Was mit meinen Online-Daten nach meinem Tod passiert

mlzDigitaler Nachlass

Netflix-Abo, Facebook-Profil, Paypal-Konto: Die Nutzung von Online-Diensten ist für viele Menschen selbstverständlich. Doch wer hat darauf Zugriff, wenn der Konto-Inhaber stirbt?

NRW

, 27.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Für Aufsehen sorgte 2018 ein BGH-Urteil, das Facebook verpflichtete, den Eltern eines verstorbenen Mädchens Zugang zu deren Nutzerkonto zu gewähren. Auch digitale Inhalte seien vererbbar, so der Bundesgerichtshof. Ohne Kontoinformationen oder Zugangsdaten kann es für die Angehörigen von Verstorbenen schwierig sein, Zugriff auf Internetdienste zu bekommen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) gibt Tipps:

  • Papierform: Beim digitalen Nachlass ist es zunächst wichtig, alle Internetkonten und Zugänge zu erfassen und für Angehörige zu hinterlegen. Das geht zum Beispiel ganz klassisch auf Papier. Die Liste verwahrt man in einem Umschlag an einem sicheren Ort und aktualisiert sie regelmäßig. Eine Musterliste bietet der vzbv im Netz an.
  • Passwortmanager: Es geht aber auch moderner - zum Beispiel mit Passwortmanagern. Die Programme speichern beliebig viele Zugangsdaten zentral und verschlüsselt. Man muss sich nur noch ein Passwort merken, das sogenannte Masterpasswort. Den Passwortmanager kann man auf einem USB-Stick nutzen oder eine Kopie auf einem Stick speichern. In diesem Fall müssen dann Stick und Masterpasswort sicher hinterlegt werden. Wichtig: regelmäßig aktualisieren.
  • Vertrauensperson: Unabdingbar in diesem Zusammenhang ist es, schon zu Lebzeiten eine Vertrauensperson zu benennen, die sich nach dem Tod um den digitalen Nachlass kümmert. Sie sollte über den Standort der Liste oder des Sticks informiert werden. Ein Musterformular für eine entsprechende Vollmacht gibt es auf der vzbv-Seite. Ganz wichtig: Sie muss handschriftlich verfasst, mit Datum gekennzeichnet, unterschrieben und mit dem Hinweis versehen sein, dass sie „über den Tod hinaus“ gilt. Facebook bietet die Möglichkeit, einen Nachlasskontakt zu benennen. Bei Google kann man mithilfe des „Kontoinaktivitäts-Managers“ ebenfalls eine Vertrauensperson bestimmen.
  • Anweisungen festhalten: Die Verbraucherschützer raten, etwa gleich in der Liste mit den gesammelten Accounts zu vermerken, was die Vertrauens- person genau mit den diversen Konten und Daten im Netz nach dem Ableben tun soll.
  • Daten auf Geräten: Teil der Vollmacht oder der Liste sollte ebenfalls sein, was mit Daten auf den eigenen Geräten wie Smartphone und Co. geschieht.
  • Dienstleister: Von kommerziellen Nachlass-Dienstleistern raten die Verbraucherschützer eher ab. Ihre Sicherheit lasse sich nur schwer beurteilen. In keinem Fall sollte man einem Unternehmen Passwörter anvertrauen.
  • Bestatter: Mittlerweile bieten Bestatter Angehörigen ihre Hilfe beim digitalen Nachlass an. Mittels IT-Technologie eines Berliner Start-ups können Bestattern so unbekannte oder unzugängliche Konten des Verstorbenen bei Onlinediensten aufspüren.


mit dpa

Nur wenige Internetnutzer haben sich schon darum gekümmert, was nach ihrem Tod mit ihren Online-Konten passieren soll. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage. Nicht einmal jeder Zehnte (8 Prozent) hat demnach für Hinterbliebene Zugangsdaten zu allen Diensten und Online-Konten hinterlegt. Weitere 4 Prozent haben zumindest bei einigen Diensten Vorkehrungen für den Todesfall getroffen.
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