Was Sie jetzt zur Sonnenfinsternis wissen müssen

Himmelsspektakel am Freitag

Brauche ich wirklich eine spezielle Schutzbrille oder reicht eine Sonnenbrille? Fällt am Freitagvormittag bei der Sonnenfinsternis der Strom aus? Oder der Unterricht an den Schulen? Was passiert da am Himmel und kann ich das Spektakel fotografieren? Wir geben Antworten und erklären, was Sie jetzt sonst noch wissen müssen.

NRW

, 19.03.2015, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Nur mit einer Spezialbrille für die Sonnenfinsternis darf am Freitag das Schauspiel am Himmel beobachtet werden.

Nur mit einer Spezialbrille für die Sonnenfinsternis darf am Freitag das Schauspiel am Himmel beobachtet werden.

Was passiert eigentlich am Freitag genau? 

Der Neumond schiebt sich vor die Sonne und verdunkelt sie. Komplett zu sehen ist diese Sonnenfinsternis aber nur auf einem Streifen des Nordatlantiks. In Europa, Nordafrika, dem Mittleren Osten, in Asien und auf Grönland ist dieses Ereignis am Freitag als Teilfinsternis zu sehen. Der Fachmann spricht von einer "partiellen Sonnenfinsternis". 

Wo und wann kann man bei uns am besten etwas sehen? 

Die Sonnenfinsternis ist am Freitagvormittag ab 9.30 Uhr zu sehen, der Höhepunkt wird gegen 10.30 Uhr erreicht sein. Um 12 Uhr ist das Spektakel vorbei. Der Deutsche Wetterdienst sagt für Freitag meist heiteres Wetter, aber auch Wolken voraus. Nebel und Wolken sollen sich aber rechtzeitig verziehen.  

Brauche ich eine Schutzbrille?

Die Antwort ist ganz eindeutig "Ja!"  Und nochmal: Ja. Wer die Sonnenfinsternis ohne Schutzbrille betrachtet, dem drohen schwere Augenschäden bis hin zur Blindheit. Dazu muss man noch nicht einmal lange ohne Schutzbrille in die Sonne schauen. Es reichen ein paar Sekunden. Daher warnen Ärzte, Optiker und Astronomen eindringlich davor, die Sonnenfinsternis ohne Schutzbrille zu beobachten. Auch nicht durch das Fernglas oder wie oft angeraten durch einen CD-Rohling. Auch eine Sonnenbrille oder eine Schweißerbrille reicht nicht aus! Die Brillen müssen ein Prüfzeichen haben und ausreichende UV-Schutzfilter besiitzen. In den USA verloren 1970 bei der totalen Sonnenfinsternis mindestens 145 Menschen ihr Augenlicht. Das Fatale: Wenn die Sonnenstrahlen die Netzhaut für immer schädigen, gibt es kein Warnsignal.

Wo bekomme ich jetzt noch eine Spezialbrille her?

Die Spezialbrillen gibt es im Optikergeschäft, sie kosten normalerweise etwa 2 Euro. Allerdings war die Nachfrage so groß, dass die Brillen vielerorts schon ausverkauft sind. Um eine im Internet zu bestellen, ist es schon zu spät. Und weil es einen riesigen Run auf diese Brillen gab, wurden sie bei Ebay zuletzt teilweise für rund 20 Euro gehandelt. Man kann sich zwar mit Spezialfolien selbst eine Brille basteln, davon raten aber alle Experten ab. Unser Tipp: Versuchen Sie im Freundes- oder Kollegenkreis jemanden zu finden, der sich eine Brille besorgt hat. Denn wohl kaum jemand starrt länger als ein paar Minuten in den Himmel - und dann ist eben der nächste dran.... 

Wo gibt es öffentliche Veranstaltungen?

