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Restaurator legt unbekanntes Gemälde im Felicitas-Altar frei

Sensationelle Entdeckung

VREDEN Ein Restaurator hat am Felicitas-Altar der Kapelle im Antoniusheim ein bislang unbekanntes Gemälde aus dem 17. Jahrhundert freigelegt. Er trug mehrere Farbschichten ab, von denen die letzte Ende des 19. Jahrhunderts aufgetragen wurde. Mindestens seitdem, vermutlich aber deutlich länger, hat das Gemälde niemand mehr gesehen.

von Von Anne Winter-Weckenbrock

, 04.06.2010 / Lesedauer: 3 min
Restaurator legt unbekanntes Gemälde im Felicitas-Altar frei

Um dieses Gemälde geht es. Restaurator Edgar Jetter hat es auf dem Felicitasaltar entdeckt.

Das war auch für Edgar Jetter mit seiner mehr als 50-jährigen Berufspraxis ein ganz besonderer Moment: Eigentlich dachte er, dass die Fläche in der Nische zwischen zwei Säulen des Felicitasaltars nur der Hintergrund für eine Figur gewesen sei. Aber dann legte Jetter nach und nach Teile eines ganzen Gemäldes frei. „Ein Engel in grünem Gewand“, vermutet der Restaurator. Genau kann er das noch nicht sagen, denn er hat erst einen Kopf und einen Kragen freigelegt- dass der grün ist, kann man schon sehen. Jetter dürfte mit seiner Vermutung also richtig liegen. Diese Entdeckung war sensationell, doch es ging noch weiter. Edgar Jetter und seine Tochter Sabine stellten fest, dass der Altar insgesamt nicht in die Barockzeit passt, in der er entstanden ist. Das Entstehungsjahr 1639 liegt zwar mitten in der Barockzeit, doch Jetter ist sich sicher: „Dieser Altar hat mehr aus der Renaissance.“ Begeisterung schwingt in seiner Stimme mit. „Solche Farbgebung hat man in Westfalen noch nicht gesehen“. Dass der Altar so einzigartig ist, könnte mit dem Dreißigjährigen Krieg zu tun haben - denn in den Kriegswirren wurdem viele Kunstwerke vernichtet.  Vier bis fünf Farbschichten Jetzt steht der Altar zur Restaurierung in der Werkstatt Jetters. Dort entnahmen die Restauratoren an jeder Figur, an jeder Nische, jedem Gesimse Proben – und stießen auf mehrere Schichten verschiedenster Farben. Die bunten Farbschichten verbargen sich unter einer dunkelbraunen Schicht Holzimitationsfarbe – der obersten von vier bis fünf Farbschichten. 3,90 Meter ist der Felicitasaltar hoch, zwei Meter breit, 75 Zentimeter tief – viel Raum zum Restaurieren. Doch, es ist der Wurm drin, genauer gesagt, der Holzwurm. „Der Altar wird nur noch von der Farbe und dem Restholz zusammengehalten“, sagt Sabine Jetter. Für die Reliefs sei Weichholz verwendet worden, während der Altar aus beständiger Eiche gefertigt ist. Ein Indiz – genauso wie das sparsam verwendete Gold – dass das Geld zum Ende des 30-jährigen Krieges eher knapp war.Idee: Altar als Reliquienschrein? Als feststand, dass die Kapelle am Antoniusheim profaniert werden sollte, entstand in St. Georg die Idee, den Altar wieder in die Vredener Stiftskirche zurückzuführen. Vertreter von Kirchenvorstand und -gemeinde, des Amtes für Denkmalpflege in Münster, des Bistums Münster und des Heimatvereins schalteten sich ein. Der Altar sei handwerklich, kunst- und auch zeitgeschichtlich wertvoll, hatte Pfarrer Guido Wachtel betont. Stiftsdamen aus Vreden hatten den Altar noch zur Zeit des 30-jährigen Kriegs gespendet. Überlegt werde noch, ob ein Unterbau für den Altar gebaut werden soll und dann die Reliquien der Stiftskirche St. Felicitas in ihm zu lagern. Rund 30.000 Euro wird die Restaurierung insgesamt kosten. Das Bistum stelle Mittel zur Verfügung, aber auch Spenden würden gesammelt. Allein zu Pastor Wachtels Geburtstag kamen 5500 Euro für den Felicitasaltar zusammen.

 

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