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Vom Künstler zum Schauspieler

Matthias van den Berg

Beim Drogendeal im Film „Der Bulle und das Landei“ hält er Uwe Ochsenknecht eine Knarre an den Kopf, und spürt bald selbst eine im Nacken. Einen freundlichen Pfarrer mimt er in „Der Boden unter den Füßen“ an der Seite von „Wilsberg“ Leonard Lansink, und im modernen Klassiker „Faust 1.0“ den Sinnlichkeit suchenden Faust als anrührend erfolglosen Popliteraten.

VREDEN

von Von Anne Winter-Weckenbrock

, 30.12.2011
Vom Künstler zum Schauspieler

Mit Leidenschaft schlüpft Matthias van den Berg in die Rolle des französischen Dichters und Vagabunden Francois Villon. Über die Zeit, als Villonwegen einer tödlichen Messerstecherei im Verlies saß, verarbeitete van den Berg in dem Film »Galgenfrist«.

Variable und facettenreiche Rollen, mal am Filmset, mal auf der Bühne – diese Abwechslung ist es, die für Matthias van den Berg das Besondere am Beruf ausmacht, die die Leidenschaft fürs Schauspielen immer aufs Neue entfacht: „Das ist das Schöne: Man nähert sich der Literatur, der Lyrik, immer anders“, beschreibt der 44-Jährige, und lehnt sich zurück. „Heimaturlaub“ in Vreden zu Weihnachten. Hier wuchs er auf, am Rande der Stadt am Mühlengrund, ging zur St.-Norbert-Schule, zur Walbertschule, baute sein Abi an der Liebfrauenschule in Coesfeld, machte Zivildienst in Recklinghausen und kam dann zum Sozialarbeit-Studium mit Schwerpunkt Theaterpädagogik nach Köln.Und erst dann – und dort – lebte er seine künstlerische Ader aus. Beim Studententheater packte ihn der Impuls, etwas umzusetzen, was seiner Ideenwelt entsprach. „Ich bin vom Künstler zum Schauspieler geworden“, blickt van den Berg zurück. Er entdeckte Francois Villon und seine Werke, einen französischen Dichter und Vagabunden, der im Mittelalter poetische, aber vor allem bissig-kritische Verse gegen die Obrigkeit schrieb. In der Tradition des Geschichtenerzählens suchte auch van den Berg sich wie Villon vagabundierend die Bühnen – in der Kölner Kultur- und Kneipenszene (und zweimal auch bei Terrahe in Vreden).

Gleichzeitig sammelte er erste Filmerfahrungen: Michael Nagenborg – Vredener aus van den Bergs Stammtisch bei Terrahe – drehte an der Uni-Filmwerkstatt Karlsruhe den Film „Schöpkes Leiche“, und Matthias van den Berg spielte die Hauptrolle. „Michael ist jetzt Doktor der Philosophie“, erzählt van den Berg schmunzelnd. Er hingegen ist bei Film und Theater geblieben. 1997 hatte er sein Studium abgeschlossen. Und er wusste: Das nicht. Aber die Kunst. „Damit waren meine Eltern nicht so glücklich“, erinnert er sich und verzieht das Gesicht. Keinen geregelten Job, sondern die Unbeständigkeit hat er gewählt, die auch er selbst als weniger schöne Seite des Schauspielerdaseins empfindet: „Manchmal hat man viel zu tun, manchmal gar nichts“. Das nimmt er in Kauf für seine Berufung. Genauso wie das Text lernen: „Reine Fleißarbeit und nicht gerade meine Begabung.“

Über das Geschichtenerzählen ging er um 2000 herum „weg von der Straße hin zum Theater“, wie der Kölner es beschreibt. Den Weg von Performances zum schauspielerischen Handwerk legte er mit viel autodidaktischer Arbeit, Sprechunterricht und viel praktischer Arbeit zurück. Zwischen Film und Theater hat van den Berg keine Präferenz, die Rolle ist das Maß der Dinge: „Egal ob groß oder klein: am liebsten gut. Und da habe ich bisher Glück gehabt“, resümiert er. Die Arbeit sei eben anders: Zum Filmset komme man – auf die Rolle vorbereitet – und müsse trotz langer Wartezeiten „funktionieren“. „Und beim Theater wird die Figur noch entwickelt“, verdeutlicht van den Berg den Unterschied. Die Regie habe gleichermaßen eine wichtige Funktion. Diese Perspektive hat er auch schon eingenommen bei seinem Film „Galgenfrist“ über Villons Zeit im Verlies. Das nächste Projekt steht – und spielt in Vreden: Den „Kurzfilm Kopflos“ will van den Berg 2012 drehen. Der Drehtermin für den Zehn-Minuten-Filmsteht noch nicht fest. Aber die Location: Die Gaststätte Niehuis-Borgheynk in Köckelwick soll Schauplatz sein für den an einen Western angelehnten Krimi, den Matthias van den Berg als „Gegenprogramm zu CSI und Co“ sieht: Es geht langsam und wortkarg zu, das „sture Westfälische“ lässt van den Berg im selbst geschriebenen Drehbuch durchscheinen.

Weitere Termine für 2012 stehen schon fest: Im Kölner Theater Tiefrot spielt er in Molieres „Der eingebildete Kranke“ Dr. Diafoirus, den Vater des Thomas, den der Hypochonder Argan gern zum Schwiegersohn hätte. Die Termine: 24./25./26. Februar. Den modernen Klassiker „Faust 1.0“ wird am 19. Mai in Nideggen aufgeführt. Neben Matthias van den Berg als Faust spielt Andreas Schneiders den Mephisto in der Regie von Tom Martus. 2012 in der ARD gezeigt wird der Film „Dann kam Lucy“ mit Julia Jäger, Heio van Stetten und anderen. Van den Berg spielt einen niederländischen Möbelpacker, spricht mal Niederländisch, mal mit Akzent. In der Webserie „Emma Stahl“ verkörpert er einen Bösewicht. Ein Teaser ist schon im Netz zu sehen, gedreht werden soll im Laufe des nächsten Jahres. 

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