Wenn sie gar keine Brille mehr bekommen, können Sie auch eine öffentliche Veranstaltung besuchen z.B. bei einer Volkssternwarte oder einem Planetarium. Dort werden meist auch Spezialbrillen zur Verfügung gestellt. So bieten unter anderem das Planetarium Bochum, die Volkssternwarte im Dortmunder Westfalenpark, die Sternenfreunde Münster, die Sternwarte Herne und viele andere Stellen Veranstaltungen am Freitagvormittag an. Hier gibt es eine ausgewählte Übersicht von öffentlichen Sternwarten. 

Kann man die Sonnenfinsternis fotografieren? 

Ja, das geht. Aber auch hier gilt: Spezialausrüstung benutzen. Denn die Sonnenstrahlen sind für die Kameras und die Augen gefährlich. Jede Kamera und jedes Teleskop oder Fernglas muss mit einer Spezialfolie ausgerüstet sein. Das gleißende Sonnenlicht überfordert auch Kameraverschlüsse und Sensoren. Vorsicht: Besonders gefährlich ist ein ungeschützter Blick durch eine Spiegelreflexkamera. Dieser führt - so kurz er auch sein mag - fast unweigerlich zur Erblindung.

Was passiert an den Schulen? Fällt der Unterricht aus? 

Nein. Dafür aber möglicherweise die Pause. Denn einige Schulen wollen die Kinder in der Pause nicht nach draußen lassen - die Gefahr, dass  Kinder doch ohne Schutz in die Sonne schauen, ist groß. Manchmal wird auch eine Einverständniserklärung der Eltern verlangt, wenn Schutzbrillen vorhanden sind. Einige weiterführende Schulen wie das Neue Gymnasium in Bochum oder das Ruhrtal-Gymnasium in Schwerte planen große Aktionen zum praktischen Physikunterricht mit den Schülern und haben im Vorfeld Sammelbestellungen für die Brillen aufgegeben.  „Es wäre schade, wenn die Schüler solch ein Naturereignis verpassen würden“, erklärte der stellvertretende Schulleiter Matthias Walter aus Schwerte. Dort  soll unter anderem in den Ruhrwiesen geschaut werden. 

Hat die Sonnenfinsternis Auswirkungen auf das Stromnetz?

Die Stromnetzbetreiber freuen sich über jede Wolke. Denn sollte das Wetter sehr gut sein, sind durch die Photovoltaik-Anlagen starke Schwankungen im Stromnetz zu erwarten.  Inzwischen gibt es aber vorsichtige Entwarnung bei der befürchteten Blackout-Gefahr durch die Sonnenfinsternis. Ein «Worst-Case-Szenario» mit starken Schwankungen im Netz - durch wegfallende und nach Ende der Finsternis wieder hinzukommende Solarleistung - könnte wohl vermieden werden. «Der Wetterbericht sieht für uns gut aus», sagte der Leiter Systemführung beim westdeutschen Netzbetreiber Amprion, Joachim Vanzetta. 

Darum sind die Sonnenstrahlen gefährlich: Bei einem ungeschützten Blick in die Sonne treffen UV-Strahlung, sichtbares Licht und Infrarotstrahlung mit sehr hoher Intensität auf die empfindlichen Strukturen des Auges. Während die UV-Strahlung – mit Ausnahme eines geringen Anteils der UV-A-Strahlung – von den vorderen Augenmedien wie Hornhaut und Linse absorbiert wird, erreichen sichtbares Licht und nahes Infrarot (IR-A-Strahlung) die Netzhaut. Hier sitzen die für den Sehvorgang nötigen Rezeptoren.  Ein Blick in die Sonne kann die Netzhaut in kürzester Zeit so schädigen, dass das Sehvermögen bleibend eingeschränkt wird oder sogar vollends verloren geht. Das Fatale dabei: Es gibt kein Warnsignal. Netzhautschäden lösen keinen akuten Schmerz aus. Wenn die Schädigung des Sehvermögens bemerkt wird, ist es zu spät. Die Schäden sind gesetzt und heilen nicht mehr.