Warum die Holtkottes keine Angst vor dem Altern haben

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Die ersten grauen Haare, Falten, Speckpölsterchen: O Gott! Ich werde alt! Von dieser Sorge können sich Claudia (52 Jahre) und Peter Holtkotte (51) nicht freisprechen. Aber sie haben Rezepte.

Castrop-Rauxel

, 27.11.2018, 10:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Irgendwo mit 40 erwarten viele Menschen in Deutschland diesen Kipp-Punkt: Die Haarfarbe verblasst und vergraut, die Haut verliert an Spannkraft, die Pölsterchen um die Hüften werden größer. Claudia und Peter Holtkotte haben das nicht bereits mit Anfang 40, sondern erst mit dem Ende ihres vierten Lebensjahrzehnts mit Nachdruck festgestellt. Bange machen gilt für die beiden allerdings nicht. Mit Sport und guter Ernährung wirken die Eheleute aus dem Castrop-Rauxeler Ortsteil Deininghausen diesen Alterserscheinungen entgegen. Sie halten ihre Gesundheit in der Balance.

Jürgen Klopp ist kein Vorbild

Claudia Holtkotte arbeitet als Erzieherin in einem Familienzentrum in Recklinghausen und sagt: „Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich natürlich, dass ich nicht mehr 30 Jahre bin.“ Eitelkeiten haben im Leben der Holtkottes beim Älterwerden aber offenbar keinen Platz. Claudia Holtkotte sagt zum Beispiel ganz offen: „Ich trage seit ein paar Jahren eine Gleitsichtbrille.“

Ihr Gatte Peter, der Kommunalangestellter in Recklinghausen ist, betont: „Irgendwann ist bei mir das Haar nicht nur grau, sondern auch dünn geworden. Eine Haarverpflanzung, wie sie Jürgen Klopp sich hat machen lassen, kommt aber nicht für mich in Frage. Vor allem, weil ich das Geld dafür gar nicht habe.“

Den Krebs und Burnout besiegt

Eine Krise in der Mitte seines Lebens ist beim Castrop-Rauxeler aber nicht aufgekommen. Womöglich hat das auch damit zu tun, dass er zwei schwere Erkrankungen gemeistert hat: eine Krebserkrankung im Jahr 2009 sowie später einen Burnout, also eine völlige geistige und körperliche Erschöpfung. Peter Holtkotte meint: „In solchen Phasen denkt man an ganz andere Dinge als an das Älterwerden.“ Und seine Frau sei stets eine Stütze für ihn gewesen. Die Holtkottes sind seit 28 Jahren verheiratet.

Zweites Comeback im Sportforum

Claudia und Peter Holtkotte halten sich dreimal pro Woche im Sportforum Castrop-Rauxel fit. Sie machen Kraft- und Ausdauer-Übungen. Dabei handelt es sich quasi um ihr zweites Comeback: In den 1990er-Jahren sprangen sie im Sportforum an der Bahnhofstraße auf den Fitness-Zug auf. „Um Muckis aufzubauen“, sagt Peter Holtkotte. Danach gab es eine Auszeit durch die Geburten der Söhne Marcel und Simon. Anfang der 2000er-Jahre gab es einen ersten Neuanfang sowie vor zwei Jahren die abschließende Rückkehr auf das Sport-Parkett für Claudia Holtkotte. Seit zwei Monaten ist auch ihr Mann wieder dabei.

Er betont: „Man muss etwas tun, denn mit Sport kann man einige Alterserscheinungen umgehen.“ Dabei ist der 51-Jährige eigentlich von Haus aus ein „Sportmuffel“, wie seine Gattin meint. „Peter hat nie einem Verein angehört, während ich von Kindheit an Sport getrieben und früher im Verein Badminton gespielt habe.“ Das würde jetzt aber auf die Knie gehen. Deshalb hat sie damit nach einem Muskelfaserriss aufgehört.

Konkrete Gewichts-Ziele

Die Eheleute arbeiten mit recht konkreten Zielen an ihrem Gewicht. Claudia Holtkotte möchte gerne 5 Kilogramm von den aktuell 72 Kilos verlieren. Von 94 auf 85 Kilogramm will Peter Holtkotte kommen. Rücken- und Kniebeschwerden sollen dadurch reduziert werden, so das Ehepaar.

