Wegen einer „Nichtigkeit“ fünfmal zugestochen - das ist das Urteil

Prozess

Mit einem Jagdmesser hatte ein 22-Jähriger fünfmal zugestochen – ins Bein und in die Hüfte seines Nachbarn. Jetzt wurde er verurteilt.

Essen, Marl

, 10.12.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Prozess fand am Essener Landgericht statt. (Symbolbild)

Der Prozess fand am Essener Landgericht statt. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

So ganz geheuer war den Richtern die Situation offenbar nicht. Im Prozess um einen blutigen Nachbarschaftsstreit in Marl-Drewer war kurz vor der Urteilsverkündung extra noch ein Wachtmeister in den Gerichtssaal gerufen worden. Zum Glück blieb alles ruhig. Viereinhalb Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung: So lautete am Dienstag das Urteil am Essener Landgericht. Für den Angeklagten muss es ein Schock gewesen sein. Er hatte immer von Notwehr gesprochen.

Angeklagter wurde als introvertiert beschrieben

Introvertiert – so hatte ihn seine Verteidigerin Anja Bleck-Kentgens im Prozess genannt. Und genau so hatte sich der 22-Jährige vor Gericht auch präsentiert: wortkarg, in sich gekehrt, undurchschaubar. Ein Waffensammler war er, allerdings wohl nur zu Dekozwecken. In seiner Marler Wohnung hatte er Samurai-Schwerter, eine Machete und auch ein Jagdmesser, das selbst seine Anwältin einen „Brummer“ nannte. Damit hatte der 22-Jährige fünfmal zugestochen – ins Bein und in die Hüfte seines Nachbarn. Einige der Stiche waren so wuchtig, dass die Klinge auf den Knochen traf.

Es ging um laute Musik

Das Opfer war ein 40-jähriger Mann, der erst einen Tag vorher eingezogen war. Die beiden Männer hatten kurz gestritten, dann war jeder wieder in seiner Wohnung verschwunden. Es ging um angeblich zu laute Musik. „Eine absolute Nichtigkeit“, so Richterin Annette Rabe bei der Urteilsbegründung. Unglücklicherweise habe es der Angeklagte jedoch nicht dabei belassen. Er sei zurückgekehrt, habe bei seinem Nachbarn geklopft und sofort zugestochen.

„Von Notwehr keine Rede“

„Von einer Notwehr-Situation kann überhaupt keine Rede sein“, hieß es im Urteil. Der Angeklagte sei ja nicht mal angegriffen worden. Die Folgen für das Opfer sind schwer. Der 40-Jährige hat bis heute Probleme beim Laufen. Dazu kommen Albträume und Angstgefühle. So hatte es der Marler vor Gericht geschildert.

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