Unterschiedliche Fallzahlen zum Coronavirus verwirren viele, sind aber erklärbar

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Welche Zahlen zum Coronavirus stimmen denn nun? Robert-Koch-Institut, Weltgesundheitsorgansiation und Johns-Hopkins-Universität melden unterschiedliche Fallzahlen. Und das hat seine Gründe.

Dortmund

, 23.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wichtigste vorab: Wenn Das Robert-Koch-Institut, die Weltgesundheitsorganisation WHO oder die Johns-Hopkins-Universität unterschiedliche Fallzahlen zum Coronavirus veröffentlichen, ist nicht die eine falsch und die andere richtig, sondern: Die Zahlen entstehen unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Daher sind die einen etwas aktueller als die anderen.

Für Deutschland ist die offizielle Stelle das Robert-Koch-Institut mit Sitz in Berlin. Hier, beim Bundesinstitut für Infektionsschutz, fließen alle Daten zu den Fällen in Deutschland zusammen. Rein praktisch geht das so: Wenn ein Arzt oder ein Labor bei einem Patienten das Virus feststellt, informiert Arzt oder Labor das Gesundheitsamt des Kreises oder – bei kreisfreien Städten – das der Stadt.

Der lange Meldeweg nach Berlin

Die Gesundheitsämter ihrerseits melden mindestens einmal am Tag ihre Fallzahlen an die Gesundheitsministerien der Bundesländer weiter. Die Länder-Ministerien wiederum melden ihre Daten regelmäßig, aber auch nicht in Echtzeit, an das Robert-Koch-Institut.

Aufgrund dieses langen Meldeweges sind die Daten, die das RKI sammeln und verarbeiten kann, nicht immer auf dem aktuellsten Stand. Je weiter man in der Meldekette an die Basis kommt, desto aktueller sind die Daten. Bei den von uns veröffentlichen Angaben zur regionalen Verbreitung beziehen wir uns daher nicht auf das RKI, sondern auf das NRW-Gesundheitsministerium.

Idee einer Professorin in Baltimore macht Furore

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt – wie das RKI – einmal am Tag Daten heraus, in diesem Fall zur weltweiten Verbreitung des Virus. Dabei stützt sich die WHO auf die Angaben der offiziellen nationalen Behörden, in Deutschland ist das das RKI.

Und dann ist da noch die private Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, die Zahlen zur weltweiten Verbreitung des Coronavirus veröffentlicht. Diese Stadt liegt knapp 300 Kilometer südlich von New York an der Ostküste der USA. An dieser Uni lehrt die Professorin und Gesundheitsexpertin Lauren Garden. Sie gründete mit einem Team im Januar dieses Jahres eine Plattform, um die Daten zur Corona-Verbreitung zu erfassen.

Daten fast schon in Echtzeit

Dabei nutzt das Team nicht nur die Daten, die weltweit von offiziellen Stellen herausgegeben werden, sondern auch ganz viele andere Quellen. Dazu gehört etwa ein Netzwerk von Menschen im Gesundheitswesen ebenso wie die Auswertung lokaler Medienberichte. Das alles geschieht, wo immer das möglich ist, mit Hilfe einer Such- und Auswertungs-Software, zum anderen aber auch durch persönliche Überprüfungen und Updates. Dadurch gelingt es der Johns-Hopkins-Universität, auf der Ebene ganzer Länder fast schon ein Bild in Echtzeit zu zeichnen.

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