab der Schule Infektionen vorbeugen. Der Virologe verweist auf mehrere Berichte von Infektionsketten unter Schülern, bei denen nicht sicher sei, ob sie sich in der Schule oder im privaten Umfeld wegen fehlender Schutzmaßnahmen infiziert haben.

„Für eine bessere Einschätzung des Infektionsgeschehens in Schulen halte ich eine konsequente Testung von Kontaktpersonen für sinnvoll“, meint Timm. „Wenn die Testkapazitäten in den Laboren ausgeschöpft sind, können Antigentests hilfreich sein.“

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Diese Schnelltests sind jedoch weniger sensitiv als PCR-Tests – das heißt, sie können gegebenenfalls nicht alle Erkrankungen korrekt erfassen. Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt Antigentests bisher nur medizinischem Personal sowie Patienten, Bewohnern und Besuchern klinischer Einrichtungen.

Zeit für Digitalausbau an Schulen nutzen

Prof. Rafael Mikolajczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, vermutet zudem, dass aufgrund der zunehmenden Infektionszahlen weitere Einschränkungen – zumindest auf regionaler Ebene – folgen könnten.

„Es ist zu befürchten, dass eine alleinige Einschränkung von Kontakten im Freizeitbereich die Epidemie nicht unter Kontrolle bringen kann“, sagte er im Gespräch mit dem SMC. Deshalb appelliert der Mediziner, die „aktuelle Situation dafür zu nutzen, die Voraussetzungen für ein digitales Unterrichten zu schaffen, falls dies zu einem späteren Zeitpunkt nötig sein sollte“.

Welche Rolle spielen Kinder bei der Virusverbreitung?

Auch Mikolajczyk spricht sich dafür aus, Hygienekonzepte weiterhin einzuhalten und Klassenräume regelmäßig zu lüften. So könnten Infektionen mit dem Coronavirus verhindert werden. Immer noch unklar ist hingegen, welche Rolle Kinder überhaupt bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 spielen.

„Nach den bisherigen Daten scheinen insbesondere bei jüngeren Kindern Infektionen mit Sars-CoV-2 seltener als bei Erwachsenen zu sein, ältere Kinder ab etwa 12 bis 14 Jahren unterscheiden sich nicht mehr von Erwachsenen“, sagt Virologe Timm. Eine Erklärung dafür könnte die geringe Expression von ACE2-Rezeptoren bei jüngeren Kindern sein. Diese Rezeptoren nutzt das Coronavirus, um menschliche Zellen zu befallen.

Kinder zeigen meist keine Symptome

Hinzu kommt, dass Kinder meist asymptomatisch sind, also keine Symptome einer Covid-19-Erkrankung entwickeln. Das führt zu einer hohen Dunkelziffer bei den Infektionszahlen. Zudem bedeutet es nicht, dass Kinder die asymptomatisch sind, keine anderen Menschen infizieren können. Das Gegenteil ist der Fall, wie mehrere Studien – unter anderem vom Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité – zeigen konnten.

Der Epidemiologe Mikolajczyk gibt aber Entwarnung: „Anhand der bisher vorliegenden Informationen ist davon auszugehen, dass die Kinder bei der Übertragung von Sars-CoV-2 generell eine geringere Rolle als bei Influenza spielen.“

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