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Wanderreiterin Rita da Silva entdeckt kreative Ader

Schmuck aus Pferdehaar

VREDEN Ihr Pferd Duncan hatte sich ein Büschel Schweifhaare ausgerissen – die hingen dann eine Zeitlang in Rita da Silvas Küche. „Warum sollten die zustauben?“ fragte sie sich. Sie erinnerte sich an den Schmuck aus Pferdehaar, den sie einmal auf der Messe „Equitana“ gesehen hatte. Also – wie wäre es mit Schmuck aus Duncans Haar?

von Von Anne Winter-Weckenbrock

, 30.12.2009

Ihre erste – geflochtene – Kette trägt die Vredenerin noch immer um den Hals. Ein filigranes, dunkel glänzendes Exemplar. „Obwohl ich sie zwischendurch auch mal in die Ecke geworfen habe“, denkt Rita da Silva schmunzelnd an ihre ersten Versuche zurück. Aber sie bastelt gerne – und so blieb sie dran und brachte sich die Flecht- und Wickeltechnik bei. „Ich habe mich im Internet schlau gemacht und dann probiert“, erzählt die Pferdefreundin. Beim Wickeln (Hitching) handelt es sich um eine alte Cowboykunst, die in Deutschland nur von wenigen beherrscht wird. Auf den ersten Blick sieht es auch chaotisch aus: In alle Richtungen stehen schwarze, weiße und rote Haare von einem Stab ab.

Dass Rita da Silva aber das Chaos im Griff hat, ist auf der einen Seite des Stabes schon zu sehen: Dort zeichnet sich ein gleichförmiges Rautenmuster ab, das der entstehenden Zopfspange seine individuelle Note geben wird. „Überhaupt sind alle Schmuckstücke Unikate“, betont da Silva, „schon wegen des natürlichen Farbverlaufs der Haare.“ Für einen normalen Rundzopf braucht sie 100 bis 120 Haare. Für ihrer erste Kette suchte sich die kreative Vredenerin einige weiße Haare dazu – „man kann sie aus der Mitte des Schweifes schneiden, es handelt sich ja um nachwachsenden Rohstoff“ – und fing an zu flechten – aus zwölf verzwirbelten und verknoteten Haarbündeln aus je zehn Haaren einen Zopf.

Der Schmuck fühlt sich weich und warm an, er glänzt, ist nicht kalt – natürlich und robust, wie Rita da Silva betont: Man brauche den Schmuck eigentlich nicht abzulegen. „Meine Stallkolleginnen waren dann ganz begeistert und wollten auch Schmuck haben“, erinnert sie sich. Fortan wickelte und flocht da Silva Armbänder, Zopfspangen, Halsketten, Ohrringe – verarbeitete Schmuck- oder Halbedelsteine dazu und ließ ihrer Kreativität freien Lauf. Vom Haare waschen und (mit Textilfarbe) färben über das Flechten und Wickeln, wieder waschen, pressen und Verschlüsse annähen oder Stege einsticken bracht es für ein Werkstück schon mal acht bis zehn Stunden – für größere natürlich mehr. „Ich kann nicht großes Geld damit verdienen, aber Handarbeiten macht mir eben viel Spaß“, erklärt Rita da Silva.

Sie hat ein Gewerbe angemeldet und kann ihren Schmuck zum Beispiel auf Reitturnieren anbieten. Das Interesse ist groß: „Es ist verblüffend, wie viele Leute Haare von ihren verstorbenen Pferden zu Hause haben und dann gern ein Schmuckstück daraus hätten“, erzählt die Vredenerin. Und sie liebt die Herausforderung, immer von Neuem etwas Individuelles zu entwerfen, mit Schrägen, Rauten oder Spiralen… Ihre nächste Idee ist, Leder mit ins Spiel zu bringen. Sie zieht ein altes Holzkästchen hervor – darin: Handwerksgeräte zur Leberbearbeitung, mit der ihr Vater, Schuhmachermeister Hermann Keizers, gearbeitet hat. Ihre Augen leuchten – sie freut sich schon darauf, loszulegen.

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