Welterbe: Weniger Gebäude hätten mehr Erfolg gehabt

Jury kritisiert Bewerbung

Die Karten liegen auf dem Tisch. Seit Montag ist im Internet nachzulesen, warum das Ruhrgebiet erst einmal kein Unesco-Welterbe wird. Kurz gesagt: Weniger wäre mehr gewesen.

DORTMUND

von Von Beate Dönnewald und Bettina Jäger

, 16.06.2014, 19:24 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte sich am vergangenen Donnerstag gegen die "Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet" entschieden. Der Grund: Der Fachbeirat der KMK hat die additive Aufreihung zu vieler Industriedenkmäler in der Bewerbung des Reviers deutlich kritisiert.Begründung hat 60 Seiten

"Der Fachbeirat erkennt das Ruhrgebiet als einen bedeutenden industriezeitlich geprägten Kernraum an. Seine Größe und Heterogenität bergen ein Potenzial, mit dem man die Komplexität einer industriell erzeugten Kulturlandschaft erfassen könnte. Allerdings wäre dafür eine Konzentration und Fokussierung auf ausgewählte (...) Objekte notwendig gewesen", heißt es in dem 60-seitigen Papier, in dem alle 31 Vorschläge bewertet werden.

Einzelne Objekte hätten außerdem nicht den einzigartigen Charakter, den die Unesco verlangt. Besonders streng geht die Jury mit dem Bochumer Bergbaumuseum ins Gericht. Es entspreche nicht dem Paragrafen 77 der Unesco-Bestimmungen. Darin wird verlangt, dass es sich um ein "Meisterwerk des kreativen menschlichen Geistes" handelt. Das Museum ist aber bekanntlich aus Elementen verschiedener Gebäude zusammengesetzt.Ein Stück Hoffnung

Dennoch steckt in der Begründung auch ein Stück Hoffnung. Das Thema soll weiter erforscht werden, empfiehlt die Jury. Auch Rainer Klenner, Referatsleiter Industriekultur beim Städtebauministerium in Düsseldorf, sah gestern Licht am Horizont. "Wir hoffen auf die Beratung, die der Fachbeirat angeboten hat", erklärte er.  

Auch vor Ort an der Dortmunder Kokerei Hansa geben die Bürger nicht auf. "Wir wollen Welterbe"- für dieses Motto werden die Menschen weiterhin kämpfen. Das betonten gestern der Bezirksbürgermeister Harald Hudy und Carsten Hensel vom "Hansa Revier Huckarde": "Dieses Ensemble aus Industriedenkmälern hat es verdient, Welterbe zu werden. Es ist einmalig und eine wichtige Identifikation für die Menschen hier im Ruhrgebiet", so Hudy.

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