In der eigenen Familie haben die Holtkottes ein gutes Beispiel dafür, dass das Altern zu verschiedenen Zeitpunkten im Leben einsetzt – und sich verschieden auswirkt. Peter Holtkotte: „Meine Schwiegermutter springt wie das blühende Leben umher und treibt auch im Sportforum ihren Sport.“

Pommes aus dem Ofen

Im Fitnessstudio an der Bahnhofstraße besuchen die Holtkottes zudem einen Kurs zur richtigen Ernährung. Claudia Holtkotte sagt: „Der ist so interessant, dass ich ihn jetzt zum zweiten Mal besuche, weil man sich beim ersten Mal gar nicht alles merken kann.“ Gesund ernährt habe sich ihre Familie auch schon in der Vergangenheit; jetzt geschehe das allerdings noch bewusster. Peter Holtkotte: „Wir kaufen nur noch frische Lebensmittel und lassen die falschen Fette weg.“ Es kommen keine Saucen mehr auf den Tisch - erst recht nicht die, die mit Sahne gemacht werden.

Nicht mehr zum Alltag gehören auch Pommes Frites. Peter Holtkotte: „Sie sind bei uns nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. Man kann sie essen, aber eher seltener, eher als Genussmittel.“ Seine Frau betont, dass sie die Pommes auch niemals in der Friteuse zubereiten würde: „Immer im Backofen!“

Den Metzger nach Zucker gefragt

Fertigprodukte kommen ihnen nicht mehr ins Haus. Tütensuppen sind schon seit fast 20 Jahren, seit der Geburt des ersten Sohnes, passé. Der jüngere Sohn Simon (heute 19 Jahre alt) durfte als Kind keinen Zucker und keinen Weizen zu sich nehmen. Peter Holtkotte erzählt: „Schon damals sind wir sensibel geworden. Ich habe sogar unseren Metzger gefragt, ob er sich sicher ist, dass in seinen Produkten kein Zucker ist. Er war sich da auch nicht immer sicher.“

Der Familienvater ist sich sicher, dass durch die jetzt nochmals bewusst eingestellte gesunde Ernährung sich auch sein Geschmacksempfinden verbessert hat: „Ich muss auch sagen, dass ich nicht mehr dauernd Kuchen brauche. Der ist jetzt meistens viel zu süß.“

Interview mit einem Experten zum Thema „Altern“

Warum die Holtkottes keine Angst vor dem Altern haben

Holger Gespers, Geratrie EVK © EvK

Was macht das Altern mit dem Körper und vor allem mit der Psyche?

Im Alter kommt es zu einer Verschlechterung der Organfunktionen. Zum Beispiel von Leber und Niere mit einer Änderung der Reaktion auf Medikamente. Zudem ändert sich das Verteilungsvolumen durch Abnahme der Muskelmasse und Änderungen im Bereich des Körperfettes und des Körperwassers. Im Hinblick auf das Skelettsystem kommt es zu einer Verminderung der Beweglichkeit, zum Teil in Verbindung mit einer Osteoporose. Vonseiten des Gehirns kommt es ebenfalls zu Abnahme der Leistungsfähigkeit mit dem Alter. Diese Veränderungen im zentralen Bereich (Gehirn) und im Bewegungsapparat führen zu einer Verschlechterung der Koordinationsfähigkeit und zunehmender Gebrechlichkeit mit der Gefahr von Sturzereignissen. Unsere psychische Reaktion hierauf ist vielfältig und reicht von fehlender Wahrnehmung bzw. nicht reflektieren der Veränderungen bis zu schweren Depressionen.
Viele Menschen leiden unter den Veränderungen des Alterns im Sinne eines organischen Leidens wie auch eines psychischen Leidens.

Wie geht man am besten damit um?

Wichtig ist sicherlich die Vorbeugung durch Minimierung von Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkoholkonsum und Rauchen. Wichtig ist auch die adäquate Behandlung vorhandener Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Hypertonie, Herzleiden und Gelenkerkrankungen.
Im Alter und in der Prävention spielt die Bewegung eine wichtige Rolle. Tanzen z.B. hat einen sehr positiven Einfluss auf die Verhinderung von Defiziten im Bereich der Bewegung und der Hirnleistung.
Sehr wichtig ist, dass bei Eintreten von Veränderungen geeignete Hilfestellung erfolgt und der Betroffene seine Situation richtig einschätzt. Übertriebene Anforderungen an sich selbst sind hier ebenso falsch wie die Unterbewertung der eigenen Möglichkeiten.
Einen sehr hohen Wert stellt in diesem Zusammenhang der Erhalt der Selbstständigkeit und Selbstbestimmung dar.

