Vor 20 Jahren baute Jan Thürmer der Kammermusik ein Zuhause - jetzt plant er neu

BOCHUM Am 17. Juni 1988 eröffnete Jan Thürmer seinen Thürmer-Saal in Bochum. Mit angeschlossener Klavier-Manufaktur, Klavierverkaufsräumen und Klaviermuseum. Rund 2000 Konzerte fanden dort statt. Mit unserem Mitarbeiter Max Florian Kühlem blickt Jan Thürmer zurück und nach vorn.

von Von Max Florian Kühlem

, 16.06.2008, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jan Thürmer liebt seinen Kammermusik-Saal. Trotzdem möchte er neben der zukünftigen Bochumer Symphonie neu bauen.

Jan Thürmer liebt seinen Kammermusik-Saal. Trotzdem möchte er neben der zukünftigen Bochumer Symphonie neu bauen.

Wie man auf ihrer Internetseite sehen kann, hat das Unternehmen Thürmer eine lange und wechselvolle Geschichte...

Thürmer: Man kann sich in ihr verlieren. Immerhin sind wir, seit Ibach Ende letzten Jahres den Betrieb eingestellt hat, der älteste deutsche Klavierhersteller, gegründet 1834 in Meißen.

Was hat sie 1988 ausgerechnet nach Bochum verschlagen?

Thürmer: Unser Betrieb wurde 1946 von den Sowjets enteignet und ab 1955 auf Möbelproduktion umgestellt. Im gleichen Jahr wagte unsere Mutter mit vier kleinen Kindern den Schritt nach Westdeutschland. 1971 kam es zur Zusammenarbeit mit einem Berliner Klavierfabrikanten, ab 1976 mit einem Landshuter Unternehmen, dessen Gesellschafter ich später wurde. 1977 ließ ich mich in Herne nieder. Es erschien mir reizvoll, mich in einem Ballungsraum zu orientieren, der eine Vielzahl von bedeutenden Musikschulen- und -hochschulen beheimatet.

Sie haben das Ruhrgebiet also damals schon als Kulturraum wahrgenommen?

Thürmer: Es konnte damals natürlich nicht mit etwa München - einer Kulturstadt von Weltrang - konkurrieren, aber die hohe Dichte von Musikschulen und -hochschulen fand sich so nirgendwo in Deutschland. Bis heute profitieren wir von Kooperationen mit ihnen.

Geht das Gesamtkonzept, einen Klavierbaubetrieb mit Kammermusiksaal und Künstlerwohnungen zu verbinden, auf eine Familientradition zurück?

Thürmer: Nein. Der Meißner Betrieb hatte in seiner Blütezeit über 300 Mitarbeiter und produzierte bis zu 2850 Instrumente jährlich. Mein Konzept setzt die kleinere Dimension der Manufaktur voraus. Ich bin mit Kammermusik, insbesondere der großen Solo-Klavierliteratur aufgewachsen und finde es von daher richtig und wichtig, meine Möglichkeiten zur Musikpflege zu nutzen.

Was ist das Besondere an ihrem Saal?

Thürmer: Es ist der einzige reine Kammermusiksaal, der nach dem Krieg in NRW privat gebaut wurde. Ein Rundbau - wie der Vorsitzende des städtischen Kulturausschusses in seinem Geleitwort zum Jubiläum sagt - der den Künstler in den Mittelpunkt stellt und damit die Musik. Die Akustik lässt den Ton aufblühen: Ein Sänger, Streicher oder Holzbläser muss sich nicht mühen, der Ton wird leicht bis zum letzten Rang getragen.

Sie schwärmen von ihrem Bau, wollen aber doch umziehen?

Thürmer: Wenn unserem Orchester, den Bochumer Symphonikern, endlich ein eigener Konzertsaal ermöglicht wird, dann wäre es klug, unseren Kammermusiksaal in unmittelbarer Nähe zu errichten. Dergleichen findet sich derzeit in NRW nicht. In die Planung des Neubaus neben der "Bochumer Symphonie" fließen natürlich alle Erfahrungen ein, die wir in 20 Jahren machen durften.

Info: Zum Jubiläum spielt im Thürmer-Saal am Dienstag, 17. Juni, 20 Uhr, Christina Ortiz Werke von Schubert, Brahms und Debussy. Eintritt inklusive Sektempfang und Büffet im Anschluss: 50 (erm. 45) Euro. Es gibt noch Restkarten an der Abendkasse.

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