Syrer soll als Terrorist und Kriegsverbrecher einen Mann hingerichtet haben

Oberlandesgericht Düsseldorf

Ein 35-jähriger Syrer muss sich vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten. Er soll im syrischen Bürgerkrieg an einer Hinrichtung beteiligt gewesen sein. Und als Terrorist agiert haben.

Düsseldorf

04.03.2021, 13:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht steht ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher.

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht steht ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher. © picture alliance/dpa

Ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher aus Syrien hat am Düsseldorfer Oberlandesgericht seine Unschuld beteuert. Er habe niemanden getötet und sei selbst Opfer des grausamen syrischen Bürgerkriegs, erklärte der Anwalt des 35-Jährigen am Donnerstag.

Er sei Informatik-Lehrer und habe während des Konflikts als neutraler Pressevertreter gearbeitet. Er habe einen Geiselaustausch beobachten wollen. Zu spät habe er bemerkt, dass eine Hinrichtung geplant war und er instrumentalisiert worden sei, behauptete sein Anwalt. Den Mitangeklagten kenne er nicht.

Der 35-jährige Syrer war über die Balkan-Route nach Deutschland gekommen und am 13. Juli vergangenen Jahres in Essen festgenommen worden. Der 43-jährige Mitangeklagte, der am gleichen Tag in Sachsen-Anhalt festgenommen worden war, schwieg beim Prozessauftakt am Donnerstag zu den Vorwürfen.

Angeklagter soll zur Al-Nusra-Front gehört haben

Er soll zu einer Gruppe gehört haben, die sich später der islamistischen Al-Nusra-Front anschloss. Er ist daher auch als Terrorist angeklagt. Auf das Konto der Al-Nusra gehen etwa 1500 Anschläge mit insgesamt rund 8700 Toten, so die Bundesanwaltschaft.

Sie wirft den Männern vor, 2012 an der Erschießung eines Oberstleutnants der syrischen Regierungstruppen am Ufer des Euphrats beteiligt gewesen zu sein. Den Ermittlern zufolge sollen die Männer den gefesselten und schwer misshandelten Gefangenen zur Hinrichtung gebracht haben.

Der 43-Jährige habe die Bewachung mit einem Schnellfeuergewehr übernommen, der 35-Jährige die Erschießung zu Propagandazwecken gefilmt und verherrlichend kommentiert. Das Video war später auf Youtube erschienen und soll bei den Verdächtigen gefunden worden sein. Das Gericht hat 18 Verhandlungstage angesetzt.

dpa

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