Wenn die Geister rufen, werden Bauern zu Künstlern

Ausstellung "Skulpturen der Lobi"

MARL Kunst als Pflichtaufgabe - Europäer kennen das nur aus dem Schulunterricht. Für die Lobi ist das Erschaffen von Skulpturen dagegen Teil des Alltags.

von von Benjamin Blum

, 18.04.2011, 18:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Großteil der Lobi-Skulpturen besteht aus Holz.

Ein Großteil der Lobi-Skulpturen besteht aus Holz.

Auftraggeber der Westafrikaner sind die "Thila", ihre Schutzgeister. Bleibt der Kindersegen aus oder die Ernte gering, muss der Betroffene eine Figur erschaffen. Ackerbauern werden bei den Lobi dann zu Holzschnitzern.

Aus einem Baumstamm hauen sie grobe Formen, die Oberflächen sind zerfurcht. Individuelle Werke entstehen, die frei von Konventionen zu sein scheinen, aber einem klaren Ziel folgen.146 Skulpturen

146 "Skulpturen der Lobi", so der Name der Ausstellung, sind im Glaskasten Marl zu sehen. Sie stammen aus Ghana, Burkina Faso oder der Elfenbeinküste, den drei Heimatländern des westafrikanischen Volkes. Die meisten Exponate bestehen aus Holz, selten sind Terracotta- und Gelbguss-Arbeiten zu sehen.

Im Zentrum der Lobi-Kunst steht der Mensch, meist verbunden mit einem Zweck: Äste werden zu ausgestreckten Armen, die Schutz bieten. Ein Paar kopuliert, auf dem Mutterbauch sitzt ein Foetus. Die Fruchtbarkeit dringt aus den vertrockneten Holzporen.Künstlerischer Wert stimmt

Der ethnologische Hintergrund der Schau spielt eine Rolle, aber auch der künstlerische Wert stimmt. Viele Skulpturen stehen in stillem Dialog zur europäischer Kunst. Eines der Werke könnte man mit seinem ovalen Kopf und den kantigen Körperpartien gar auf einem kubistischen Gemälde unterbringen - obwohl die abgeschieden lebenden Lobi europäische Künstler kaum kennen dürften.Skulpturenmuseum Glaskasten Marl: "Die Skulpturen der Lobi", bis 29. Mai, Creiler Platz 1, Di-So 10-18 Uhr, Katalog 20 Euro.

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