Wenn der Tod tanzt

Narren-Ausstellung in Recklinghausen

RECKLINGHAUSEN. Der Karneval ist eine Zeit der Ambivalenzen. Auf der einen Seite das ausgelassene Treiben, die Anarchie - auf der anderen der Aschermittwoch, an dem Buße getan wird und das normale Leben wieder einkehrt.

von Von Katharina Pfeifle

, 04.03.2011, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jäh beendet der Tod den Maskenball: "The Masquerade" von Thomas Rowlandson.

Jäh beendet der Tod den Maskenball: "The Masquerade" von Thomas Rowlandson.

Diese Doppelbödigkeit des Karnevals möchte die Kunsthalle Recklinghausen in ihrer aktuellen Ausstellung "Narren - Masken - Karneval" aufgreifen. Dabei geht es mitnichten um die bunte Kamelle- und Konfetti-Party. Die 50 Exponate aus dem späten Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert legen den Schwerpunkt auf die enge Verbindung zwischen Narren, Masken, Karneval und Tod. Die rund 50 Grafiken stammen aus der Sammlung "Mensch und Tod" der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Weil die Kunsthalle wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, wird die Schau im Kutscherhaus präsentiert. Am Anfang steht der Narr als zentrale Figur des Karnevals, historisch verankert und religiös behaftet. "Der Narr ist als Gottesleugner zunächst negativ definiert. Alle Todsünden lasten auf seinen Schultern", erklärt Hans-Jürgen Schwalm, stellvertretender Museumsdirektor. Der Psalm 53 des Alten Testamentes besagt: "Der Narr sprach in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott." Schlechtheit der Gesellschaft In Andreas Paul Webers "Totentanz" von 1970 nimmt der Narr dann die Rolle des wissenden Beobachters ein. Mit einer Taschenlampe beleuchtet er die Schlechtheit der Gesellschaft, im Mittelpunkt des Bildes tanzt der Tod als Skelett mit einem Soldaten mit Pickelhaube. Vom Narr und dem Narrenspiel schlägt die Ausstellung die Brücke zum Maskenball. Der Tod, der sich verkleidet und den Ball mit seinem Auftritt sprengt, ist ein immer wiederkehrendes Motiv. Jäh beendet er das ausschweifende Treiben, als er die Teufels-Maske ablegt und sich den Menschen zu erkennen gibt (Thomas Rowlandson, "The Masquerade"). Er bringt die Cholera und als Prostituierte kostümiert die Syphilis.Hoppeditz steht in Düsseldorf Weniger düster geht es im ersten Stock zu: Die neun Blätter der Folge "Carne Vale" von Rolf Lock zeigen Motive, die man auch heute mit dem Karneval verbindet. Es beginnt mit dem Skelett als Büttenredner und endet mit dem Köbes, dazwischen Tanzende, das Reitercorps und das Dreigestirn. Außerdem finden hier fünf Bronze-Plastiken des Künstlers Bert Gerresheim Platz. Sie sind Vorstufen des Hoppeditzdenkmals, das im Original vor dem Haus des Karnevals in Düsseldorf steht.Kunsthalle Recklinghausen im Kutscherhaus: "Narren - Masken - Karneval", bis 27. März, Willy-Brandt-Park 5, Di-So 11-18 Uhr. Katalog: 29,90 Euro.

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