Kann man einen guten Umgang mit den ersten Alterserscheinungen lernen?

Grundsätzlich unbedingt: ja. Eine realistische Selbstbewertung und bei Defiziten positive Unterstützung durch Dritte kann hier sehr hilfreich sein. Wo nötig sollte Hilfe vom Betroffenen akzeptiert werden und von der unterstützenden Person in einer Weise bereit gestellt werden, welche den Betroffenen als mündige und selbstbestimmte Person respektiert. Dies stützt das Selbstwertgefühl des Betroffenen, verhindert Depressionen und setzt positive Ansätze der Zukunftsgestaltung.

Ab wann treten Ihrer Meinung nach im Durchschnitt der Bürger tatsächlich die ersten Alterserscheinungen auf?

Alterserscheinungen treten zumeist mit dem Rentenalter auf, können aber auch bereits früher oder auch deutlich später einsetzen. Sofern die Medikamentenapplikation als Maßstab genommen werden kann, nimmt die Anzahl der an Altersveränderungen leidenden Menschen ab 65 deutlich zu und betrifft mit 80 Jahren einen Großteil der Bevölkerung. Aber die Altersveränderungen treten heute später auf als noch vor 50 Jahren bei deutlicher Zunahme der Lebenserwartung.

Führt der „Jugend-Wahn“ der vergangenen Jahrzehnte verstärkt zu psychischen Problemen bereits ab 40?

Eine Einschätzung hierzu ist schwierig zu treffen. Obwohl wir älter werden und Altersprobleme später auftreten als früher, scheint die Akzeptanz für einen körperlichen oder geistigen Abbau schlechter zu werden. Jugend lässt sich nicht kaufen und einen Jungbrunnen wird es nicht geben. Wenn die Gesellschaft Alter positiver bewertet, könnte sich das Problem der psychischen Belastung für den Einzelnen wahrscheinlich bessern. Das Blicken auf die 40, 50 oder 60 als Schreckgespenst ist hier ein falscher Ansatz. Es hat auch etwas Positives alt zu werden, entscheidend ist: wie.

10 Tipps zum Jung fühlen

Warum die Holtkottes keine Angst vor dem Altern haben

Sabine Manns-Auffenberg, Ernährungsberaterin und Fitnesstrainerin beim Sportforum Castrop, hat aus ihrem Erfahrungsschatz zehn Tipps preisgegeben, mit denen man gesund alt wird und sich jung fühlen kann.


  • Bleiben Sie in Bewegung, denn „Sitzen ist das neue Rauchen“. Trainieren Sie Ihre Ausdauer.
  • Pflegen Sie Ihre Muskulatur, indem Sie regelmäßiges Krafttraining machen. Denn Ihre Muskulatur hält Sie schlank und gesund.
  • Trainieren Sie Ihre Beweglichkeit und halten Sie so Ihre Gelenke fit.
  • Essen Sie „echtes“ Essen. Fertigprodukte enthalten meist zu viel Salz, Zucker und/oder Fett.
  • Versorgen Sie sich mit genügend hochwertigem Eiweiß, denn nur so kann Ihr Körper die Zellerneuerung vorantreiben.
  • Trinken Sie genügend Wasser um die Versorgung und Entgiftung Ihrer Zellen zu gewährleisten.
  • Setzen Sie auf die richtigen Fette z.B. aus Fisch, Rapsöl oder Olivenöl und versuchen Sie tierische Fette (Ausnahme Fisch) zu minimieren und gehärtete Fette zu meiden.
  • Halten Sie durch Ballaststoffe und Vollkornprodukte ihren Blutzuckerspiegel konstant.
  • Stress lässt Sie besonders schnell altern. Versuchen Sie Ihre Stresshormone durch regelmäßige Bewegung abzubauen.
  • Atmen Sie mal durch. Ihre Zellen bekommen durch eine flache und falsche Atmung zu wenig Sauerstoff.
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