Wenn der Vater mit dem Sohne kräftig draufschlägt

Kino: "Real Steel"

In naher Zukunft haben menschliche Boxer ausgedient. Im Ring vermöbeln sich Roboter, dirigiert per Joystick. Nimmermüde Gladiatoren, die die Publikumsgier nach krachigen Spektakeln stillen. Stahl hämmert auf Stahl bei den Sensations-Maschinen. "Real Steel" heißt der Film von Shawn Levy ("Nachts im Museum").

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 31.10.2011, 17:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mann gegen Maschine: Im Film "Real Steel" funktioniert das.

Mann gegen Maschine: Im Film "Real Steel" funktioniert das.

Charlie Kenton (Hugh Jackman) war einst ein Champion im Ring. Jetzt verdingt er sich auf Rodeos, wo Roboter gegen Stiere kämpfen. Doch Charlie bleibt ein Verlierer, sein Fighter hat bloß Schrottwert. Aus Not tauscht er das Sorgerecht für Sohnemann Max (Dakota Goyo) gegen Bargeld. Bevor der Elfjährige zu Adoptiveltern kommt, absolvieren Vater und Sohn eine letzte Boxtournee. Auf dem Müll findet Max ein altes Robotermodell, das er "Atom" tauft und fit macht für den Ring. Die "Rocky"-Streifen im Kopf, weiß man, was kommt. Underdog Atom, gesteuert von Max, boxt sich nach oben und trotzt dem Meister aller Klassen, einer High-Tech-Bestie. David gegen Goliath.Prügel-Orgien Es riecht verdächtig nach Prügel-Orgien aus der Mache von Hollywoods zweiter Garnitur ("American Fighter"). Die Kämpfe verlaufen in bekannten Bahnen, unsere Sympathie gehört dem Außenseiter. Er taumelt, er wankt, dann schlägt er zurück. Jawoll, gib's ihm! Vater und Sohn jubilieren, wir ertappen uns beim Mitjubeln. Das Kalkül geht auf, die Klopperei (rechnergeneriert nach Bewegungen von Boxern) setzt Adrenalin frei.

Twist ins Sentimentale 

Hier werden niedere Instinkte bedient, hört man den Chor der Bedenkenträger. Ach was, es sind Roboter. Soll das Blech doch scheppern! Dann aber verblüfft der Film mit einem Twist ins Sentimentale, der unerwartet (schnüff!) ans Herz geht. Der Rabenvater und sein Filius versöhnen sich. - Frei ab zwölf Jahren wahrt "Real Steel" das Flair von kindlicher Coolheit. Wer ihn kennt, hat auf dem Schulhof die verbale Lufthoheit. 

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