Werden Drohnen die Taxis der Lüfte?

Forschung

In Amsterdam präsentierten Mitarbeiter der TU Delft Drohnen, die Menschen transportieren können. Mit ihnen sollen sich Menschen in großen Städten zukünftig einfach fortbewegen können.

Amsterdam

von Helmut Hetzel

, 13.01.2020, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
Werden Drohnen die Taxis der Lüfte?

Schon 2018 war eine Passagier-Drohne Volocopter 2x am Stand von Intel bei der Digitalisierungsmesse Cebit zu sehen. Dieses "Luft-Taxi" bietet Platz für zwei Personen und wird elektrisch über 18 Rotoren betrieben. © picture alliance/dpa

Fliegen war schon immer eine niederländische Leidenschaft. Die KLM ist die älteste Fluglinie der Welt. Sie feierte im vergangenen Oktober ihr 100-jähriges Jubiläum. Nun heben die fliegenden Holländer wieder ab. Jetzt erobern sie den Himmel mit Drohnen, die nicht nur Fracht transportieren können, sondern auch Menschen.

Auf der Amsterdam Drone Week stellten die Start-ups Talaria und Silverwing unter dem Motto Personal Air Mobility kürzlich ihre neuen Fluggeräte für Personen erstmals der Öffentlichkeit vor. Es sind „fliegende Fahrräder“, still, kompakt und elektrisch angetrieben. Entwickelt und gebaut hat sie eine Gruppe von rund 30 Studenten der TU Delft. Die futuristischen Fluggeräte heißen Silverwing, kurz: S-1, und Hermes II.


Eine Drohne wie ein U-Boot

Hermes II ist ungefähr zwei Meter hoch und wird von Rotoren mit einem Durchmesser von 2,60 Metern in die Luft gehoben. „Mit Hermes II kann eine Person fliegen“‘, sagt Student Alexander Essle, der an dem Projekt beteiligt ist. „Hermes II ist im Prinzip ein fliegendes Moped, aber durch die Rotoren sieht er eher wie ein kleiner Hubschrauber aus“, schildert Essle.

Die weitere fliegende Drohne für den Personentransport, die Silverwing, hat ein zweites Studententeam der TU Delft gebaut. Die S-1 gleicht eher einem kleinen fliegenden U-Boot, ist ebenfalls still und leise, weil elek­trisch angetrieben. Sie hat eine Reichweite von rund 40 Kilometern und ist nach Meinung der Entwickler das perfekte Lufttaxi.

Die S-1 „ist das innovativste Kleinflugzeug der Welt“, sagt Silverwing-Sprecher Bernd Rietberg stolz. „Die S-1 ist eine Kombination aus Flugzeug und Hubschrauber mit der Kraft einer Rakete.“ Sie könne im Garten eines Hauses landen und autonom von einem vertikalen auf einen horizontalen Flug umschalten. Aufgrund dieser besonderen Flugfähigkeiten sieht Rietberg „eine breite Skala von Einsatzmöglichkeiten: Die S-1 ist auch für den Transport von Fracht durch die Luft ideal, und sie ist effizient und umweltschonend“.

Drohnen schon bald integraler Teil des Luftraums

Die Amsterdam Drone Week, die zum zweiten Mal stattfand, ist internationaler Treffpunkt für die Drohnentechnologie, -forschung und -nutzung. Diesmal drehte sich alles um die Frage: „Wie können Drohnen ein integraler Bestandteil als Flugzeuge in unserem Luftraum werden?“ Sie werden es, so zumindest der Tenor auf der Messe, wohl schon bald sein. Denn sobald sie auch Menschen transportieren können, seien sie die ideale Alternative, um den vielen Staus auf unseren Straßen zu entgehen.

Kay Wackwitz, Vorsitzender des deutschen Unternehmens Drone Industry Insights, prognostiziert, dass sich der Markt für Drohnen von heute rund 14 Milliarden Euro Umsatzvolumen bis 2024 verdreifachen wird. Wo aber sollen die Geräte am stärksten zum Einsatz kommen? „Das sind die Landwirtschaft, der Energiesektor, die Bauwirtschaft, aber auch der Gesundheitssektor“, sagt er.

Drohnen transportieren Blutkonserven

In der Schweiz zum Beispiel transportiere das Unternehmen Matternet Blutkonserven und dringend benötigte Medikamente mit Drohnen zu Krankenhäusern und in Forschungslabore. Das funktioniere sehr gut. In Ruanda sei ein Drohnennetzwerk aufgebaut worden, das Krankenhäuser mit Medikamenten und Blutkonserven versorgt, weil während der Regensaison die Straßen oft nicht befahrbar sind. „Drohnen können Leben retten“, meint Wackwitz.

Ein Siebtel der Menschheit habe keinen ganzjährigen Zugang zu befahrbaren Straßen. „Eilige Medikamente oder Blutkonserven können somit nicht an Orte und in Krankenhäuser gebracht werden, wo sie gebraucht werden“, sagt der Experte. „Drohnen machen das möglich.“

Auch Wackwitz ist davon überzeugt, dass man mit den Fluggeräten demnächst Menschen transportieren könne: „Die vorgestellten Drohnenmodelle der Personal Air Mobility in den Niederlanden zeigen das.“

Uber will auch in die Luft

Das amerikanische Unternehmen Uber plant ebenfalls eine Personenbeförderung per Drohne. Das Projekt soll in Los Angeles, Dubai, Singapur und Dallas starten, auch weil dort die Verkehrsdichte auf den Straßen so hoch ist. „Uber Elevate will Drehscheiben aufbauen mit einer Kapazität von 1000 Flügen – Starts und Landungen – pro Stunde“, so Wackwitz.

In Deutschland ist Uber aber durchaus umstritten. Der US-Fahrdienstleister darf hier über seine App keine Mietwagenfahrten vermitteln. Das verstößt, so stellten mehrere Gerichte klar, gegen das deutsche Personenbeförderungsgesetz.

Derzeit sollen in Deutschland rund 500.000 Drohnen unterwegs sein, die meisten von ihnen werden privat genutzt. Dominiert wird der internationale Markt weitgehend von chinesischen, amerikanischen und französischen Firmen. In den Top 20 der Produzenten befindet sich kein einziges deutsches Unternehmen. Die Entwicklung von Navigationssoftware für die Fluggeräte ist innerhalb der Drohnenindustrie der größte Wachstumsmarkt. Er wird derzeit weitgehend von den Chinesen und den Amerikanern dominiert. Auch hier sind deutsche Unternehmen mit der Lupe zu suchen.

Drohnen müssen gekennzeichnet sein

In Deutschland unterliegt jede Drohne ab einem Startgewicht von mehr als 250 Gramm der Kennzeichnungspflicht. Sie muss mit der kompletten Adresse des Halters und Eigentümers gekennzeichnet sein. Das betrifft alle gängigen Modelle, die am Markt erhältlich sind. Zudem arbeitet die European Union Aviation Safety Agency (EASA) daran, auf europäischer Ebene Regelungen für den Flugverkehr von Drohnen zu erlassen, damit es in der Luft nicht zu Zusammenstößen oder Unfällen mit Drohnen kommen kann. Man will dazu ein European Drone Regulations System (EDRS) aufbauen, das bereits erprobt wird.

Nötig ist das allemal. In Erinnerung ist der Vorfall, als kurz vor Weihnachten 2018 Drohnen den Flugverkehr in London-Gatwick lahmlegten. Dabei fielen um die 1000 Flüge aus, betroffen waren rund 140. 000 Passagiere.


Der Artikel "Werden Drohnen die Taxis der Lüfte?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.