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32-jähriger Wohnungsloser als Brandstifter festgenommen

Zum Teil geständig

Zumindest für einen Teil der neun großen Brände in Vreden und Ahaus konnte die Polizei am Dienstag einen Tatverdächtigen präsentieren: Ein 32-jähriger Wohnungsloser wird für fünf Brände verantwortlich gemacht. Dass er auch den Rest der Feuer gelegt hat, ist nicht ausgeschlossen - gestanden hat er aber nur teilweise.

VREDEN

, 20.10.2015

Am Montag klickten im Antoniusheim die Handschellen bei Bernd S.. Der Verdächtige war erst im Juni in die Einrichtung für Wohnungslose in der Vredener Bauerschaft Köckelwick gezogen – kurz zuvor war er aus der Justizvollzugsanstalt in Schwerte entlassen worden, wo er eine Haftstrafe wegen Verbreitung von Kinderpornografie abgesessen hatte. Nur wenige Tage später begann die Brandserie, die Feuerwehr und Polizei über Wochen in Atem halten und die Bevölkerung stark verunsichern sollte.

DNA-Spur führte Ermittler zum Erfolg

Am Ende war es eine DNA-Spur, die die Ermittler zum Erfolg führen sollte. Der Abgleich in der Datenbank des Landeskriminalamtes brachte den entscheidenden Treffer, wie Thomas Vortkamp, Leiter der Ermittlungskommission, am Dienstag bei einer Pressekonferenz berichtete. Bernd S. habe offensichtlich nicht damit gerechnet, dass ihm die Polizei auf die Schliche kommen würde.

Teil der Brandstiftungen eingeräumt

In den ersten Vernehmungen habe er einen Teil der Brandstiftungen eingeräumt. Bei fünf Bränden reichten die Erkenntnisse aus, um damit den Haftbefehl zu begründen. „Wir sind darüber hinaus überzeugt, dass er auch für die anderen Brandstiftungen verantwortlich ist“, bekräftigte Vortkamp. Benzin oder andere Brandbeschleuniger seien wohl nicht mit im Spiel gewesen. S. habe aber stets Feuerzeug, Streichhölzer, Kerze oder Lappen bei sich gehabt, mit denen er ein Feuer entfachen konnte.

Die Polizei zeichnete in ihrer Beschreibung des Verdächtigen das Bild eines Menschen, der im Leben keinen Halt besitzt und schon früh auf die schiefe Bahn kam. Mit 13 Jahren habe der aus dem Südwesten stammende Mann bereits das erste Mal gezündelt und zugeschaut, wie eine Scheune abbrannte. Von den Eltern fühlte er sich nicht gewollt. Nach der Hauptschule habe er nie im Berufsleben Fuß gefasst; Drogen und die Beschaffung des dafür nötigen Geldes prägten sein Leben. In der Haft begann er eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, die er aber später abbrach.

Drogensucht trieb ihn wohl zu Einbrüchen

Seine Drogensucht soll ihn auch weiter zu Einbrüchen getrieben haben, nachdem er ins Antoniusheim gezogen war. Dort sei er nicht weiter auffällig gewesen. Mit dem Bürgerbus oder auch per Anhalter sei Bernd S. viel unterwegs gewesen, um zu Objekten zu kommen, in die er einbrechen wollte. „Es mag wohl der Frust über eine zu kleine Beute gewesen sein, der ihn zu den Brandstiftungen trieb“, schätzt der Leitende Kriminaldirektor Manfred Joch: Bernd S. habe allgemeinen Lebensfrust geschoben und sei ständig klamm gewesen.

Schaden liegt im hohen einstelligen Millionenbereich

Die – wenn überhaupt – erzielte Beute steht in keinem Verhältnis zu dem Schaden, der bei der Brandserie angerichtet worden ist. Die Polizei schätzt, dass dieser im hohen einstelligen Millionenbereich liegen dürfte. Dass der Verdächtige bislang nicht in allen Fällen geständig ist, könnte Ausdruck eines Taktierens sein, so Joch: „Es ist schwierig, in den Fällen ein Geständnis zu bekommen, wo Menschenleben in Gefahr waren.“ Zugegeben habe Bernd S. zumindest Einbrüche in die Ellewicker Gaststätten, in denen es in der gleichen Nacht brannte – an Zufall mögen die Ermittler da aber nicht glauben. 

 

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