Wie bei George Floyd: Polizist kniet in Düsseldorf auf dem Hals eines 15-Jährigen

Kriminalität

„Jetzt weiß ich, wie Floyd sich gefühlt hat“ – sagt ein Jugendlicher, der in Düsseldorf von Polizisten festgenommen wurde. Videos zeigen, wie ein Polizist auf dem Hals des 15-Jährigen kniet.

Düsseldorf

17.08.2020, 05:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Video zeigt, wie sich die Polizisten auf den Kopf des 15-Jährigen knien.

Ein Video zeigt, wie sich die Polizisten auf den Kopf des 15-Jährigen knien. © Twitter @binwiederdabro

Videos von einem harten Polizeieinsatz in Düsseldorf sorgt in den sozialen Medien für Aufsehen. Zu sehen ist in verschiedenen bis zu 15 Sekunden langen Videos, wie ein Polizist mit seinem Knie auf dem Hals eines jungen Mannes drückt, um seinen Oberkörper am Boden zu fixieren. Ein zweiter Polizist hält die Arme auf dem Rücken des jungen Mannes fest. Umstehende sind zu hören, wie sie den Polizisten bitten, vom Hals des 15-Jährigen abzulassen. Das Alter des Jugendlichen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen.

Jugendlicher war am Einsatzgeschehen zunächst nicht beteiligt

Auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland sagte die Polizei Düsseldorf am Sonntagmittag, man sei dabei, die Aufnahmen zu verifizieren. Das ist bis zum Abend offenbar geschehen, wie die Polizei Düsseldorf in einer Pressemitteilung schreibt. Beamte seien am Samstag gegen 19.30 Uhr zu einem Restaurant gerufen worden, weil dort zehn Jugendliche randaliert haben sollen. Ein am eigentlichen Geschehen unbeteiligter Jugendlicher habe dann aber die polizeilichen Maßnahmen gestört und sei übergriffig geworden, als die Polizisten seine Personalien aufnehmen wollten.

Der Jugendliche habe die Polizisten angegriffen, heißt es in der Stellungnahme der Polizei. Zu dem harschen Vorgehen der Beamten finden sich kaum Worte in der Mitteilung. Man analysiere und bewerte das Video intensiv „auch hinsichtlich der Art und Weise des polizeilichen Einschreitens“. Aus Neutralitätsgründen ermittelt die Polizei Duisburg, weil es sich um den Verdacht eines Beamtendeliktes handele. Ob auch gegen den 15-Jährigen ermittelt wird, blieb zunächst unklar.

„Jetzt weiß ich, wie Floyd sich gefühlt hat. Ich habe es am eigenen Leib erlebt, nur dass ich am Leben bin“

Über das Opfer ist - bis auf das Alter - bisher wenig bekannt. Über seinen Instagram-Account meldete sich der Jugendliche, der in Polizeiobhut genommen und auf dem Präsidium seinen Erziehungsberechtigten übergeben wurde, zu Wort: „Jetzt weiß ich, wie Floyd sich gefühlt hat. Ich habe es am eigenen Leib erlebt, nur dass ich Gott sei Dank am Leben bin und Floyd leider Gottes nicht.“ George Floyd starb Ende Mai, als ein Polizist bei einem Einsatz auf seinem Hals kniete. Mehrfach sagte er, er bekomme keine Luft. Sein Tod löste eine Debatte um Rassismus und Polizeigewalt in den USA und weltweit aus.

Auch Seitens der Politik ist das Video bereits Thema, wie der WDR berichtet. Demnach sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, dass man das Video sehr ernst nehme. „Sollte es bei dem Einsatz zu Fehlverhalten von Polizisten gekommen sein, wird dem selbstverständlich konsequent nachgegangen. Wir nehmen dieses Video sehr ernst.“ Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel äußerte sich und bezeichnete die Bilder als verstörend. Der SPD-Politiker fordert eine „unverzügliche Aufklärung“, so der WDR.

Auch Thema im Landtag

Der umstrittene Polizeieinsatz wird am Donnerstag auch den Landtag beschäftigen: Die Fraktionen von SPD und Grünen haben jeweils eine Aktuelle Viertelstunde im Innenausschuss beantragt, in der die Landesregierung einen Bericht zu dem Fall vorlegen soll. „Das Video, das im Netz von dem Einsatz gegen einen Minderjährigen kursiert, zeigt mehr als verstörende Sequenzen“, teilten am Montag die SPD-Abgeordneten Sven Wolf und Hartmut Ganzke mit: „Wir hatten gehofft, dass wir solche Bilder nach dem tragischen Tod von George Floyd in Deutschland niemals zu sehen bekommen würden. Ein starker Staat muss verhältnismäßig mit seiner Macht umgehen.“

Die Innenexpertin der Grünen im Landtag, Verena Schäffer, twitterte am Montag: „Der Polizeieinsatz in Düsseldorf muss aufgeklärt werden. Dass Polizisten sich auf Kopf/Hals einer am Boden liegenden, bereits fixierten Person knien, kann nicht verhältnismäßig sein.“ NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat eine konsequente Aufklärung angekündigt. „Auch ich habe mich erschrocken“, sagte Reul am Montag über seinen ersten Blick auf ein Video des Einsatzes.

RND/msk/am

Der Artikel „Wie bei George Floyd: Polizist kniet in Düsseldorf auf dem Hals eines Mannes“ stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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